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CD-Klau bei Konzert von Lydia Daher im Wittelsbacher Schloss

Konzert mit Lesung von Lydia Daher im Wittelsbacher Schloss (Foto: Stadt Friedberg)
450 Zuschauer verzeichnete die Stadt Friedberg an den fünf Veranstaltungen im Rahmen des Literaturupdates. Den Abschluss dieser Reihe bildete ein Konzert mit Lesung von Lydia Daher im Wittelsbacher Schloss. Den zahlreichen Zuhörern gefiel das sehr gut. Manchen sogar so gut, dass sie am Ende eine CD von ihrem ersten Musikalbum mitgehen ließen, während die Künstlerin abgelenkt war.

Das “Lieblingskind des deutschen Feuilletons” spielte elf von zwölf Liedern aus ihrem brandneuen Musikalbum “Flüchtige Bürger”, das eine konsequente Fortsetzung ihrer musikalischen Entwicklung zeigt. Nur, dass sie sich mit Deniz Khan am Schlagzeug und Sebastian “Badan” Giussani am Bass zwei bekannte Augsburger Musiker als Verstärkung dazugeholt hat.

“Die Musik ist eine weitere Plattform für meine Texte”, sagt die Dichterin. Überhaupt sagt sie ziemlich viel an diesem Samstagabend, 30. Oktober 2010. Aber genau das macht ihre Konzerte aus. Herrliche Anekdoten, beispielsweise von alternden, altersgeilen Dramatikern beim Hotelfrühstück, bei denen sie das Gespräch freiwillig auf den Krieg lenkt, sorgen für eine unverkrampfte Atmosphäre. Lydia Daher hat auf der Bühne immer noch diesen unverbrauchten Charme und die angenehme Art, nicht perfekt sein zu wollen. Sie spielt die Saiten der Gitarre einen Halbton zu tief? Egal, dann klärt die Band den Fehler gleich auf der Bühne und fängt einfach nochmal an. Konzerte mit Lydia Daher sind keine perfekte Inszenierung, sondern erfrischend anders.

Auf ihrem neuen Tonträger, der wie der Vorgänger bei Trikont erschienen ist, sind haufenweise tragische Liebesgeschichten in Liedform zu finden. Der Dichter braucht den Schmerz, immer und immer wieder, erklärt Lydia Daher und fügt noch ein paar “immer wieder” ein. Allerdings könne man sich das Leid sparen, wenn man wie in Düren nur vor 20 Leuten steht. Bandkollege Deniz Khan erklärt, dass man gerade bei Konzerten in kleineren Städten Pech haben kann, auch wenn die wenigen Zuhörer wie in Düren wirklich bemüht seien. Manchmal sei die Veranstaltung in Kleinstädten aber richtig gut besucht und die Leute lauschen den Klängen des Trios und der Stimme von Lydia Daher aufmerksam und mit Freude. So wie in Friedberg, meint er.

Zwischen Liedern wie “Ich und Du, schubidu”, “Wie ein Luftschiff” und “Hier bei mir” las die Künstlerin Gedichte aus ihrem Buch “Kein Tam Tam für diesen Tag”, erschienen bei voland & quist. Zumindest hatte sie das vor. Nach dem ersten Gedicht ließ sie das Buch allerdings links liegen und präsentierte stattdessen kurze Gedichte wie sechs Teile aus ihrer Reihe “Gedichte gegen die Langeweile” und zahlreiche Werke “in progress”. Also Gedichte, die erst “fast fertig” sind. Dazu lässt sie sich Russisch Brot und ein klares Getränk auf die Bühne bringen. Eine Pause macht sie dafür nicht. Die kündigt sie zwar nach knapp 1 ½ Stunden an, meint damit aber natürlich, dass es nur noch zwei Lieder bis zum Ende des Konzerts sind. Von einer perfekten Bühnenchoreographie ist Lydia Daher mindestens so weit entfernt wie das Wittelsbacher Schloss von seinem Parkplatz – aber genau deshalb sind ihre Konzerte so einzigartig und erfrischend gut.
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Weiterveröffentlichungen:

myheimat-Stadtmagazin friedberger | Erschienen am 26.11.2010
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