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Wir schmücken die Frauen der Welt

„Wir schmücken die Frauen der Welt“ heißt die Devise der Gablonzer Schmuckwarenhersteller in Neugablonz, und in diese Welt einzutauchen, machten sich 46 Frauen der Frauen-Union und des Frauenbunds Gersthofens auf in den Süden nach Neu-Gablonz bei Kaufbeuren.
6000 Mitarbeiter in 560 Betrieben bemühen sich hier und heute, diese Devise Wirklichkeit werden zu lassen.
Es ist ein wenig auch die Geschichte einiger Gersthofener „Stifter“ und ihrer Familien, die vor 65 Jahren die Sudeten verlassen mussten.
Die Gersthofenerinnen hörten vom Neuanfang der Gablonzer Schmuckindustrie am neuen Standort am Stadtrand Kaufbeurens. Dieser Ort war den Sudeten durch die Militärregierung 65 Jahre zuvor angewiesen worden. Hier gelang unter widrigsten Umständen, aber dank eines ungeheuren Überlebenswillens der Glasdrücker, Glasperlenwickler, Gold- und Silberschmiede, Glas- und Porzellanmaler, der Schmuckgürtler, Estampeure und Graveure in Holzbaracken und verbliebenen Bunkern eine neue Industrie, ihre Industrie, wieder aufzubauen. Das Wissen der Meister, das Wiederbeleben früherer Geschäftsbeziehungen in alle Welt, der Wunsch der deutschen Frau in den fünfziger Jahren, sich nach all der entbehrungsreichen Kriegs- und Nachkriegszeit wieder zu schmücken - und zwar zu einem erschwinglichen Preis - trugen dazu bei, dass die Neu-Gablonzer Industrie mit ihren vielen kleinen Familienbetrieben blühenden Aufschwung nahm.
Angelockt durch die Aussicht, die Nachbildung des Verlobungsrings einer Prinzessin Diana zu sehen, zu wissen, dass mit abertausenden Svarovsky-Glitzersteinchen das cremefarbene Kleid Marylin Monroes bestickt war, als sie „Happy Birthday Mr. President“ ins Mikrophon hauchte, machte die Gersthofenerinnen neugierig auf das Isergebirgsmuseum.
Das Museum pflegt auch durch begleitende Exponate und Hörstationen die Anfänge der Glasdynastie Riedel („Warum kann ein Chianti nicht aus einem Burgunderglas schmecken?“), es zeigt einen Original VW-Käfer, denn sein Schöpfer, der Ingenieur Ferdinand Porsche, stammte ebenfalls aus dem Isergebirge. Wie lange braucht man, um eine Perlenkette aufzufädeln? Die Besucherin kann sich am Tempo einer Profifädlerin messen. Wie entstehen Broschennadeln? Das kann an einer Drahtbiegemaschine selbst erprobt
werden. Wer noch mehr über die Isergebirgler wissen wollte, griff zum Hörer und ließ sich von Otfried Preußler die Geschichte des „Räuber Hotzenplotz“ erzählen. Auch Preußler stammt aus der Region.
Zum Abschluss des Besuches herrschte im Museumsladen Bazaaratmosphäre. Gersthofenerinnen probierten Ohrringe, umschlangen sich mit Ketten, begutachteten Armbänder, verwarfen wieder, was ihnen im Spiegel nicht gefiel, und begannen das Spiel von neuem.
Und dann feierten fröhliche Frauen unter strahlender frühabendlicher Maisonne zum guten Schluss in einem landbekannten Wörishofener Café einen gelungenen, harmonischen, gemeinsamen Ausflug.

(Bericht von Ingrid Paul)
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