Anzeige

"Nehmt die Wäsche vom Hof, die Komödianten kommen" - Eine Sketch - Comedy mit Nicola Tiggeler und Timothy Peach

Gesangsunterricht
 
Bitte etwas mehr Interesse
Fürstenfeldbruck - Wenn früher fahrendes Volk in die Stadt kam, dann nahmen die Menschen die Wäsche von der Leine und die Kinder ins Haus. Unter diesem Thema stand auch ein Sketch-Theater im Veranstaltungsforum Fürstenfeld. Zu ihrem 20-jährigen Bühnen- und Beziehungs-Jubiläum wollte das Schauspielerpaar Nicola Tiggeler und Timothy Peach eigentlich den "Faust" spielen. Beide Teile und ein unbekanntes Fragment obendrauf. Ganze 6 Stunden. Zu so einem Ereignis muss man eben klotzen und nicht kleckern. Und weil bisher kein Regisseur die beiden mit dieser Rolle besetzen wollte, muss eben Eigeninitiative her. Doch es gibt ein Problem: Der Tourneebus mit allen Kollegen und der LKW mit der Dekoration sind verschollen.

Ein kleiner Kreis von Freunden einer burlesken Sketch-Comedy waren am Muttertag in den Säulensaal des Veranstalungsforums in Fürstenfeld gekommen und wurden Zeugen eines biederen Spontantheaters. Als Bühnendekoration nur eine Menge Koffer, quasi als Metapher für ein reiselastiges Schauspielerleben, angefüllt mit Kostümen und Requisiten.

Warum nicht den "Faust", die größte Herausforderung deutscher Zunge, immer nochmal durchgehen? Vielleicht kommen die Kollegen ja noch. Und dann wird vorgesprochen und ein Dialog mit einem intellegenten Computer und dem etwas einfältigen Schifflinger Sepp geprobt. Schließlich bricht der Computer zusammen wie die "Olympia" aus "Hoffmanns Erzählungen". Nicola Tiggeler berichtet à la Evelyn Hamann über die bisherigen Folgen von "Sturm der Liebe" und im Sketch "Ein Ehepaar sieht fern" fehlt nicht der Zungenschlag von Loriot und Wilhelm Bendow.

Neben einem bizarren Gesangsunterricht, der einem Professor Higgins aus "Pygmalion" nicht unähnlich ist, und einem frustigen Bettdialog im Stehen, erhält der Zuschauern einen klangintensiven Eindruck von der Dependance der Hochschule für darstellende Kunst und Musik in Stuttgart. Die dort produzierten Geräusche der Schlagzeuger und Blechbläser im Verbund mit dem Gewimmer der sich im Feuer verzehrenden Jungfrau von Orleans kommt der Apokalypse nahe.

Und immer wieder "Faust". Da entstehen die verschiedensten Gretchen, mit und ohne den König von Thule, auf der Bühne. Der jeweilige Regisseur inszeniert mit Zuckerbrot und Peitsche oder reduziert den Text des armen Geschöpfs bis auf ein Minimum. Goethe würde sich im Grabe rumdrehen. "Wenn das ein schwachsinniger Angler mit der Wurmschnur sein soll, dann haben Sie es gut getroffen" soll eigentlich nur anspornen. Gretchen als Naive, als Emanze und schließlich als Diva, die auf einen Regieeleven trifft und ihn richtig zur Schnecke macht. Faust deklamiert im Handstand und schließlich wird die "Kästchenszene" noch gestrichen. "....denn da müsste man sich ja wundspielen".

Zum Schluss gab es viel Applaus für ein komödiantisch überzeichnetes Aktionstheater mit feinen mimischen Passagen, mit ein paar lockeren Frivolitäten, filigranem Slapstick und manchem Rückgriff auf ähnlich schon mal Gehörtes. Eine Mutter mit Tochter konnte sich in der Muttertagsverlosung über eine persönliche Führung mit Timothy Peach bei der Bavaria-Film freuen, die auch einen Besuch bei Nicola Tiggeler am Set von "Sturm der Liebe" vorsieht.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.