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"Friedberg bleibt Stadt der Kinder und der Kunst": Ein Interview mit Bürgermeister Roland Eichmann

Bürgermeister Roland Eichmann beim Neujahrsempfang der SPD Friedberg (Foto: Franz Scherer)
 
O'zapft war beim Starkbierfest der Stadtkapelle Friedberg (Foto: Franz Scherer)
 
Der Schwarz-Weiß-Ball des ORCC Friedberg ist für den Rathauschef ein Muss (Foto: Franz Scherer)
 
Traditionell besuchte das Stadtoberhaupt den "Ball der Junggebliebenen" im Februar (Foto: Franz Scherer)
myheimat: Herr Eichmann, Sie wurden am 15. März 2020 mit 52,08 Prozent erneut zu Friedbergs Bürgermeister gewählt. Mit welchen Emotionen nahmen Sie das Wahlergebnis auf?

Eichmann: Das war ein bunter Cocktail: Glücksgefühle, Erleichterung gerade wegen der damals aufziehenden Corona-Pandemie, Dankbarkeit und auch sich bestätigt zu fühlen, nicht alles falsch gemacht zu haben.

myheimat: Wenn Sie nun drei Ziele für Ihre zweite Amtszeit nennen müssten: Auf welche politischen Prioritäten fiele Ihre Wahl?

Eichmann: Die nächsten Jahre werden nicht einfacher, da wegen der Corona-Krise die finanzielle Handlungsfähigkeit der Stadt gesichert werden muss, was auch das Strecken oder Abspecken mancher Projekte bedeuten kann und wohl auch wird. Aber drei Dinge wären mir dennoch wichtig:
1. Friedberg bleibt Stadt der Kinder und der Kunst, deswegen ein weiterer Ausbau der Kinderbetreuung, insbesondere, wenn ab 2025 der rechtliche Betreuungsanspruch bis einschließlich 10 Jahre kommt; ein Weiterführen der Spielplatzoffensive mit mehr und attraktiveren Spiel- und Bolzplätze, eine weitere Unterstützung der Kulturszene der Stadt
2. Weitere Schaffung von bezahlbarem Wohnraum, gerade auch durch die Stadt
3. Ein erhöhtes Augenmerk auf den Umwelt- und Klimaschutz, z.B. auch durch freiwillige Maßnahmen der Stadt, um Naturräume zu erhalten und aufzuwerten; eine weitere Förderung der erneuerbaren Energien, maßgeblich durch ein Nahwärmekonzept in der Innenstadt und auch durch das Angehen der vierten Reinigungsstufen unserer Abwässer, um Mikroplastik, Keime und Medikamentenrückstände in den Griff zu bekommen

myheimat: Die Corona-Pandemie hält die ganze Welt in Atem. Auch für die Kommunen wird die Krise sicher spürbare Konsequenzen haben. Als Stichwörter seien in diesem Zusammenhang nur die Gewerbesteuer- und Einkommensteuereinnahmen genannt. Mit welchen „Ausfällen“ rechnen Sie in diesem Bereich?

Eichmann: Aktuell rechnen wir mit jeweils gut zwei Millionen Euro weniger bei der Gewerbesteuer und bei unserem Anteil an der Einkommensteuer. Das sind schmerzhafte Einschnitte, für die wir auch keine Kompensation durch den Bund oder das Land bekommen.

myheimat: Lassen sich die gesamten Auswirkungen der Coronakrise für Friedberg zum gegenwärtigen Zeitpunkt überhaupt schon in Ansätzen abschätzen?

Eichmann:
Nein, das ist sicher zu früh, um eine wirklich fundierte Abschätzung vorzunehmen. Die Corona-Krise ist in der Lage, unser aller Handeln zu verändern. Sie wirft unsere wirtschaftliche Entwicklung um Jahre zurück. So eine Abschätzung ist wohl seriös erst im Laufe von 2021 möglich.

myheimat: Was können die Stadt Friedberg und insbesondere die Wirtschaftsförderung tun, um die Folgen der Coronakrise für die örtlichen Geschäfte und Unternehmen „abzumildern“?

Eichmann: Wir haben schon viel getan. Im Frühjahr habe ich alle Lebensmittelgeschäfte angeschrieben und Unterstützung angeboten und wir konnten tatsächlich auch einen Beitrag leisten für eine sichere Anlieferung der wichtigsten Waren. Wir haben die Gastronomie mit Freiflächen zusätzlich versorgen können, ohne Gebühren zu erheben. Wir vermitteln Rat und Hilfestellung gerade an Kulturschaffende, die oft nicht so in den Feinheiten staatlicher Hilfsmaßnahmen bewandert sind. Diese Linie setzen wir auch fort, darin bestärken uns sehr positive Rückmeldungen aus der Geschäftswelt.

myheimat: Die Bayerische Landesausstellung "Stadt befreit. Wittelsbacher Gründerstädte" sollte zum großen Besuchermagneten für die altbayerische Herzogstadt werden. Dann kam die Coronakrise und machte sämtliche Planungen vorerst zunichte. Immerhin konnte die große Geschichtsschau dann doch noch gerettet werden. Wie fällt Ihre Bilanz der Landesausstellung, die unter außergewöhnlichen Bedingungen über die Bühne ging, am Ende des Jahres nun aus?

Eichmann:
Über 63.000 Besucherinnen und Besucher zu haben ohne eine einzige Ansteckung mit dem Virus - soweit uns bekannt ist – alleine das ist ein unglaublicher Erfolg! Wir konnten uns als Stadt Friedberg mit dem Landkreis und der Stadt Aichach als hervorragende Gastgeber einem überregionalen Publikum präsentieren. Unsere Mitarbeiter haben zusammen mit dem Haus der Bayerischen Geschichte fantastische Arbeit geleistet, um das möglich zu machen. Der Zuspruch war groß und das Lob auch. Mich freut vor allem, dass wir für unsere Gastronomie einen Nutzen hatten und auch dank des hervorragenden Gutscheinhefts des Handels die Geschäfte stark profitieren konnten – gerade in diesem Jahr war das kaum zu überschätzen in seiner Bedeutung. In Summa: es war die richtige Entscheidung, die Landesausstellung ins Wittelsbacher Land zu holen.

myheimat:
Olaf Scholz sprach zu Beginn der Coronakrise von einer „neuen Normalität“, an die man sich nun gewöhnen müsse. Mit dieser Formulierung handelte sich der Bundesfinanzminister auch Kritik ein. Vor allem die Einschränkung von Grundrechten wurde angeprangert. Wie zufrieden sind Sie mit dem Krisenmanagement der Bundesregierung bzw. Staatsregierung?

Eichmann:
Grundsätzlich hat der deutsche Staat außergewöhnlich erfolgreich reagiert. Das zeigen die Vergleichszahlen mit den anderen Staaten, sowohl was den Pandemieverlauf angeht, aber auch bei der wirtschaftlichen Entwicklung. Dazu waren und sind auch genau umgrenzte und befristete Einschränkungen der Grundrechte nötig – das ist rechtsstaatlich vorgesehen. Dass es im Konkreten Kritik an den Einzelmaßnahmen gibt, das verstehe ich und bin teilweise auch kritisch. Aber das ändert nichts daran, dass das deutsche Staatswesen insgesamt eine hohe Leistungsfähigkeit gezeigt hat und die negativen Folgen für die Bevölkerung deutlich abmildern konnte. Für mich ein Grund stolz zu sein.

myheimat:
Als Bürgermeister mussten Sie auch unter „Corona-Bedingungen“ an vielen öffentlichen Veranstaltungen teilnehmen. Wie fühlt sich die „neue Normalität“ für Sie ganz persönlich an?

Eichmann:
Viele öffentliche Veranstaltungen gibt es eigentlich nicht mehr, ich erlebe erstmals gänzlich terminfreie Wochenenden. Und die Termine, die stattfinden, sind gemäß den nötigen Hygieneregeln durchzuführen, das gebietet die Verantwortung gegenüber den Menschen. Das klappt meines Erachtens weitestgehend gut.

myheimat:
Sie sind nicht nur als Politiker, sondern sicher auch ganz persönlich von der Corona-Krise betroffen. Welche Einschränkungen treffen Sie in Ihrem Privatleben „am härtesten“?

Eichmann:
Meine Partnerin und ich hatten schon lange in diesem November einen Urlaub auf Sri Lanka geplant, der fiel aus. Ansonsten fehlt mir der Kontakt zu Verwandten und Freunden, der doch sehr eingeschränkt ist. Auch fehlt mir der Kontakt mit den Bürgerinnen und Bürgern, der sonst durch die vielen Veranstaltungen da ist. Aber grundsätzlich möchte ich mich nicht beklagen.

myheimat:
Lassen Sie uns noch kurz über ein viel diskutiertes Sanierungsprojekt in Friedberg sprechen. Der Umbau der Bahnhofstraße wird einige Zeit in Anspruch nehmen. Was können Sie Skeptikern entgegenhalten, die daran zweifeln, ob die Sanierung der Bahnhofstraße überhaupt Vorteile bringt?

Eichmann:
Solche Einwände habe ich bisher nicht gehört, eher wurde der Umbau schon zu einem früheren Zeitpunkt gewünscht. Grundsätzlich aber ist der Ausbau der Bahnhofstraße aufgrund des Bauzustands tatsächlich alternativlos – die Straße ist schlicht kaputt. Die Stadt saniert sie aber sehr aufwändig, um die Innenstadt zu stärken und den dort ansässigen Geschäften einen positiven Impuls zu geben. Dazu ist eine Bauzeit leider nötig, die wir aber mit einem ehrgeizigen Baustellenmanagement abpuffern.

myheimat:
Glauben Sie – wie Rübsamen-Inhaber Erich Vorwohlt – daran, dass ein „Magnet“ bzw. Ankermieter mit großer Strahlkraft dazu beitragen kann, künftig mehr Menschen in die Bahnhofstraße zu locken?

Eichmann:
Diese Zeit ist in meinen Augen vorbei. Der große Magnet ist gerade auch in unserer Altstadt nicht unterzubekommen. Meiner Ansicht nach werden zukünftig mehr als bisher die Qualität der Gastronomie und die Gestaltung des öffentlichen Raums die Anker sein, die der Stadt Friedberg die Attraktivität sichern. Der Einzelhandel kann dazu seinen Teil beitragen und insgesamt profitieren.

myheimat:
Ein „kommunalpolitischer Dauerbrenner“ ist auch die Frage nach der Zukunft der Ludwigstraße. Als Stichwort sei hier nur das Thema „Verkehrsberuhigung“ genannt. Welchen Erkenntnisfortschritt hat das Jahr 2020 hinsichtlich dieser Problematik gebracht?

Eichmann:
Wir versuchen die exzessive Wildparkerei mit einer erhöhten Kontrolle in den Griff zu bekommen. Ansonsten hat sich in meinen Augen nichts verändert: Zuerst führen wir die Sanierung zu einem guten Ende, 2021 mit der Bahnhofstraße und im Anschluss den Marienplatz. Danach bewerten wir die Situation neu.

myheimat: Nach all den politischen Gesprächsgegenständen – wie immer an dieser Stelle – noch eine persönliche Frage zum Abschluss: Welche Begegnung hat Sie im abgelaufenen Jahr am meisten beeindruckt?

Eichmann:
Am meisten... schwierige Frage. Wenn ich mich entscheiden muss, dann für den neuen Bischof von Augsburg, Bertram Meier. Er besitzt eine beeindruckende Persönlichkeit und ist der richtige Mann an der richtigen Stelle.
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Weiterveröffentlichungen:

Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.AMH02 myheimat friedberger | Erschienen am 18.12.2020
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