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Religiöse Toleranz trägt zur Sicherheit bei

Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 25. Nov. 2017

Von Margot Käßmann

Sicherheit entsteht, wenn Menschen Vertrauen zueinander fassen,sich nicht mehr als gegenseitige Bedrohung erleben. Wird im Reformationsjübiläumsjahr 2017 gefragt, welche Reformen anstehen, so ist der Dialog der Religionen von zentraler Bedeutung.
" Ohne Frieden unter den Religionen kein Friede unter den Nationen" , hat der katholische Theologe Hans Küng erklärt. Und in der Tat: Religion ist immer wieder ein Konfliktfaktor. Sie wird benutzt, um politische Konflikte oder Machtinteressen zu verstärken. Und sie lässt sich leider immer wieder benutzen.
 
                           Friede unter den Religionen aber kann nur entstehen, wenn sie zu allererst respektieren, dass die eigene religiöse Wahrheit nicht die Wahrheit der anderen sein muss." Tolerare" heißt ertragen. Als Christin erkenne ich durch Jesus Christus die Wahrheit über Gott. Aber ich toleriere , dass andere Menschen eine andere Wahrheit über Gott für sich finden oder auch ohne Gott, ohne Glauben leben.
Dazu gehört, dass ich meinen eigenen Glauben reflektiere. Selber lesen, selber denken, das eigene Gewissen schärfen war ein Grundanliegen der Reformatoren. Deshalb hat Martin Luther die Bibel in die Sprache des Volkes übersetzt und Schulen für jeden Jungen und jedes Mädchen gefordert. Um gebildeten Glauben ging es. Fundamentalismus lehnt das ab und verlangt von Menschen, schlicht zu glauben, was ihnen vorgegeben wird. Gebildeter Glaube ist eine Absage an Fundamentalismus.

Kurzum: Der Dialog der Religionen, religiöse Toleranz und Bildung tragen zur Sicherheit bei. Weil auf dieser Grundlage Religionen zum Faktor der Konfliktentschärfung werden können. Wir sehen an vielen Orten der Welt, dass so gerade religiös motivierte Akteure in Auseinandersetzungen vermitteln. Die Reformation selber hat zunächst Konflikte erzeugt. Heute haben die Konfessionen gelernt, in Frieden miteinander zu leben. Ich bin überzeugt, das können auch die Religionen lernen.

Info: Die Theologin Margot Käßmann ist Botschafterin für das Reformationsjubiläum 2017 im Auftrag des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)


 
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6 Kommentare
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Francis Bee aus Hannover-Südstadt | 26.11.2017 | 12:19  
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Peter Perrey aus Neustadt am Rübenberge | 26.11.2017 | 14:01  
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Karl-Heinz Wulf aus Garbsen | 26.11.2017 | 19:10  
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Peter Perrey aus Neustadt am Rübenberge | 26.11.2017 | 22:51  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 27.11.2017 | 18:53  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 27.11.2017 | 18:56  
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