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Ecuador und Galápagos - Bunte Vielfalt am Äquator

Herrliche Landschaften
 
‚Plaza de la Independencia‘ in Quito.
 
Riesenlandschildkröte auf Galapagos.

¡Que lindo! (dt.: Wie nett/hübsch!) ist meiner Erfahrung nach der Lieblingsausspruch der ecuadorianischen Bevölkerung. Oft und gerne verwendet, setzt sich dieser Spruch bald so im Gehör fest, dass man nicht umhinkommt ihn selbst unentwegt zu benutzen. ¡Que lindo!, das dachte ich mir des öfteren während meiner Reise, die mich von München via London und Miami für vier Wochen zuallererst mal nach Quito, der Hauptstadt Ecuadors, führte.

Ecuador ist das kleinste (nach den drei Guyanas) und gilt u.a. als das günstigste Reiseland Südamerikas. Trotzdem sagt man ihm eine Vielfältigkeit in Bezug auf Landschaft, Flora und Fauna nach, die seinesgleichen sucht. Es existiert eine grobe Einteilung in die vier Bereiche „las Islas“ (die Galápagos-Inseln), „la Costa“ (die Pazifikküste), „la Sierra“ (die Gebirgskette der Anden) sowie „el Oriente“ (das Amazonasbecken im Osten). Die ca. 14 Mio. zählende Bevölkerung ist ebenfalls bunt gemischt und besteht grob geschätzt zu einem Viertel aus „Indígenas“ (salopp ausgedrückt: Indianer), ca. 65 % Mestizen, und jeweils ca. 10 % Schwarzen und Weißen.

Die Hauptstadt Quito, von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt und auf einer Höhe von 2800 m gelegen, dehnt sich 17 km lang und 4 km breit in einem Tal der Anden aus. Nicht zu verachten ist dabei die dünne Höhenluft, die mir, unterstützt von den Emissionen des Straßenverkehrs, auch bei nur kurzen Anhöhen und Treppenaufgängen zu schaffen machte, von Aufstiegen auf Vulkane und Berge ganz zu schweigen. Beim Schlendern durch die wunderschöne Altstadt fiel mir auf, warum diese Stadt zu den schönsten Südamerikas gezählt wird. Da das „centro histórico“ gut hundert Kirchen auf kleinstem Raum sein Eigen nennt, ist es wohl angebracht zu sagen, dass die Spanier hier bei ihrer Kolonialisierung ganze Arbeit geleistet haben. Beeindruckend sind die allemal, und von der Kirche „La Compañía de Jesús“ deren Innenleben fast vollständig mit Gold verkleidet ist, wird erzählt, dass allein beim Verkauf des enthaltenen Goldes die gesamten Staatsschulden Ecuadors getilgt werden könnten. - ¡Que lindo! Für den Partylöwen ist wohl eher „Gringolandia“ mit seinen Unmengen von Bars, Diskotheken und Internetcafés im modernen Viertel der Stadt interessant. 22 km außerhalb von Quito lohnt es sich die Stätte „Mitad del Mundo“ zu besuchen. Dieses Denkmal ziert den Äquator, der als Trennung von Nord- und Südhalbkugel lustige Versuche erlaubt, wie z.B. das Beobachten von in verschiedene Richtungen drehendes Wasser in Abflüssen oder das senkrechte Aufstellen von Eiern. Nicht zu vergessen blitzschnelle Sonnenbrände, da die Sonnenstrahlen in dieser Gegend sehr senkrecht auf die Erde und Ihre Bewohner auftreffen.

Um dem ganzjährig milden Klima Quitos zu entfliehen brachte mich eine zweistündige Busfahrt auf der Panamericana in südlicher Richtung und eine abenteuerliche Jeepfahrt an einen relativ unbefestigten Parkplatz in 4600 Metern Höhe, dem Ausgangspunkt meines Anstiegs auf den Cotopaxi, mit 5900 Metern der höchste noch aktive Vulkan der Welt. Da der Krater nur bei einer 2-Tages-Tour zu erreichen ist, entschied ich mich für die kürzere Tour zum „Refugio“ auf 5200 Metern, das heißt soviel wie: noch dünnere Luft als in der Stadt und dazu eiskalt, schneidender Wind und eisiger Sprühregen, ein Schritt rauf und zwei zurück in Schnee und Lavageröll.

Nach dem Überstehen dieses ungemütlichen Vergnügens kam mir die Aussicht auf ein Paar Tage am Pazifikstrand gerade recht. Mein Weg führte mich in die Provinz Esmeraldas nach Atacames, dessen Hotels am Wochenende vor allem mit Einheimischen bevölkert sind. Eine Bootstour brachte mich für einen Nachmittag aufs offene Meer hinaus, um dort Wale zu beobachten, die dort während der Paarungszeit in Massen zu finden sind. Wer in Atacames jedoch Ruhe und Entspannung sucht ist hier definitiv falsch, denn der lange Strand zeichnet sich hauptsächlich durch unzählige Bars aus, die sich gegenseitig mit der Lautstärke Ihrer Musik zu übertreffen versuchen. Da die Stadt hinter dem Strand auch nicht sehr viel hergibt fand sich aber schnell ein Taxi in Form einer Rikscha, die hier in Unmengen vorhanden sind, und einen für einen US Dollar (die Landeswährung Ecuadors) auch wieder schnell zum Busbahnhof bringen.

Über Quito, die Anden und einem Zwischenstopp bei den herrlich heißen Quellen von Papallacta ging es für mich weiter nach Tena, in der Provinz Napo. Der dicht bewaldete Osten des Landes macht zwar den größten Teil Ecuadors aus, wird aber von den Haupstädtern oder den Küstenbewohnern so gut wie nicht beachtet, da sich alles Richtung Meer orientiert. Nach einer langen Busfahrt auf ausgeschwemmten, oder besser gesagt nicht vorhandenen Straßen erreichten wir die Ecolodge Shangri-La, mitten im Dschungel, weitab der Zivilisation, 100m über dem Río Anzu gelegen, mit einem Ausblick über den Urwald der keine Wünsche offen lässt. Samstagmorgen ging es dann mit Gummistiefeln aber ohne sonstigen Ballast los mit dem „Unternehmen grüne Hölle“: drei Mädels und ihr Führer mit einer Machete bewaffnet auf einer Tour durch den Primärwald: Wasser von oben, das den Rücken runterläuft, Wasser in den Gummistiefeln und teilweise bis zur Gürtellinie, da aus dem kleinen Rinnsal das sich durch die üppige Vegetation schlängelt überraschend doch ein mittlerer Bach entwickelt, Klettertouren durch 50 cm breite, dafür aber 8 m hohe Felsspalten, Fledermaushöhlen, Spinnennetze, 3 cm lange, fieberbringende Kongo-ameisen (¡Que lindo!) und ohrenbetäubende Dschungelgeräusche, als wären irgendwo Lautsprecher aufgestellt. Erschöpft aber glücklich traten wir am nächsten Tag dann zum Tubing an, wo es mit zusammengebundenen großen Schwimmreifen den Río Anzu runterging, was bis zu dem Zeitpunkt als dieser in einen eiskalten Gebirgsfluss mündet, ganz entspannt verlief. Dann allerdings wurden wir von Stromschnellen und dem immer schnelleren und kälteren Wasser ziemlich heftig durchgeschüttelt. Am darauffolgenden Tag besuchten wir eine „Comunidad Quechua“, eine Eingeborenenfamilie tief im Sekundärwald, die aus nur 6 Erwachsenen, dafür aber 42 Kindern bestand.

Nach drei Wochen in der Republik Ecuador stand dann ein weiteres Highlight meiner Reise an: die Galápagos-Inseln, deren Vielfalt an Lebensformen ein Evolutionswunder ist und deswegen einen der größten Naturschätze der Erde darstellen. Nach knappen vier Stunden Flug wurde ich von der Bootscrew des Motorseglers abgeholt. Tag Nr. 1 führte uns auf der Isla Santa Cruz zu den Baltra Highlands mit einzigartiger Vegetation und Vulkankratern. Abenteuerlich wurde es dann in einem unterirdischen Lavatunnel, den wir zeitweise robbend durchquerten. Nach einer Fahrt mit voll gesetzten Segeln gingen wir später vor der Isla Rábida vor Anker, Heimat von Blaufußtölpeln, endemischen Meeresiguanas und dem Galápagos-Falken. Robben und Seehunde liegen einfach so am Strand und kümmern sich wie die meisten Tiere nicht im Geringsten um Besucher. Das ist deswegen so, weil die Mehrzahl der Tiere auf den Inseln keine natürlichen Feinde haben und es auch keine Raubtiere gibt. Die nächste Insel, Sombrero Chino, heißt so aufgrund ihres Aussehens wie ein chinesischer Hut und beherbergt viele rote Krabben und Robben. Beim Schnorcheln stießen wir auf Meeresschildkröten, Haie, Robben, unzählige bunte Fische und die einzigen Pinguine abseits des Südpols, was uns für das kalte Wasser auf jeden Fall entschädigte. Die weiteren Inseln die wir besichtigten zeigten uns Riesenlandschildkröten, u.a. „Lonesome George“ den letzten Schildkröterich seiner Art, Fregattenvögel, Landiguanas und unzählige Vulkane und brüchige Lavareste. Vier Tage verbrachte ich dann noch auf der Isla Santa Cruz hauptsächlich an der Tortuga Bay, meiner Meinung nach dem schönsten Strand der Welt, mit der lautesten Brandung, dem türkisesten Wasser und dem weissesten und feinsten Sand.

Nach vier Wochen checkte ich dann am Flughafen Quito wieder in Richtung Heimat ein, mit einer vor mir liegenden Reise von 25 Stunden und Kakerlaken im Wartesaal des Flughafens von Miami... ¡Que lindo!

Text und Bilder: Beate Demeter
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W. H. aus Gladenbach | 03.08.2010 | 21:44  
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