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„Mit großer Freude blicke ich auf das Altstadtfest 2010“: Ein Interview mit Kulturabteilungsleiter Frank Büschel

Frank Büschel bei der Ausstellunggseröffnung "Friedberg erinnert sich" im Wittelsbacher Schloss als Gastgeber stilecht mit Ananas-Bowle
 
Sportlicher Kulturabteilungsleiter: Frank Büschel beim Joggen
Der Wettbewerb „Mission Olympic“, „Blue Babys“ im Wittelsbacher Schloss, 7. Friedberger Skulpturenpfad, Top-Comedian Chris Boettcher im Archivhof – die abgelaufenen Kultursaison hatte in jeder Sparte etwas zu bieten. myheimat unterhielt sich mit Kulturabteilungsleiter Frank Büschel über die „Sportstadt“ Friedberg, den Stellenwert des Wittelsbacher Schlosses, die Ausstellung „Friedberg erinnert sich“ und seine Vorfreude auf das Altstadtfest 2010.

myheimat: Herr Büschel, ein sportliches Jahr in Friedberg liegt hinter uns. Die Bayern Rundfahrt machte Station in der altbairischen Herzogstadt und beim Wettbewerb „Mission Olympic“ spielte die Stadt wieder eine gute Rolle. Inwieweit ist es gelungen, Friedberg als „Sportstadt“ zu positionieren?

Büschel: Wir haben uns bis dato den Titel „Sportstadt“, mit dem sich viele Kommunen gerne schmücken, jedenfalls nicht als leere Worthülse übergestülpt. In der Tat hat sich Friedberg in den vergangenen Jahren als sportliche und aktive Stadt weiter entwickelt. Ich denke in diesem Zusammenhang auch an den Halbmarathon, an die Fitness- und Bewegungstage und an zahlreiche Aktivitäten unserer Vereine bis hin zu den Zweitliga-Volleyballern des TSV Friedberg.

myheimat: Darüber hinaus ist in Friedberg verstärkt zeitgenössische Kunst anzutreffen. „Blue Babys“ zogen ins Wittelsbacher Schloss ein und der 7. Friedberger Skulpturenpfad bereicherte das städtische Kulturleben. Inwieweit erhofft sich der Kulturabteilungsleiter von solchen Veranstaltungen eine überregionale Strahlkraft?

Büschel: Wir haben bereits viele funktionierende lokale Formate, daher ist es mir schon ein Anliegen, auch überregional in Erscheinung zu treten und für unsere Stadt zu werben. Was den „Vater“ der angesprochenen „Blue Babys“ betrifft, so hat es Wolfgang Auer in respektabler Weise geschafft, auf sich und sein Werk über die Stadtgrenzen hinaus aufmerksam zu machen.

myheimat: Apropos Wittelsbacher Schloss. Einige Stadträte befürchten, dass das alte Gebäude die Finanzkraft der Stadt über die Maßen strapaziert. Welchen Stellenwert hat das Wittelsbacher Schloss aus Ihrer Sicht für Friedberg?

Büschel: Ich würde mir wünschen, dass wir dieses kulturelle Erbe herausputzen und noch besser bespielen könnten. Diesen Wunsch teilen auch viele unserer politisch Verantwortlichen. Bürgermeister und Stadtrat haben aber zugleich auch die Pflicht, den finanziellen Spielraum dafür im Auge zu behalten. Hier muss bei der Entscheidungsfindung sorgfältig abgewogen werden.

myheimat: Das abgelaufene Jahr bot auch im Bereich Kleinkunst/Kabarett einige Schmankerl. Top-Comedian und Musik-Kabarettist Chris Boettcher gastierte im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Live im Archivhof“ in Friedberg. Wie hat sich diese Veranstaltungsreihe inzwischen etabliert?

Büschel: Das Musik- und Kabarettwochenende im Archivhof ist inzwischen eine feste Größe mit einem Besucherzuspruch von rund 300 Personen. Heuer hatten wir mit der Verpflichtung des Duos Lackerschmid/Schlesinger und von Chris Böttcher einen guten Riecher, was deren Erfolge bei „Bäsle Musiclett“ und mit dem „Wies´n-Hit“ auf dem Oktoberfest betrifft.

myheimat: Ein besonders innovatives Format ist das Erzählkunstfestival im Wittelsbacher Schloss. Es fand in diesem Jahr zum zweiten Mal statt. Die Zeit des Wiederaufbaus und des Wirtschaftswunders stand im Mittelpunkt In verschiedenen Nachmittags- und Abendveranstaltungen wurden Geschichten erzählt, die der Erinnerung gewidmet waren. „Erinnerung, sprich“ lautete das Motto. Wie fällt Ihre Bilanz dieser Veranstaltung aus?

Büschel: Für die Ausstellung „Friedberg erinnert sich“ im Wittelsbacher Schloss interessieren sich sehr viele Leute. Das Thema Wiederaufbau und Wirtschaftswunder und die damit verbundenen Erlebnisse der Menschen ziehen die Besucher an und lösen Emotionen aus. Das hat man bereits bei der Bayerischen Landesausstellung mit über 350.000 Besuchern gesehen. Enttäuschend war hingegen die schwache Besucherzahl bei den diesjährigen Erzähltagen. Ein Wochenend-Format gibt der Markt hier wohl nicht her, Einzelveranstaltungen dieser Art werden wohl künftig genügen.

myheimat: Ein besonderes Ereignis war heuer das 50-jährige Jubiläum der Städtepartnerschaft Friedberg-Völs. Wie erlebten Sie persönlich diese „Goldene Hochzeit“?

Büschel: Ich persönlich hatte mit diesem beeindruckenden Partnerschafts-Jubiläum bereits die „zweite“ Hochzeit in Völs am Schlern. Dort habe ich nämlich 1998 meine Frau Sabine geheiratet. Beide Ereignisse bleiben mir in bester Erinnerung.

myheimat: Verlassen wir kurz das Stadtgebiet und sprechen wir ein wenig über Kulturpolitik im Allgemeinen. Sie sind Mitglied der Vorstandschaft des Arbeitskreises Kultur bayerischer Städte. Diese Vereinigung macht von sich reden mit Festivals wie „Kunsträume Bayern“ „Literaturlanschaften Bayerns“, „LiteraturUpdate“ und der Gründung der „Bayerischen Literaturstiftung“, die Sie kürzlich im Münchner Presseclub vorstellten. Wie profitiert Friedberg davon?

Büschel: In vielerlei Hinsicht. Auch wenn es abgedroschen klingt: es entstehen Synergien beim Marketing, bei der Organisation, bei den Kosten und für den Bekanntheitsgrad der Projekte. Wir werden von Profis unterstützt und beraten, und ich beziehe ein erweitertes Know-how für meinen Job. Dadurch, dass Friedbergs Bürgermeister Dr. Bergmair im Kulturausschuss des Bayerischen Städtetages und ich in der Vorstandschaft des Bayerischen Kulturarbeitskreises vertreten sind, entstehen wichtige Kontakte zwischen Kulturverantwortlichen und Kulturschaffenden.

myheimat: Einnahmeausfälle belasten die Haushalte der Städte und Gemeinden. Eigentlich wäre Sparen das Gebot der Stunde. Der kulturelle Bereich gerät in diesem Zusammenhang immer besonders schnell ins Visier von Finanzpolitikern. Können Sie auch weiterhin ein hochwertiges Kulturprogramm in Friedberg garantieren?

Büschel: Ich muss im Kulturetat 2010 erstmals seit vielen Jahren tiefere Einschnitte verkraften. Dies wird zumindest Auswirkungen auf die Quantität der Veranstaltungen haben. Auch das Kultur-Sponsoring ist von der vorherrschenden Finanzlage geplagt. Aber wir werden nicht müde, neue Finanzierungsmodelle zu eruieren und Kooperationen einzugehen. Die Kultur in Friedberg soll weiterhin einen hohen Stellenwert behalten.

myheimat: Städte wie Gersthofen und Neusäß verfügen über relativ moderne Stadthallen und haben dementsprechend häufig bessere Karten, wenn es darum geht, Top-Stars aus dem Bereich Kabarett/Kleinkunst in die Region zu holen. Wünschen Sie sich nicht manchmal auch eine zeitgemäße Spielstätte für Friedberg? Immerhin ist Friedberg die sechst größte Stadt im Regierungsbezirk Schwaben!

Büschel: Sie haben vorher die Finanzlage angesprochen. Ich denke, diese spezielle Frage beantwortet sich damit tatsächlich fast von selbst. Aber da Sie ja von Wünschen sprechen, erinnere ich an mein vorhin genanntes Anliegen zum Ausbau unseres Schlosses für Veranstaltungen und für ein neues, zeitgemäßes Museum. Mit diesem Profil könnte Friedberg punkten und sich von anderen Spielstätten unterscheiden.

myheimat: Auf welches kulturelle Ereignis in Friedberg im kommenden Jahr freuen Sie sich am meisten?

Büschel: Mit großer Vorfreude blicke ich auf das Altstadtfest vom 9. bis 18. Juli 2010. Der organisatorische und emotionale Countdown zur „Friedberger Zeit“ läuft bereits.
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Weiterveröffentlichungen:

myheimat-Stadtmagazin friedberger | Erschienen am 16.12.2009
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