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Adventskonzerte in Empelde und Hannover

Mehr als 100 Chor- und Orchestermitglieder führten am Wochenende des dritten Advents ein mit viel Beifall aufgenommenes weihnachtliches Oratorienkonzert auf – am Samstag in der Johanneskirche Empelde, am Sonntag in Hannovers St. Heinrich-Kirche.
Damit endete erfolgreich ein musikalisches Projekt, zu dem sich zwei Chöre – die Stadtkantorei Gehrden und der Chor der Südstadtgemeinde St. Heinrich – mit dem „ensemble geräuschkulisse“, einem aus jungen Mitgliedern der Musikhochschule bestehenden Orchester, zusammengeschlossen hatten. Dank der intensiven Vorbereitung der Chöre auf gemeinsamen Proben präsentierten sich die achtzig Sängerinnen und Sänger als ein voll ausgereifter Klangkörper, begleitet vom frisch aufspielenden Orchester, das wiederum die sechs Solistinnen und Solisten zur lebendigen Gestaltung ihrer Arien und Rezitative inspirierte. Betreut wurde das Projekt durch drei Dirigenten, die in die gemeinsam entwickelte Interpretation unterschiedliche Impulse einbrachten und die Qualität bereicherten: Martin Kohlmann (Stadtkantorei) , der in der Empelder Johanneskirche am Pult stand, ermöglichte durch eine gründliche professionelle Erarbeitung der Partituren eine überzeugende werkgerechte Aufführung. Johannes Schwarz (St. Heinrich-Chor und Hochschuldozent im Fach Gesang) sorgte für die Ausfeilung der Artikulation und die Entsprechung zwischen gesanglichem Ausdruck und Textbedeutung. Orchesterleiter Tammo Krüger, der am Sonntag in St. Heinrich dirigierte, achtete besonders auf lebendige Kommunikation und Zusammenspiel zwischen Chor und Orchester.
Eröffnet wurde das Konzert mit dem Weihnachtsteil aus Mendelssohns Oratorienfragment „Christus“. Hier wie in Carl Loewes „Festzeiten“, das als äußerst selten zu hörendes Oratorium den Mittelpunkt des Konzertes bildete, tritt der Chor mit den Worten auf: „Es wird ein Stern aus Jakob aufgehn“. Dadurch erhielten die Zuhörer die Möglichkeit, die musikalische Gestaltung zu vergleichen: Bei Mendelssohn endet die Bibelstelle in anbetender Betrachtung aus der Innerlichkeit des Gläubigen mit dem Choral „Wie schön leuchtet der Morgenstern“, bei Loewe ist sie Auftakt zu einer musikalischen Erzählung, die den äußeren historischen Ablauf von den Propheten des Alten Testaments bis zur Geburt des Gottessohnes als Heilsgeschichte ausdeutet und feiert. Eingebettet in die rezitativisch vorgetragene Geschichte sind musikalisch markant herausgearbeitete, vom Chor in monumentaler Einstimmigkeit zu zelebrierende Bibelworte sowie das solistisch dargebotene Weihnachtslied „Vom Himmel hoch“ und der von Loewe geradezu als Gassenhauer komponierte Gesang „O, du holder süßer Knabe“ für Soli und Chor.
Das bekannteste Werk - Bachs vierte Kantate aus dem Weihnachtsoratorium - bildete den krönenden Abschluss des Konzertes, bei dem sich alle Aufführenden auszeichnen konnten: Chor und Orchester zum Auftakt mit der musikalisch prachtvoll vorgetragenen Aufforderung zu Lob und Preis und mit dem mächtigen Schlusschoral; die Solistinnen und Solisten Elisabeth Dopheide (Sopran), Paula Meisinger (Mezzosopran), die Baritone Friedrich Hamel und Johannes Schwarz mit innigen, meditativen Gesangsstücken. Tenor Simon Jass glänzte mit der Bravourarie „Ich will dir zu Ehren leben“. Nach dem sanften Verklingen der letzten Takte bedankten sich die sichtlich begeisterten Zuhörer mit einem lang anhaltendem Applaus, so dass eine Zugabe der Musizierenden mit Mendelssohns Choralvertonung „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ den Konzertabend beendete.
Besonders im Hinblick auf das Loewe-Oratorium dürfen sich die Aufführenden das Kompliment machen lassen, dass ihnen ein einmalig gelungenes Konzert geglückt ist. Es bleibt zu hoffen, dass es bei dieser Einmaligkeit nicht bleibt und Loewes Stück in Zukunft noch öfters zu hören sein wird.
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