Anzeige

Auswanderung aus Helstorf

Inschrift im Haus Helstorf Nr. 23
 
Inschrift im Haus Helstorf Nr. 24
Agrareformen, politische Veränderungen und die Industrielle Revolution brachten im 19. Jahrhundert Veränderungen für das Leben der Menschen.
In drei Büchern und einigen kleineren Arbeiten habe ich seit etwas mehr als 20 Jahren aus der Helstorfer Geschichte berichtet(1). Und immer noch gibt es – auch dank der Quellanlage – weiteres zu erforschen, etwa zur Migrationsgeschichte des Dorfes an der Leine.
1995 wussten wir, dass auch einige Helstorfer Familien unter den deutschen Auswanderern des 19. Jahrhunderts waren. Es waren nicht immer um die Ärmsten eines Ortes, die auswanderten, denn immerhin mussten die Kosten für die Fahrt nach Hamburg oder Bremen und über den Atlantik aufgebracht werden. Häufigstes Auswanderungsziel, auch der Auswanderer aus dem Neustädter Land(2), war „Amerika“, meistens gemeint die USA, und dort für Deutsche vor allem Texas und Illinois. „Sicher überliefert sind fünf Fälle von Auswanderung aus Helstorf.“(3)
Über Ursache, Umfang und Ziele der Auswanderung aus Helstorf und über die Schicksale der 27 Einzelpersonen oder Familien wird hier nach und nach berichtet. Heute ein untypischer Fall: Friedrich Robert Wilhelm Wienhöfer wanderte spät und nicht in die USA aus.
Ein Wienhöfer aus Helstorf Nr. 24 soll im 19. Jahrhundert nach Canada ausgewandert sein, haben wir 1995 nach Erzählungen älterer Helstorfer in der Ortschronik Helstorf geschrieben. Wenn das stimmt, war es vermutlich ein weichender Bruder aus der Hofstelle Nr. 24 mit seiner wechselvollen Geschichte. Ein schwerer Brand und ein Inhaberwechsel gehörten dazu:
Helstorf Nr. 24

Generation IV
Tochter Margarethe Dorothea Pörtje, * 09.07.1789, + 18.03.1871
oo 11.11.1814
den Johann Jürgen Wienhöfer aus Rodenbostel, * 22.03.1786, + 21.04.1866

Die Stelle erbte

Generation V
Johann Heinrich Ludwig Wienhöfer, * 07.06.1815, 10.10.1880
oo 02.12.1842
die Marie Louise Hemme, * 10.11.1826, + 28.07.1904

Drei Monate vor dieser Hochzeit heiratete sein Bruder Wilhelm Ludwig, geb. 9.2.1817, in die Stelle Nr. 19 (Gödecke) ein. Kurz nach der Hochzeit - im Jahre 1843 - brannte die Höfe Nr. 12, 23 und 24 ab. Das Wohnhaus mußte neu errichtet werden.
Die Inschrift "In tiefer stiller Mitternacht, als der nächste Tag anbrach, mußten wir durch des Feuers Glut entfliehen, Ja, gar nackt und bloß. Oh Herr beschütze unser Haus und Hof und bewahre uns vor dem sichern Tod." und "Johann Heinrich Wienhöfer Marie Louise Hemme Anno 1843" erinnert daran.

Generation VI
Sohn Jürgen Heinrich Friedrich Wienhöfer, * 14.08.1844, + .....
oo 08.11.1873
die Caroline Marie Luise Bertha Fette aus Grindau, * 04.08.1851

In dieser Zeit wohnte "Mürker", also Maurer Wilhelm Rust hier zur Miete, bevor er die Nr. 20 kaufte. Der Besitzer der Nr. 20 Ludwig Reßmeier kaufte die stark verschuldete Stelle Nr. 24. „Wienhöfer“ seien nach Kanada ausgewandert, berichtete Klaus Grund. In Akten und Datenbanken haben wir bislang noch keine Belege gefunden. Aber nicht alle Auswanderungen sind in den Akten nachweisbar, besonders wenn Menschen erst z.B. nach Hannover zogen und dann nach Übersee auswanderten.
Gefunden haben wir aber einen anderen Auswanderer Wienhöfer: Friedrich Robert Wilhelm Wienhöfer, geboren in Helstorf am 30.6.1875 als Sohn des Gastwirtes Georg Wilhelm Wienhöfer und der Dorothee Sophie geb. Bostel in Helstorf Nr. 22. Der Vater Georg Wilhelm Wienhöfer (1840 – 1892) stammte aus Rodenbostel – wie auch Johann Jürgen Wienhöfer, der 1814 in die Stelle Nr. 24 einheiratete.
Georg Wilhelm Wienhöfer kaufte die Stelle im Jahre 1873 und heiratete im gleichen Jahr Dorothee Sophie Bostel (1848 – 1882), die Tochter des Helstorfer Mühlenpächters Bostel.
„Frédéric Robert William Wienhöfer“, wie er genannt wurde, ging nach Paris und wurde Gérant de Café und wohnte in der Rue St. Honoré. Im Juni 1902 heiratete er im 1. Pariser Bezirk die 1883 geborene Mathilde Brérard aus Montcombreux Les Mine. Zur Zeit der Eheschließung wohnten sie in der rue St. Honoré 342 in Paris.

Material:
Pfarrarchiv Helstorf, Kirchenbücher; Ortschronik Helstorf (1995), S. 58, 592, 597 und 600f.
Bericht Klaus Grund; geneanet.org: http://gw.geneanet.org/libourne33?n=wienhofer&oc=&...

(1) Helstorf. Chronik eines Dorfes an der Leine, hg. v. Heimat- und Museumsverein Helstorf, erarbeitet von Stefan Weigang, 700 Seiten A4 Hannover 1995; Stefan Weigang, Arbeit und Lohn für Vater und Sohn. Die Anschreibebücher der Frehrking’schen Schmiede 1889 bis 1965, hg. v. Heimat- und Museumsverein Helstorf, 375 Seiten Neustadt 2009; Stefan Weigang, Die Helstorfer Mühlen und die Müllerfamilie Lenthe, hg. v. Heimat- und Museumsverein Helstorf, 116 Seiten A4 Neustadt 2014
(2) Das Landesarchiv Hannover hat in einem großen Projekt die Daten aller Auswanderer erfasst, die in den Akten des Archivs zu finden sind. Online-Zugriff über http://arcinsys.niedersachsen.de/ Es gibt darüber hinaus einzelne weitere Auswanderer.
(3) Helstorfer Ortschronik (1995), S. 58
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.