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Batnight 2009 in Garbsen am Berenbosteler See

Fledermaus - aufgenommen am 16.11.2006 um 15:49 Uhr
 
v.l.n.r Familie Strube, Frau Schachmann-Ober, Herr Ruhlig
 
Erwartungsvolle Kinder und aufmerksme Erwachsene.
Garbsen: Berenbosteler See | Gestern Abend fand in Garbsen die diesjährige Batnight im Rahmen der 13. europaweiten Fledermausnacht statt. Um 20.00 Uhr fanden sich ca. 60 Interessierte am Treffpunkt am Berenbosteler See ein. Dort wurden wir von Dagmar Strube herzlich begrüßt. Sie leitete die Exkursion mit Hilfe ihrer Familie und Irene Sachmann-Ober und Dieter Ruhlig. In einer kleinen Einführung wurde uns die Welt der Fledermäuse sehr eindrucksvoll näher gebracht. Währenddessen fanden sich immer mehr Interessierte ein, und die Anzahl der Teilnehmer stieg auf über 70 Personen an. Mich persönlich hat sehr gefreut, dass viele Kinder dabei waren. Nachdem alle auf die bevorstehende Exkursion mit einer leckeren Runde Weingummifledermäuse eingestimmt wurden, war die Stimmung locker und es ging los.

Wir erfuhren, dass die Hummelfledermaus aus den Höhlen Nordthailands mit 3 cm Größe und ca. 2 g Körpergewicht die kleinste Fledermaus der Welt und der aus Indonesien stammende Kalong (Pteropus celaeno) mit einer Größe von 40 cm, ca. 1 kg Körpergewicht und einer Flügelspannweite von gut 150 cm der Größte seiner Art ist. Zudem wurde mit dem Märchen aufgeräumt, dass Fledermäuse Blutsauger seien. Sie ernähren sich in Deutschland von Insekten, in tropischen Regionen auch von Obst und Früchten. Es gibt nur eine Art, die sich wirklich unter anderem von Blut ernährt: die Vampirfledermaus (Desmodontinae), die in den USA (Texas) und Südamerika vorkommt. Sie saugt aber keine Lebewesen aus, sondern ritzt nur leicht die Haut an und leckt kleine Tropfen Blut.

Es gibt in Deutschland 22 Arten. Die kleinste ist die Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus) mit knapp 4 cm Körperlänge und einem Gewicht von 5 g. Die größte hier vorkommende Fledermaus ist mit bis zu 82 mm und 40 cm Spannweite der große Abendsegler (Nyctalus noctula ). Eine Übersicht der heimischen Fledermausarten findet man auf der Homepage des Nabu. Dort kann man auch die Laute einiger Arten hören.

Da die Fledermäuse mit beginnender Dämmerung aktiv werden, sind sie nur schwer auszumachen. Sehen kann man sie nur, wenn sie sich vor dem noch hellen Himmel abzeichnen. Da sie sich mit Hilfe von Ultraschall orientieren und somit keine für den Menschen hörbaren Töne von sich geben, benötigt man technische Hilfe, um sie leichter auszumachen. Mit Hilfe eines Batdetektors wurden für uns die Laute der Fledermäuse hörbar gemacht. Da sie ihre Töne auf unterschiedlichen Frequenzen abgeben, kann man mit Hilfe der Töne die jeweilige Art in groben Zügen bestimmen. Eine genaue Bestimmung ist jedoch nur möglich, wenn man sie in die Hand nehmen kann.

Sehr beeindruckend war für uns der Flug der Wasserfledermaus. Im Licht des Handscheinwerfers konnte man sie beobachten, wie sie mit enormer Geschwindigkeit knapp über der Wasseroberfläche Insekten aus der Luft und aus dem Wasser sammelte. Es waren zwei Fledermäuse zu sehen, wahrscheinlich haben wir gerade beobachten können, wie dort eine Fledermausmutter ihrem Kind das Jagen beibrachte.

Wir habe auch viel Interessantes über die Gewohnheiten und Lebensabläufe der Fledermäuse erfahren. So wurden uns die unterschiedlichen Quartiere, die den speziellen Bedürfnissen entsprechen, erklärt: Fledermäuse haben Winter- und Sommerquartiere. Im Herbst ist die Paarungszeit. Die männlichen Fledermäuse beziehen dann ein Quartier und locken durch ihren Gesang die Weibchen an. Die Paarung erfolgt mit so vielen weiblichen Fledermäusen wie möglich. Die Weibchen sind in der Lage, den Samen in ihrem Körper "einzulagern" und überwintern in einem passenden Winterquartier. Im Frühjahr des Folgejahres beziehen sie dann zusammen mit anderen weiblichen Fledermäusen eine Wochenstube. Dort erfolgt dann die eigentliche Befruchtung. Die Tiere bringen in der Gruppe ihren Nachwuchs zu Welt und ziehen ihn auf. Eine Fledermaus kann pro Jahr nur ein einziges Junges bekommen. Jede Störung der Quartiere durch Fressfeinde oder ein verregneter Sommer mit wenig Insekten kann fatale Folgen für den Bestand der Fledermäuse haben.

Leider sind die Fledermäuse stark gefährdet, weil sie immer weniger passende Quartiere finden können. Durch die hohen Energiekosten werden immer mehr Gebäude abgedichtet, so dass danach die bisherigen Quartiere für die Fledermäuse nicht mehr zur Verfügung stehen. Daher muss der Mensch hilfreich eingreifen. Auch wenn zu diesem Zweck eine Renovierung oder ein neuer Anstrich am Haus vielleicht erst im Herbst erfolgen kann, nachdem die Fledermäuse in ihr Winterquartier gewechselt haben. Giftige Farbdämpfe sowie die Störung im Quartier, die so eine Renovierung bedeutet, sind schädlich für die Tiere. Das Schicksal hat eine der Teilnehmerin der Batnight gerade selber erlebt. In der Nähe der Haustür sind Fledermäuse in Ritzen des Dachstuhles eingezogen. Die geplante Renovierung wurde unterbrochen und findet zum Wohl der Fledermäuse erst dann statt, wenn alle Tiere von ihrem Sommerquartier in ein Winterquartier umgezogen sind.

In Garbsen gibt es ein Fledermausquartier, von dem vermutlich jeder schon gelesen hat, der Ringofen. Der allein reicht aber nicht aus, so dass der Nabu weitere Quartiere sucht. Finden sich nicht ausreichend Unterbringungen, die entsprechend aufbereitet werden können, wird es bald keine Fledermäuse mehr geben! Welche Voraussetzungen ein entsprechendes Quartier erfüllen muss, kann man am 13.09.09 am Entdeckertag am Ringofen erfahren. Dort wird Dagmar Strube für alle Interessierten um 15.00 Uhr die Türen zum Ringofen öffnen. Man wird dann zwar keine Fledermäuse zu Gesicht bekommen, da sie zu dieser Zeit noch im Sommerquartier leben. Aber es wird trotzdem viel interessante Informationen zum Thema Fledermäuse geben.

Am Entdeckertag werden auch wieder Fledermaushöhlen vorgestellt. Was diese alle gemeinsam haben, ist, dass die Einstiegsöffnungen nach unten zeigen. Daran kann man sie auch bei Spaziergängen leicht erkennen. Wer nun sein Herz für Fledermäuse entdeckt hat und ihnen helfen möchte, sollte sich vom Nabu beraten lassen, damit die Quartiere auch richtig angebracht werden und ihren Zweck erfüllen. Die Fledermauskästen sollten überwiegend an der Südseite angebracht werden, denn die Fledermäuse lieben Wärme. Es sollten aber auch Ausweichkästen an anderen Wänden angebracht werden, damit die Tiere in etwas geschütztere Kästen umziehen können, wenn es dann doch zu warm wird. Raue Wände unter den Kästen sind von Vorteil, damit die Fledermäuse dort landen können um in den Kasten zu klettern. Auch dürfen unter den Kästen keine Hindernisse vorhanden sein, denn die Fledermäuse lassen sich beim Abflug aus der Öffnung fallen und öffnen erst später ihre Flügel für den Flug.

Wir möchten uns ganz herzlich bei den Mitarbeitern der Fledermausgruppe des Nabu Garbsen für die interessante und anschauliche Exkursion bedanken!

Petra und Olaf Pflüger

Quellen für Größen, Gewichte, lateinische Namen: http://www.nabu-garbsen.de; http://www.stadtgarbsen.de; http://www.schwegler-natur.de; http://de.wikipedia.org
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11 Kommentare
18.209
Jürgen Bruns aus Lehrte | 29.08.2009 | 19:00  
40.253
Gertraude König aus Lehrte | 29.08.2009 | 19:03  
20.589
Kurt Lattmann aus Barsinghausen | 29.08.2009 | 19:12  
6.816
Olaf Pflüger aus Garbsen | 29.08.2009 | 19:19  
60
Bernd Rose aus Burgdorf | 29.08.2009 | 22:29  
6.816
Olaf Pflüger aus Garbsen | 30.08.2009 | 07:33  
1.466
Klaus Wilhelm von Ameln aus Simmerath | 30.08.2009 | 08:06  
6.816
Olaf Pflüger aus Garbsen | 30.08.2009 | 08:24  
3.320
Dagmar Strube aus Garbsen | 30.08.2009 | 10:12  
68.346
Ingeborg Behne aus Barsinghausen | 30.08.2009 | 19:37  
6.816
Olaf Pflüger aus Garbsen | 04.09.2009 | 08:02  
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