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Kleines Reisetagebuch einer Backpackerin in Australien

Syndney!

Def.: Backpacker erkennt man an ihrem meist geliebten Rucksack (+treuster Freund), in verschiedensten Größen. Lieblich verziert mit netten souvenir-patches aus der schon bereisten Welt. Oben drauf noch eine grasgrüne Woolworth- oder Coles(vgl. Aldi, Lidl)-StoffTasche (Aussis achten seit 2006 auf ihre Umwelt!)gefüllt mit dem nötigsten Essen, Schuhen oder/und dem Rest, der nicht mehr in den grossen Freund gepasst hat.

Wobei es ein falsches Gerücht ist, dass Backpacker unmodisch oder gammlig wären: die neusten Trends kann man an ihnen ablesen. Zuletzt waren es immer noch Schuhmodemässig die ‚Thongs’ oder Flipflopps gepaart mit ‚Karottenhosen’. Soweit zu den üblichen Gefährten. Heutzutage trifft man aber auch vorwiegend aus der amerikanischen und asiatischen Backpackerwelt die ‚Suitcaser’ an. Selbe Geschichte, selbe Welt nur meist mehr Geld und Kurzzeitreisende!

Mitte Oktober... Puh!, endlich auf der Reise. Lange geplant, gespart und vielfach diskutiert: Die Flughaufendurchsage hat meinen Flug aufgerufen! Verabschiedungen fallen schwer, sind aber der erste Schritt in eine neue Freiheit. Vom 2-Tagesstopp in Dubai in das viel europäischere Neuseeland für 3 Wochen und dann endlich nach Australien: Meine Reisekollegin Doris und ich sind gespannt! Interessant, dass man sich in Dubai trotz räumlicher Nähe fremder fühlt als auf der anderen Seite des Globus! Der religioese Fastenmonat Ramadam tut sein übriges: kein Essen,Trinken oder andere Genüsse auf öffentlicher Strasse. Neuseeland (kurz: NZ) wirkt im ersten Augenblick etwas überlaufen von Deutschen-Ex-Abiturienten, wenn man aber die richtigen Winkel aussucht, hat man durchaus seine Ruhe. So haben Doris und ich die Kleinbusse gewählt und haben in den viel zu kurzen drei Wochen unseren Weg von Nord- zu Südinsel genossen. Neuseeland wirkt noch so unberührt und frisch, dass sie einem einfach gefallen muss, die grüne Oase imPazifik. Von der ‚Herren der Ringe’-Verfilmung perfekt vorbereitet worden
sehen wir uns selber auf einer Mission durch die tollen Naturschauspiele: vier Jahreszeiten in einerm Land verzaubern! Frühlingsknospen und Blumen,wärmende Sonne im Nacken, weiss- gesprenkelte Bergspitzen und den typischen kalten Wind auf der Haut.

Mit Wehmut verlassen wir die kleinen Inseln um auf die viel größere Schwesterninsel auszufliegen. Was viele nicht wissen: von West nach Ost würde sich Australien (kurz: OZ) von Portugal nach Griechenland erstrecken! Und noch immer eine beliebte Quizfrage: Was war doch nochmal die Hauptstadt von OZ? Nach einem riesen Streit zwischen Sydeny und Melbourne, den man bis heute merken kann wurde die Hauptstadt schlicht in die geografische Mitte hineinkonstruiert: Canberra! Sydney ist gross, geschäftig, international v.a aber überraschend asiatisch und nicht wirklich Autralien, wie man hinterher feststellen wird. Nach den NZ-Reisen etwas abgeschlagen von so viel Wunderbarem kommen wir in Canberra bei Pfarrer Eddie etwas zur Ruhe. Nutzen die Zeit aber vor allem, um unser Konto zu eröffnen, Handykarte zu kaufen, unsere Steuernummern zu aktivieren und allgemeinem Organisieren. Die Stadt selber, von den vorüberziehenden Backpackern meist ignoriert, erkunden wir mit den super gastfreundlichen deutschen Auswanderen, die zu Pfarrer Eddies Gemeinde gehören! Ein ganz tolles Erlebnis! Die Großstadt Sydney hat uns dann wieder: Suche nach einem Job beginnt. Nicht so einfach, wie Anfangs angenommen und von Ex-Oz-Reisenden verkündet ‚easy going’. Mit Flyer verteilen und Kleinbusfahren fürs Hostel schlag ich mich durch. Das Spontanangebot, eine ‚Roadtrip’ nach Melbourne zu machen, nehmen Doris und ich gerne an. Füruns wird es auch ein Erfahrungstrip: Jörg, ein Deutscher sitzt im Rollstuhl und braucht trotz Sportgeist Hilfe. Wir schätzen unsere Reise-Beinchen nun viel mehr!
Da wir unsere Tour nicht für lange LÄNGERE ZEIT geplant hatten, kaufen wir uns kein Auto. Mit (Nacht-)bussen, Zug und Autotouren kommen wir nach SwanHill zum ‚fruitpicken’, zurück nach Melbourne, Sydney zum familiären Weihnachten: (wir teffen drei Weltenbummler aus unserem PKG- Jahrgang!)und Neujahr um auf der ’Great Ocean Road’ in den Westen nach Adelaide und dann Perth aufzubrechen. Dort tennen sich unsere Wege, weil wir in unterschiedlichen ‚Countrypubs’ unser unerforschtes Talent als Barfrauen erproben wollen! Mein Hotel-Pub-Job verschlägt mich ins 1500 Einwohner starke Beverley. Wie mein Heimatdorf eigentlich. Aber kaum dort angekommen, wollte ich gleich wieder umdrehen: es ist abgeschottet, ich
bin müde, die Chefs kein Paar, dass ich sonst unter anderen Umständen kennengelernt hätte, das Pub dunkel und rauchig und alle wollten so viel von mir wissen in ihrem westaustralischen Gemurmel!! Dann erzählt Graham, derBoss, dass die letzte ‚barmaid’ morgens einfach in einer Nacht-und Nebelaktion abgehauen ist...Was soll ich da denken? Ich bin aber hier, um allem eine Chance zu geben und Erfahrungen zu sammeln- bleibe also die ersten Tage sind noch etwas schwerer mit all den neuen Begriffen, Preisen, Gästen, ihren Namen und das zum Gesicht passende Getränk.... Dabei verpasse ich den Moment Teil der Familie von den drei anderen ‚barmaids’, Sue, Graham und ihren über 30jaehrigen Sprösslingen geworden zu sein. Ja sogar in die Gemeinde aufgenommen zu werden. Muss wohl über Nacht bei einer der ersten spontan- Parties unserer Gästen passiert sein! Einmaliges Gefühl nach einigen Monaten Reisen ein 2. australisches ’Daheim’ zu haben. Vor allem Kleinigkeiten wie ein eingenes Zimmer, voller Kühlschrank, Tagesrhythmus und den ’Hi! G’Day! How are you today!’’s der Einwohner über die Hauptstrasse hinweg zu hören machen die verlängerten zwei Monate zu einem unvergesslichen Erlebnis! Mit Tränen in den Augen werden wir Mädels zum Bus gebracht: Es geht auf in eine neue Etappe. Und die Überraschung ist groß: Mein Pa kommt tatsächlich nach Perth um mit mir die Westküste zu bereisen! Leider haben wir einmal in Coral Bay angekommen keine Chance mehr weiter zu fahren, weil der Zyklon Glenda ihr Unwesen treibt und uns evakuieren lässt. Aber das gehört eben zu den typisch australischen Erlebnissen und tut unserem super Tripp keinen Abbruch!: Dürre, dann wieder (u.a. rote) Seen, viele nette und hilfsbereite Australier, lange Fahrten, Tauchen im wunderschönem Ningaloo Riff, Schwimmen mit Seelöwen,....

Wieder allein zurück in Perth breche ich nun mit dem Flugzeug nach Cairns auf. Ganz neue Art des Check-in: man macht quasi alles selber am einem Computer und hält am Ende dann sein Ticket in der Hand. Mit Cairns zeigt Australia mir eine ganz andere Welt: die Tropen. Alles grün und nass. Duschen brauch man nicht wirklich, weil man hinterher genauso feucht herauskommt wie man reingegangen ist! Nach Walks und Wasserfällen kommt die Zeit der Planung, ein verhasstes Kapitel der Backpackerschaar. Aber die Angebote der Dinge ‚to do’ überrennen einen. Ich entscheide mich für eine 3-Tagesbootstour draußen am so legendären Great Barrier Riff, einen Magnetic Island Tripp und zwei
weiteren Touren entlang der Ostküste hinunter zur meiner Endstation Sydney.
Die Whitsunday’s Segeltage mit einer 20 Manntruppe waren gigantisch, wurden dann aber von den drei Tagen ‚selfdrive’ auf der weltgrößten Sandinsel Fraser Island ueberboten – Steigerung von gigantisch klingt absurd?? Is aber so! Die letzten Tage werden mit wegwerfen der ausgetragenen Klamotten und lang erwartetem Kaufen neuer, sonnen, alte Bekannte treffen und Sightseeing gefüllt.

Als Resumee muss ich sagen, dass die schönsten Erlebnisse immer die Treffen mit den Aussis (klar, auch Aborigines) sind, die ich immer auf meinen Stationen durch den Kontinent kennenlernen durfte! Da wurden die sonst langweiligsten Fleckerl zu den besten Erinnerungen! Und Freundschaften mit allen Nationen führen nicht nur zu besserem Verständnis füreinander sondern auch zu grossen Freundschaften! (Wenn das mal keine Tagesweisheit wird! ;-})

Muss ich dazusagen, dass Oz in jeden Lebenslauf gehört? Nicht nur um das Schul-Englisch zu verbessern, sondern auch und vor allem um die Aussis und ihr Land kennenzulernen, sich selber besser einschätzen zu können und an den verschiedensten Situationen zu wachsen.

........Nun ruft die Lautsprecherdurchsage meinen Flug nach München auf- eine schöne Zeit geht vorbei. Aber wenn einen einmal die Reiselust gepackt hat, will man nicht mehr stoppen und plant schon für die nächste Reise![....Asien vielleicht, oder doch Suedamerika. Afrika,...es gibt noch so viel zu entdecken!]

CU
Eure
Jana

Und Jungs: kramt eure Boards wieder aus! Nicht nur in Sachen Mode sind die 80ger zurück, sondern auch auf der Strasse!
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