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Historischer Rückblick, Einwohnerzahl Gersthofens erhöht sich um 1267 Personen

 

Vor 40 Jahren kamen Batzenhofen, Edenbergen und Rettenbergen
nach Gersthofen

Ab dem 1. Januar 1978 erhöhte sich die Einwohnerzahl der Stadt Gersthofen auf einen Schlag um weitere 1267 Personen. Dazu kamen noch 14,55 Quadratkilometer an flächenmäßigem Zuwachs zum Stadtgebiet. Möglich machten diese Vergrößerungen der Stadt Gersthofen zum Anwachsen zur damals zweitgrößten Landkreisgemeinde seinerzeit die freiwilligen Eingemeindungen der bislang selbstständigen Gemeinden Batzenhofen, Edenbergen und Rettenbergen.

In der ersten Stunde des Jahres 1978 läuteten die Kirchenglocken so wie üblich das neue Jahr, aber zugleich auch ein neues Kapitel der Gersthofer Ortsgeschichte ein. Die geschichtliche Besonderheit damals zur nächtlichen Stunde: Die drei Bürgermeister Anton Kugelmann (Batzenhofen), Sebastian Huber (Edenbergen) und Karl Schmidt (Rettenbergen) vollzogen an der Straßenkreuzung Edenbergen – Rettenbergen symbolisch gemeinsam einen historischen Akt und übergaben dabei ihre Gemeinden an Gersthofens Bürgermeister Karl J. Weiß (CSU).

Während die Gemeinde Hirblingen zuvor bereits im Jahr 1975 freiwillig zu Gersthofen kam, folgten Batzenhofen, Edenbergen und Rettenbergen, bedingt durch die im Rahmen der Gebietsreform getroffenen Anordnungen der Staatsregierung, dann drei Jahre später dem Hirblinger Beispiel. In diesen drei westlichsten Gemeinden entschied sich jeweils die Mehrheit der Bevölkerung für einen Anschluss an Gersthofen und nicht alternativ für eine sogenannte „Vernunftehe“ mit Gablingen. Die Edenbergener wollten ihre Selbstständigkeit schon vor Hirblingen aufgeben. Durch Gemeinderatsbeschluss im März 1972 beantragte die Gemeinde ihre freiwillige Eingemeindung nach Gersthofen. Weil zwischen Gersthofen und Edenbergen damals noch keine gemeinsame Grenze bestand lehnte die Regierung von Schwaben den Antrag allerdings ab.

Mit dem Hochzeitsmarsch von Mendelssohn-Bartholdy, gespielt vom Sparkassenorchester Augsburg, wurde am Dreikönigstag 1978 in der Batzenhofener Mehrzweckhalle in festlichem Rahmen die Eingemeindung vollzogen.

„Eine gute Braut“ bringe er mit seiner Gemeinde Edenbergen in die Gemeindeehe mit Gersthofen ein, verdeutlichte damals Bürgermeister Sebastian Huber in seiner Abschiedsrede. Von der Eingemeindung als „ein freiwilliges Muss“ mit einem ausgesuchten geeigneten Partner nunmehr an der Seite und von der unüberhörbaren Bitte, auch nach der Eingemeindung die Eigenständigkeit des dörflichen Lebens zu bewahren und zu fördern, sprachen die anderen beiden Bürgermeister Karl Schmidt und Anton Kugelmann. Übereinstimmend formulierten die früheren Bürgermeister den bewegenden Abschied von der Selbstständigkeit und den Eintritt in den größeren Stadtverband so: „Wir legen das Geschick unserer Gemeinden und deren Bürger in die Hände der neuen Stadt als gemeinsame Heimat“.

Gersthofens Bürgermeister Karl J. Weiß zeigte großen Respekt davor, wenn Gemeinden mit großer Vergangenheit nun ihre Selbstständigkeit freiwillig aufgeben. Bürgermeister Weiß sah es als vordringlichste Aufgabe, künftig nicht mehr in den alten Gemeindegrenzen zu denken und zu handeln, sondern sich als Bürger der „einen Gemeinde“ wohl zu fühlen.

Die Gemeindeneugliederung in den 70er Jahren, so erinnert sich Stadtrat und damaliger CSU-Ortsvorsitzender Karl-Heinz Wagner als Zeitzeuge, war eine spannende Angelegenheit. So gab es im Oktober 1975 eine entscheidende Besprechung mit den Bürgermeistern und Gemeinde- und Stadträten der Gemeinden Batzenhofen, Edenbergen, Rettenbergen und Gersthofen. Die Stadt Gersthofen als „Brautwerber“ lud zu einer Besichtigung der kommunalen Einrichtungen ein, um zu zeigen „was man zu bieten hat“.

Ab diesem Zeitpunkt wurden zügig die Vertragsentwürfe nach weiteren Verhandlungsrunden und Gremienentscheidungen ständig aktualisiert. Eine sehr wichtige gemeinsame Einigung war dabei auch die Festlegung des Eingemeindungstermins 1. Januar 1978. Letztendlich fanden dann in den Eingemeindungsverträgen viele vertragliche Regelungen ihren Niederschlag. So zum Beispiel die Beibehaltung der bisherigen Ortsnamen als Stadtteilnamen, der Erhalt der Gemeindewappen oder die Rechtsnachfolge bezüglich Vermögen und Verbindlichkeiten. In Batzenhofen wurde die Errichtung eines Kinderspielplatzes und eines Kindergartens von der Stadt Gersthofen verlangt. Sehr wichtig war den damaligen Rettenbergener Gemeinderäten, dass die Freiwillige Feuerwehr nicht aufgelöst wird. Großen Wert legten sie auch darauf, dass die aus Anlass der freiwilligen Eingemeindung gewährten staatlichen Zuschüsse nur für Maßnahmen in Rettenbergen verwendet werden dürfen.

Mit der Zeit eingeschlafen sind zwischenzeitlich auch vor vierzig Jahren so manch gut gemeinte Vertragsregelungen. So sollten in Batzenhofen jährlich zwei Stadtratssitzungen, mindestens vier Sitzungen der städtischen Ausschüsse und monatlich einmal vom amtierenden Bürgermeister Sprechstunden abgehalten werden. Dieses ursprünglich verlangte Angebot an so viel ortsnaher Kommunalpolitik verlor aber bald an öffentlicher Nachfrage. (khw)
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