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Auftakt Landtagswahlkampf: FDP-«Verkehrsexperten» brauchen Nachhilfe bezüglich S4-Ausbau

Jung hat verpasset, dass die Elektrifizierung der Bahnstrecke Geltendorf-Lindau bereits in vollem Gang ist. Die ersten Masten stehen bereits z.B. beim Bahnübergang Oberhausen bei Wangen im Allgäu. (Foto: Armin Franzke, DB Netze)
Fürstenfeldbruck: Bahnhof |



Der FDP-Bundestagsabgeordnete Christian Jung fordert einen S4-Ausbau damit verspätete, überfüllte oder ausfallende Züge auf der S4-Strecke der Vergangenheit angehören. Nach einem Ausbau der S4 könnten statt heute drei Züge neu vier Züge pro Stunde verkehren (siehe„FDP-Verkehrsexperte fordert Ausbau der S 4“, SZ vom 7.9.2018). Während seine Forderung nach einem Ausbau selbstredend zu begrüssen ist, zeigen seine Stellungnahmen, dass er weder vom Streckenausbau der S-Bahn noch von der Elektrifizierung der Strecke München-Lindau einen blassen Schimmer hat. Offensichtlich hat sich Christian Jung, der Mitglied des Verkehrsausschusses ist, vor seinem Treffen mit den lokalen FDP-Vertretern überhaupt nicht vorbereitet. Der angebliche FDP-Verkehrsexperte aus Bayern, Sven Gossel, behauptet, dass gemäss aktuellen Bundesverkehrswegeplan das 3. Gleis bereits in Eichenau enden würde. (siehe "Ungenügende Infrastruktur: FDP-Verkehrsexperte Sven Gossel referiert über die Bahn", SZ 10.9.2018), Als Verkehrsexperte sollte er eigentlich wissen, dass Nahverkehrsmassnahmen nicht vom Bund gemäss Bundesverkehrswegeplan, sondern im Rahmen einer Mischfinanzierung gemäss dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz finanziert werden.

  • Schon heute verkehren auf der der S4 aus Richtung Geltendorf am Morgen bis zu sechs S-Bahnzüge pro Stunde, weil ansonsten die S-Bahnzüge den Fahrgaststrom überhaupt nicht bewältigen könnten.
  • Mit der Eröffnung der 2. Stammstrecke (voraussichtlich im Dezember 2026) - also vier Jahre vor dem 3-gleisigne Ausbau Pasing-Eichenau - werden auf der S4-Strecke vier konventionelle S-Bahnzüge pro Stunde verkehren, und zusätzlich zwei Regional-Express-S-Bahnen ab Buchloe. Dies ist seit Dezember 2016 so im Internet veröffentlicht.
  • Das bereits im März 2012 veröffentlichte Fahrplankonzept für den S4-Ausbau sieht keinesfalls nur vier S-Bahnzüge vor, sondern in den Hauptverkehrszeiten acht S-Bahnzüge pro Stunde (vier konventionelle, zwei Express-S-Bahnen, und zwei Regionalexpress-S-Bahnen).
  • Am meisten verwundert einem, dass Herr Jung sich über die fehlende Elektrifizierung der Bahnstrecke München-Lindau mokiert. Offensichtlich ist ihm entgangen, dass die Elektrifizierung bereits seit März 2018 in Angriff genommen wurde und voraussichtlich im Dezember 2020 abgeschlossen ist. Ab Dezember 2020 werden sowohl im Vorortverkehr München-Buchloe als auch auf der Strecke München-Memmingen-Lindau nur noch elektrisch betriebene Züge im Einsatz sein. Aus dem Verkehrsinvestitionsbericht 2016 des Bundesverkehrsministeriums, dass einem Mitglied des Verkehrsausschusses eigentlich bekannt sein sollte, ist dies ganz klar ersichtlich.
  • Erinnert sei dabei übrigens auch, dass der Bayerische Verkehrsminister Martin Zeil von der FDP (2008-2013) den S4-Ausbau in der Priorität zurückstufte, was der ursächliche Grund dafür ist, dass der S4-Ausbau nun wohl erst 2030 und nicht wie ursprünglich geplant gleichzeitig mit der 2. Stammstrecke fertiggestellt werden kann. Und es war gerade der FDP-Kreisrat Uli Bode, der 2012 für einen nur 3- statt 4-gleisigen Ausbau der S4 plädierte (SZ, 4.4.2012: „Zweifel am grossen Ausbau“).
  • Die Behauptung des bayerische FDP-Verkehrsexperten Gossel, die Signaltechnik stamme im Wesentlichen noch aus dem Jahre 1930 ist aus der Luft gegriffen. Im Münchner S-Bahnbereich wurden in den letzten Jahren eine Reihe elektronsicher Stellwerke eingeweiht, historischen Flügelsignale gibt es schon lange nicht mehr.
    
Von FDP-Verkehrsexperten sollte man definitiv etwas mehr Sachkenntnis erwarten können. Diese FDP-Wahlwerbung ist wohl definitiv misslungen.


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