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Malen ist mein Leben

Selbstbildnis aus dem Jahr 2001
 
"Gärtner" Schulze dengelt
Dieses Bekenntnis stammt von Reinhold Schulze, einem unauffälligen Gersthofer der sich mit auffällig ansprechenden Bildern der Malkunst verschrieben hat. Schulze lebt sei 1994 in Gersthofen und wurde vor wenigen Wochen 80 Jahre alt. Ein Geburtstag, an dem man normalerweise von Angehörigen und Freunden mit Geschenken und guten Wünschen überhäuft wird. Etwas Besonderes ließ sich Schulze einfallen: er schenkte sich mit Hilfe des Kulturkreises Gersthofen und der Stadt Gersthofen eine Ausstellung, in der viele seiner Werke zu sehen sind. In „Lebensbeschreibung in Lebensbildern“ werden 62 Bilder, Plakate und Skizzenblätter präsentiert, welche die ganze Bandbreite seines meisterlichen Umgangs mit Pinsel und Farbe zeigen. Dazwischen Erinnerungen in Form von Collagen und Fotos. Viele Bilder zeigen einfache und unspektakuläre heimische Landschaften, die den Maler als Naturfreund anziehen. Einige Ansichten aus Dresden geben Hinweis auf seine ursprüngliche Heimat in Sachsen. Maler Schulze -er vermeidet die Bezeichnung „Künstler“- bevorzugt in seinen Aquarell-, Kreide- und Ölbildern kräftige Farben, die sich oft vermischen; die impressionistische „Ader“ ist unverkennbar. Mit Bleistift gefertigte Skizzen zeigen ihn als aufmerksamen Betrachter, der Eindrücke schnell zu Papier bringt.

Schulze kann's aber auch größer. Von 1957 bis 1994 gestaltete er mit seinen Kollegen Bühnenbilder für die Städtischen Bühnen Augsburg. Voraus gingen Studiengänge an der Fachschule für angewandte Kunst in Leipzig, der Hochschule für bildende Kunst in Dresden und der Akademie für bildende Künste in München. Als gelernter technischer Zeichner, später Theatermaler und Assistent des Ausstattungsleiters konnte er seine künstlerische Ambitionen voll ausleben. Leider hatten die geschaffenen Bühnenbilder nur so lange Lebensdauer, so lange das dazu gehörige Stück auf dem Spielplan stand. „Dann waren sie Abfall oder wurden ausgeschlachtet. Das war halt so“, erklärt Schulze emotionslos. Viele Fotos und Skizzen erinnern an seine 37-jährige Theaterzeit, die „sein Leben“ war. Und sie wirkt immer noch nach: Schulze hat ständig einen Skizzenblock und Bleistift bei sich, um Momente festzuhalten. Als der myheimat-Mann ihn fotografierte, wurde er im Gegenzug skizziert...

Maler Schulze kann auch gut mit dem Fotoapparat umgehen. Er hat u. a. die Bauaktivitäten um die Renovierung der TSV-Turnhalle und Erstellung der Abenstein-Arena auf Wunsch des TSV-Präsidenten Karl-Heinz Wagner mit Fotos dokumentarisch festgehalten. „Diese Arbeit hat mir besonders viel Spaß gemacht“, erklärt das TSV-Mitglied Schulze. Das „Mitmachen“ beim Kulturkreis Gersthofen und dem Nogent-Verein sowie bei den Gymnastikstunden des TSV Gersthofen machen dem kontaktfreudigen Schulze viel Freude. Seine Frau Hannelore ist „ständige Begleiterin“. Sie hält sich am liebsten im Hintergrund, ist für Ehemann Reinhold aber die wichtigste Person in seinem Leben. „Ohne sie hätte ich es nicht geschafft“, erklärt Schulze und verweist auf frühere schwere Erkrankungen; im März 2011 stürzte er und zog sich einen Oberschenkelhalsbruch zu. Gefährlich wurde es auch vor Jahren während eines heftigen Gewitters bei Schondorf/Ammersee, bei dem ihn ein Blitz fast streifte. Er schlug unmittelbar neben Schulze im Wasser ein, als er ein Ruderboot an Land zog. Es dauerte tagelang, bis Schulze wieder seine Hände voll bewegen konnte.

Der Rentner ist mit seinem Lebensverlauf zufrieden, obwohl ihm nichts geschenkt wurde. „Ich bedauere nichts“, erklärt er nach kurzer Überlegung. „Ich gehe offen auf die Menschen zu und versuche das Positive in ihnen zu finden.“ Was ihm zuweilen Kritik von seiner Frau einbringt; sie meint er sei manchmal zu vertrauensselig. Er ist bekennender Pazifist, hasst Gewalt in jeder Form. Schulze kann sich selbst auf die Schippe nehmen und bezeichnet sich als „Pinsel- und Bleistiftquäler“. Das Gespräch geht langsam dem Ende zu. Es gibt im Garten noch zu tun. Wie schon in seinen Bildern – Natur bedeutet ihm viel. Beide Schulzens' legen Wert auf einen naturnahen Garten. Gemäht wird mit der Sense; Schulze demonstriert es gekonnt. Man merkt, dass ihm Gartenarbeit Spaß macht. Der Pressemann verabschiedet sich und freut sich, dass er wiederum über einen bemerkenswerten und sympathischen Menschen berichten kann...

Hinweis: Die Ausstellung ist im Gersthofer Rathaus bis zum 8. September während der normalen Öffnungszeiten zu sehen.
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Weiterveröffentlichungen:

myheimat-Stadtmagazin gersthofer | Erschienen am 02.09.2011
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1 Kommentar
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Werner Aßner aus Affing | 04.08.2011 | 21:03  
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