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Aus vergangener Zeit in Gehrden - das "Waldschlösschen"

Das "Waldschlösschen" in den 1960er Jahren
 
Hier wurde mit einem Bildprogramm das damalige Gebäude und das heutige Wohnhaus an die Stelle gesetzt, wo sie sich damals befanden, bzw. heute befindet.
Gehrden: Waldschlösschen | Es umschwebt in Gehrden noch heute, über 40 Jahre nach der Schließung, ein Hauch des Geheimnisvollen das „Waldschlößchen“ mit der dazugehörigen „Räuberhöhle“. Von rauschenden Festen ist die Rede, von wilden Partys, zünftigen Umtrunken, aber auch von gemütlichen Runden.

Legendär der Wagenpark vor der Tür zu Zeiten der Hannover-Messe und zahllos die Geschichten und Anekdoten über die „Räuberhöhle“ bei den älteren Gehrdenern. Besitzer des „Waldschlößchen“ und der „Räuberhöhle“ war die ‚Institution’ Fritz Löchner (1907 – 1969), der die Gaststätte weit über die Grenzen Gehrdens bekannt machte. Das weit über den Landkreis bekannte „Waldschlößchen“ mit der darunter liegenden „Räuberhöhle“ war ein stetiger Anlaufpunkt für Gehrdener Festlichkeiten und Veranstaltungen der örtlichen Vereine. Ganz besonderen Zulauf hatte die Gastronomie zu Messezeiten, in denen man abends nicht die Große Bergstraße entlang gehen konnte, ohne von den Insassen eines größer dimensionierten Autos angesprochen zu werden, die nach dem Weg zur „Räuberhöhle“ fragten. Die Folge davon war, dass in späterer Zeit ein großer leuchtender Stern mit Kometenschweif über dem so genannten „Felsenkeller“ installiert wurde, der den Suchenden schon aus der Ferne den Weg wies.

Um Tanzveranstaltungen zu organisieren und um auch im Winter größere Gesellschaften und Konzerte durchführen zu können, war ein großer Saal vorhanden.

Alte Fotos zeigen, dass die Gehrdener Schützen in ihrer Anfangszeit noch auf der so genannten Veranda des „Waldschlößchen“ schossen. Dabei wurden die Schießscheiben an einer Wand platziert und man schoss über die stehen gebliebenen Tische und Stühle einfach hinweg.

Eine witzige Besonderheit waren die Bezeichnungen einiger Getränke. So konnte man beispielsweise ein „Blutgerinnsel“ bestellen, woraufhin ein Gläschen Eierlikör mit einem Schuss Kirschlikör serviert wurde. Andere „Kurze“ hörten auf so sprechende Namen wie „Schwiegermutterkuss“, „Vollnarkose“, „Räuberliebe“ und „Testament“. Eine Order nach einem „Pokal Räuberblut“ gab ein großes Glas trockenen Rotweins, ein „Nikolaschka“ war ein Hochprozentiger, der durch eine Zitronenscheibe, die mit Kaffeepulver bedeckt war, getrunken wurde. Etwas Spezielles für späte Stunden war der „Kuss auf’s Knie“, bei dem die Dame ihren Rock über das selbige lüften musste.

An die Feste der Gehrdener Vereine, wie beispielsweise vom Gesangverein „Harmonie“ oder auch des Schützenvereins, die dort Kappenfeste, Bälle und auch Preisschießen durchführten, erinnerte man sich gern.

Mitte der 60er Jahre sah das "Waldschlösschen" noch recht passabel aus, die Bausubstanz ließ aber doch sehr zu wünschen übrig. Nach einer Zeit des Brachliegens, in der sich nur einige Neugierige in dem Gemäuer umhergetrieben hatten, kam einige Jahre danach der Abriss. Das alt-ehrwürdige Haus musste einem hochwertigen Wohnhaus weichen.

Anbei ein Bild der Gaststätte „Waldschlösschen“ aus dem 1960ern. Daneben noch eine mit einem Bildprogramm erstellte Darstellung, die das damalige Gebäude virtuell die heutige Stelle setzt, wo sich heute ein Wohnhaus befindet.
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