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Ein Vivat auf Orlando di Lasso - Ein Schöngeisinger Spektakel

Orlando di Lasso annimiert zum großen Nasenlied.
 
Wohin wird sich die Waage neigen? Zur Sittsamkeit oder zur Wollust?
Schöngeising - Tizian und Michelangelo waren seine Zeitgenossen. Während diese beiden in Italien Gemälde und Skulpturen von zeitloser Schönheit in der Kunstepoche der Hochrenaissance schufen, wohnte in der kleinen Amper-Gemeinde Schöngeising, in der Nähe der heutigen Großen Kreisstadt Fürstenfeldbruck, Orlando di Lasso (1532 bis 1594), Er galt als Lichtgestalt am Münchner Musikhimmel. Der kunstsinnige Herzog Albrecht V. hatte den Niederländer in dem Bestreben nach München geholt, mit ihm die Stadt zu einer bedeutenden Musikmetropole zu machen.

Im Jahre des 1250-jährigen Jubiläums der Gemeinde Schöngeising hat es sich der erst im April gegründete Kulturverein nicht nehmen lassen, dem berühmten Bewohner der Gemeinde eine Hommage in Form einer munteren Theateraufführung zuteil werden zu lassen. Das originelle Theaterzelt, urig und putzig, im Garten des Vorsitzenden des Kulturvereins wurde Schauplatz eines "Schöngeisinger Spektakels", wie es Regisseur Rolf Parchwitz bezeichnete. Eigentlich war es ein bißchen aus Commedia dell`Arte und ein Hauch von Vaudeville-Theater, was da über die kleine Bühne ging. Dabei hatte Parchwitz mit pfiffigen dramaturgischen Einfällen nicht gespart. Nur ein paar Steinwürfe vom Aufführungsort enfernt war damals das Domizil von Orlando di Lasso.

Was bei "Orlandos Spiel oder: Man gewinnt nichts, wenn man Wasser in den Fluß gießt" auf der Bühne geschah, war pralle Lebenslust und pointierte Kurzweil. Dabei steuerte selbst der Meistersinger Hans Sachs ein paar grobschlächtige Texte bei. Nachdem eine Kuhglocke die Besucher zu ihren Plätzen gerufen hatte, tobte eine bunte Schar von Mitwirkenden auf die Bühne. Selbst einen kleinen Thespiskarren führten sie mit sich.

Die Musikanten mit Monika Stöhr (Klavier), Irmgard Pfaffenzeller (Klarinette) und auch auch Anton Prestele als Dirigent und DJ waren schon auf der Bühne, als das chaotische und immer wieder durch Zwischenrufe aufmerksam machende Pärchen Stanzi und Stopherl auch noch erschien und sich zu ihren Plätzen drängelte.

Und dann kam Orlando di Lasso, die Hauptperson, der Star des Abends. Michaela Stögbauer verkörperte ihn in einer Hosenrolle. Keck, selbstbewusst und mit viel höhnischen Bemerkungen auf den Lippen, beherrschte sie die Bühne. Mit "Die gute Laune gönn`ich mir" bekräftigte sie gleich ihre Einstellung zum Leben und Dirigent Anton Prestele rief sie mit den Worten: "Du sollst arbeiten und deine Pflicht tun" immer wieder zur Ordnung. Die dann folgenden munteren Stegreifszenen hätten auch zu Orlandios Zeiten spielen können. Nach einem zünftigen Wirtshausgeplänkel entführten die Orlando-Rapper voller Opulenz ins Schlaraffenland, wie es Pieter Bruegels d. Ä. auf seinem berühmten Gemälde aus dem Jahre 1567 dargestellt hat.

Einen Abstecher in die Jetztzeit machte ein besoffenes Duo und hielt unter anderem der korrumppierten Zockergesellschaft den Spiegel vor. Dann hatte sich ein Jüngling zwischen Frau Wollust und Frau Ehren zu entscheiden. Die Letztere versuchte ihn mit hochgeschlossener Tugend einzulullen, während die Wollust ihn vermittels einer Schiripfeife aufs Lotterbett locken wollte.

Den gesanglichen Part bestritten Anette Noah, Andreas Schierlinger-Langeheinecke und die Orlano-Darstellerin Michaela Stögbauer. Das Trio brachte mit fein nuanciertem Gesang die musikalische Interpretation der Zeit kongenial in das kleine Theaterzelt. Zum Schluss philosophierte Orlando über die großen Dinge auf Erden und kommt zu der derben Erkenntnis: "Selbst auf dem größten Thron der Welt sitzen wir nur mit unserem Arsch."

Dem burlesken Spiel auf der Bühne folgte ein ebensolches Finale. Das Publikum spendete tosenden Applaus vermischt mit Bravorufen. Schließlich wurden es 5 Vorstellungen, die ausverkauft waren. Und da der Geehrte des Abends nicht persönlich anwesend sein konnte, bekundete er seinen Beifall aus dem Musikantenhimmel auf seine Art mit etwas Donner und Blitz.
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