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Kann das Abbrennen einer Mühle kriegsentscheidend sein?

So zugespitzt fragt „Der Spiegel“ Anfang Juli 2020 in der Rezension des Buches "Fürsten im Fadenkreuz - Geheimoperationen im Zeitalter der Ritter" des israelischen Militär- und Mittelalterhistoriker Yuval Noah Harari
Eine einzige Mühle sicherlich nicht, aber für das Mittelalter beschreibt Harari ein Beispiel. Kaiser Karl V. war seit 1520 ein mächtiger Herrscher in Europas. Doch Spione des beim Krieg mit Frankreich Jahren fanden Spione des französischen Königs Franz I. heraus, dass Mühlen ein Schwachpunkt von Karls Truppen in der besetzten Provence waren. Wenige Mühlen, die Kaiser Karls Soldaten mit Mehl und Brot versorgten, konnten das bereits wacklige Versorgungssystem zum Kippen bringen.
Ziel eines geheimen Kommandounternehmens im August 1536 wurde u.a.. die Mühle bei Auriol. Sie lag etwa 25 Kilometer nordöstlich von Marseille und tief in dem von Karls Truppen kontrollierten Gebiet. Für Harari war sie ein "Eckpfeiler des kaiserlichen Versorgungssystems". Er beschreibt detailliert, wie 120 Franzosen, nur mit leichten Handfeuerwaffen, Spießen und Schwertern ausgeschickt wurden..
Die Hälfte seiner Leute lärmte und randalierte vor dem Stadttor von Auriol und lenkten damit die Wachmannschaften ab. Unterdessen drang die andere Hälfte nachts zur Mühle vor, überrumpelte die Wachposten und nahm die Mühle im Nahkampf ein. Sie entfernten sämtliche Spindeln und Eisenteile aus der Mühle, rollten die Mühlsteine in einen nahen Fluss und brannten die Getreidemühle nieder. Das schwächte die Versorgung der kaiserlichen Truppen, denen es bald an Brot mangelte, und trug auch (!) dazu bei, dass Karl V. sich aus Südfrankreich nach Italien zurückzogen.
Das einhundert Jahre später entstandenen Gemälde der Aktion in Auriol darf ich aus rechtlichen Gründen nicht kopieren. Es ist zu finden in
https://www.spiegel.de/geschichte/spezialkommandos...
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Romi Romberg aus Berlin | 07.07.2020 | 01:18  
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