Goldene und silberne Operetten im Feuerstrom der Reben - 15 Jahre Neujahrskonzerte in Fürstenfeldbruck

Ein festliches Bild
 
Goldflitter taumelt herab
Fürstenfeldbruck - "Wissen Sie eigentlich noch, meine Damen und Herren, wo Sie am 1. Januar 1995 waren?" Diese etwas ungewöhnliche Frage richtete die Moderatorin Lilli Linkel gleich zu Beginn des traditionellen Neujahrskonzertes der Chorgemeinschaft Fürstenfeldbruck an das Publikum. Manchen Besucher konnte sie damit aber kaum in Verlegenheit bringen, denn die waren damals schon in der Wittelsbacher Halle dabei und konnten sich an gerade dieses Neujahrskonzert just an diesem Datum noch erinnern. Viele von damals sind als Besucher diesem schwungvollen musikalischen Start in ein neues Jahr über 15 Jahre treu geblieben und waren auch am 1. und 2. Januar 2010 in der Stadthalle im Veranstaltungsforum in Fürstenfeld wieder dabei.

Was lag also für den Dirigenten und Initiator dieser Veranstaltung Klaus Linkel näher, als anlässlich des 15-jährigen Jubiläums dieses beliebten Konzertes ein "Best Of" aus den vergangenen Konzerten zusammenzustellen? Linkel ist nicht nur ein brillanter Dirigent und Chorleiter, sondern er gab sich auch neben seiner Frau Lilli als humoriger Moderator. Und er ist ein genialer Gestalter von Programmen, die beim Publikum ankommen. Mit der Ouvertüre zur Operette "Die schöne Galathée" von Franz von Suppé ging es gleich schwungvoll los und das Orchesters des Südböhmischen Theaters in Budweis konnte sogleich seine hohe Klasse dokumentierten. Das Orchester hatte im Laufe des Abends noch häufig Gelegenheit mit dezidiertem Spiel zu brillieren.

Die Chorgemeinschaft Fürstenfeldbruck als Veranstalter formierte sich in einer ganz neuen Aufstellung auf der Bühne und verlieh damit ihrem choristischen Auftritt einen wohl nuancierten Wohlklang und eine schöne Ausgewogenheit zwischen Frauen- und Männerstimmen. Auf diese Weise konnten die Stimmen auch mal getrennt von einander agieren. Klaus Linkel hat den Chor unter seiner Egide zu einem professionellen Klangkörper geformt, was dieser in seinen Konzerten immer wieder unter Beweis zu stellen vermag.

Chor und die Sopranistin Elisabeth Hallberg führten mit dem Studentenchor und dem Lied der Käthie aus "Der Studentenprinz" von Sigmund Romberg in das unbeschwerte Studentenleben im romantischen Alt-Heidelberg ein. Mit Frust im Bauch kam dann der Bass Torsten Frisch auf die Bühne und beklagte sich über einen nach seiner Ansicht unverdienten Schlag mit einem Fächer ins Gesicht. Er habe die Dame als Oberst Ollendorf in der Operette "Der Bettelstudent" von Carl Millöcker doch "nur auf die Schulter geküsst".

Als Vertreter der "silbernen" Wiener Operette hatte Emmerich Kálmán besonders mit "Gräfin Mariza" einen Riesenerfolg. Das heitere Duett der Lisa und des Szupán "Ich möchte träumen von dir mein Puzikam" gestalteten die Soubrette Sonja Adam und Tenor Christian Bauer während Chor und Elisabeth Hallberg mit dem Entrée der Mariza brillierten.

In Berlin mangelte es anfangs an schmissigen Operetten mit dem Lokalkolorit einer Weltstadt. Doch dann traten Paul Lincke und Walter und Willi Kollo auf den Plan. Im Wintergarten, Apollo und im Metrolpol wurden die kleinen musikalischen Lustspiele und Revuen von den Werken dieser Ikonen der Berliner Operette abgelöst. Nach der Ouvertüre zu "Frau Luna" von Paul Lincke sang Christian Bauer "Wenn auch die Jahre enteilen" aus der Operette "Im Reiche des Indra" und die zierliche Soubrette Sonja Adam fand mit ihrem Lied "Die Männer sind alle Verbrecher" aus "Wie einst im Mai" von Walter und Willi Kollo bei den Chordamen nur Gleichgesinnte. Alle Solisten und der Chor waren dann der Meinung, dass man mit einer süßen Maus vor früh um fünfe nicht nach Hause geht und die folgende "Berliner Luft" ließ das Publikum bereits beschwingt im Takt mitklatschen.

Beim Walzer "Gold und Silber" brillierte das Orchester wieder einmal allein und konnte wie so oft mit instrumentalen Raffinessen aufwarten. Franz Lehár war der Komponist eines Operettengenres, bei welchem nicht mehr unbedingt ein märchenhaftes Happyend im Vorderdung stand. Seine Operetten wie "Der Zarewitsch" oder "Das Land des Lächelns" trugen schon Züge von Verzicht, Sehnsucht und unerfüllter Liebe. Der Tenor Christian Bauer und der Chor gaben dem weltberühmten "Wolgalied" aus "Der Zarewitsch" eine berührende Innigkeit, die sich im Duett "Meine Liebe, deine Liebe" aus "Das Land des Lächelns", gesungen von Sonja Adam und Torsten Frisch, wieder zu heiterem Spiel auflöste. Große Theatralik kam dann in den Lied "Meine Lippen, die küssen so heiß" aus "Giuditta" zur Geltung und wurde von Elisabeth Hallberg hinreißend gesungen.

Was wäre ein Jahreswechsel ohne "Die Fledermaus" von Johann Strauß? Hier geben sich muntere Verwechslungsspiele und Champagnerseligkeit ein musikalisch-spritziges Stelldichein. Der Ringstraßen-Casanova Grabriel von Eisenstein (Christian Bauer) und sein Freund Dr. Falke (Torsten Frisch) verabreden sich zu einem Souper bei dem etwas schrägen Prinzen Orlowsky. Dort sollen sich auch die angenehmste Art von Ungeziefer aufhalten: Nämlich Ballettratten. Man bewegt sich mit Tanz, kokettierendem Geplauder und Maskerade durch die Nacht. Man verbrüdert sich und huldigt im Feuerstrom der Reben dem König Champagner. Mit zauberhafter Koloratur brilliert Sonja Adam mit "Mein Herr Marquis" und alle Solisten mit dem Chor wiegen sich beim "Duidu" in Walzerseligkeit.

Beim "Pomp and Circumstances-Marsch" von Edward Elgar brachten Solisten und Chor dem Publikum ihre Neujahrswünsche dar. Kommunales Geschehen parodierten dann noch die Solisten und konstatierten zu guter Letzt "Schwamm drüber". "Hausmeister" Christian Bauer kehrte schließlich den parodistischen Unrat zusammen und wischte feucht durch. Unter dem tosenden Beifall des Publikums erklang dann obligatorisch der "Radetzky-Marsch" von Johann Strauß (Vater) und auf den Dirigenten und das Orchester taumelte Goldflitter herab.
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Weiterveröffentlichungen:

myheimat-Stadtmagazin fürstenfeldbrucker | Erschienen am 15.02.2010
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