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Neues vom "Krautgarten"

Der neue Bolzplatz beim "Krautgarten"
Gersthofen: Krautgarten |

Ein alter Flurname wird für die Jugend attraktiv

Der neue Bolzplatz beim "Krautgarten" wird bereits gut angenommen. Bleibt zu hoffen, daß dies auch für den neu installierten Tütenspender weiter unten am "Biberteich" gilt.
Spaziert man den Weg "Am Wiesengrund" am Wertstoffhof vorbei weiter Richtung Schmuttertal, so zweigt nach etwa 150 Metern ein Weg nach links ab, an dem ein Drainagegraben entlang fließt. Beides existiert schon seit vielen Jahrzehnten, doch nicht in der heutigen Form: Der Graben war früher nur knapp einen halben Meter eingetieft, der Weg ein ungeteerter Feldweg und das umliegende Wiesenland morastig-feucht.
Diese Ecke ist älteren Batzenhofern unter dem Flurnamen "Krautgarten" bekannt und dieser Name kommt nicht von ungefähr.
Im Jahr 1946 wurden in Batzenhofen 172 Heimatvertriebene aus dem Sudetenland, Schlesien, und anderen ehemals deutschen Gebieten aufgenommen. Der umgangssprachliche Ausdruck für diese Menschen war, obwohl unzutreffend, "Flüchtlinge" und wurde anfangs oft eher geringschätzig gebraucht. Ein beachtlicher Teil von ihnen wohnte in dem eigens dafür errichteten Gemeindeblock Hausnummer 102, heute Ecke Herdweg / Gotenstraße. Da auf dem Grundstück für die dort lebende Anzahl Menschen nur vergleichsweise wenig Fläche für Gemüsegärten vorhanden war, andererseits aber aufgrund der wirtschaftlichen Situation Selbstversorgung dringend nötig war, legten viele von ihnen Gemüsegärten entlang dieses Grabens an, der dann auch gleich zum Bewässern benutzt werden konnte.
Neben Salat, Rettichen, Mohrrüben, Kraut und anderem Gemüse gedieh dort auch Knoblauch, für die "Flüchtlinge" unverzichtbares Gewürz, für die Eingesessenen damals noch eher unbekannt und unbenutzt.
Die Wälder um Batzenhofen waren stets "aufgeräumt", da die älteren der "Flüchtlinge" in den Nachkriegsjahren Tannenzapfen und alles Totholz akribisch sammelten und als willkommenes Brennmaterial für die meist recht kalten Nachkriegswinter nutzten.
Schließlich kamen sich die Zugezogenen und die Einheimischen auch persönlich näher, zarte Liebesbande wurden geknüpft, meist nicht gerade zur Freude der einheimischen Eltern, doch schließlich mußten auch die Alteingesessenen einsehen, daß die "Flüchtlinge" fleißige Leute waren, sich gerne ins Dorfleben integrierten und letztlich zu einer Bereicherung - im übertragenen, wie im wörtlichen Sinn - der Gemeinde wurden. Und nach und nach bekamen nicht nur die Flüchtlinge, sondern sogar deren Knoblauch Zugang zu den heimischen Küchen.
Bleibt zu erwähnen, daß auch der Autor als Kind einer solchen Flüchtlingsehe das Licht der Welt erblickte.
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Gabriele B. aus Gersthofen | 14.06.2017 | 14:03  
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