Julius ----------------- mein Engel der Autobahn

Ich war am Abend auf dem Weg von München nach Hause, als ich kurz nach der Ausfahrt Gräfelfing auf der A96 eine Art Schlagen hörte. Leider fuhr ich, da ich grad einige Autos überholte, auf der linken Spur. Nichts desto Trotz reagierte ich sofort und fuhr auf den Standstreifen, wo ich meine Geschwindigkeit langsam verringerte und dann auch anhielt.

Brav machte ich meine Warnblinkanlage an, schaute wie der Verkehr sich bewegte und stieg im passenden Moment aus. Ich ging einmal um mein Auto herum und schnell war es klar, dass ich mir vorne rechts einen Platten gefahren hatte.

Also ab zum Kofferraum, Warndreieck rausgeholt und an die dafür bestimmte Stelle getan.

Als ich dies gemacht hatte, ging ich auf die Suche nach meinem Reserverad. Ich bin ehrlich, bei meinem alten Fiesta wusste ich sofort wo es war. Hier war nur der Boden meines Kofferraumes. Aber als ich unter mein Auto schaute sah ich ihn in einer Aufhängung liegen.

Schon hier mag sich wohl so mancher männliche Autofahrer gefreut haben. Bin ich doch heute ausnahmsweise mal mit relativ engem und kurzem schwarzen Kleid unterwegs gewesen. Die Gedanken der vorbeifahrenden wollte ich lieber nicht lesen……wie typisch Frau, usw.

Ich aber wollte es allen zeigen und es selbst schaffen.

Also holte ich den Wagenheber und den Sechskantschlüssel raus und habe erst mal den Ersatzreifen aus seinem Gefängnis unter meinem Auto befreit. Er sah auch relativ Vertrauen erweckend aus, so dass ich danach zu meinem platten Reifen gegangen bin. Die Schutzblende ging relativ leicht runter, aber irgendwie bekam ich die Schrauben des Reifen nicht auf. Vielleicht war ich zu sehr von den Ameisen abgelenkt, die mich als Eindringlich erachteten und mich wirklich überall bissen. Ich dachte mir aber trotzdem, her mit dem Wagenheber, Auto hoch und vielleicht funktioniert es ja dann. Aber hier mühte ich mich umsonst. Schön langsam wurde ich wütend. Ich weiß ja, dass wir Frauen darauf pochen, alles allein zu machen, aber es war wohl auch offensichtlich, das ich es hier nicht weiter schaffte. Aber außer einigen Hupkonzerten reagierte kein Auto- und kein LKW-Fahrer. Ich mühte mich eine gute dreiviertel Stunde selber ab und verzweifelte langsam. Handyakku wollte auch nicht mehr, so dass ich auch niemanden anrufen konnte, der mir vielleicht zu Hilfe kommen könnte. Ich war schon am überlegen, ob ich mich auf die Suche nach einer Tankstelle machen sollte, als auf einmal ein blauer LKW mit Anhänger vor mir auf die Standspur fuhr. Ein älterer Fahrer stieg auf der Beifahrerseite aus, zog seine Warnweste an und ich war sofort am Überlegen, wie das nun in Deutschland ist mit den Westen. Er wedelte mit seinen Händen und als ich mit meinen schwarzen Händen zurückwedelte lachte er nur. Er fragte mich ob ich eine Weste habe und sagte mir, dass ich diese anziehen sollte, da es in Deutschland € 50 kostet, wenn man sie nicht anhat. Also gesagt, getan. Die Weste ist mir mindestens 3 m zu groß, weil in Kindergröße wird sie nicht verkauft ;-). Ich mag in dem Augenblick wirklich wie ein kleines Mädchen in ausgesehen haben. Der LKW-Fahrer griff beherzt zu meinem Sechskantschlüssel und mit seinem etwas größerem Gewicht waren die Schrauben auch gleich offen und der Reifen sehr schnell gewechselt. Er half mir noch die Reservereifenaufhängung hochzuschrauben und alles wieder aufzuräumen.

Dann meinte er, ich solle mit meinem Auto langsam zu seinem LKW vorkommen, er hätte Seife und Wasser im Auto. So holte ich mein Warndreieck wieder, packte die Weste ein, startete mein Auto und fuhr vorsichtig an, immer im Hinterkopf, vielleicht ist der Reifen ja nicht ganz so fest wie er sein sollte. Aber alles hielt.

Bei dem LKW angekommen, wusch der Fahrer sich schon die Hände. Meine waren Pechschwarz und ich war froh, dass ich das Angebot bekommen hatte.

Aber wie bedankt man sich nun bei so einem hilfsbereiten Menschen. Ich fragte ihn ob er eine Art „Kaffeekasse“ hat und er meinte, ja einen Kaffee können wir trinken gehen. Ob ich denn eine Tankstelle wüsste, wo er mit seinem LKW halten könnte. Ich dachte mir er hat mich verkehrt verstanden. Denn das er kein Landsmann aus Deutschland ist, dass war mir schon vorher aufgefallen. Er sprach ein gutes Deutsch mit slawischen Akzent. Als ich ihm sagte, dass ich keine Tankstelle wüsste, ihm aber gerne ein bisschen Geld geben wolle, meinte er….

Wenn beim nächsten Mal jemand auf der Straße Hilfe brauch, hilf. Das ist die Bezahlung für Julius. Ich schaute ihn erst einmal groß an. Und als ich es dann verstanden hatte, versprach ich ihm, dem Nächsten zu helfen, der irgendwie im Straßenverkehr meine Hilfe brauch.

Julius ist ein Kroate, welcher in der Nähe der ungarischen Grenze wohnt und viel auf den Straßen unterwegs.

Ich wünsche ihm immer freie Straßen, unfallfreie Fahrt und immer einen Menschen, der ihm auch Hilfe leistet, wenn er sie braucht.

JULIUS, ich danke Dir. Du warst heute Abend mein rettender Engel.

Bürgerreporter:in:

Anja Völkl aus Fürstenfeldbruck

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