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Friedberger Mozartin - Ein Interview mit der Buchautorin Regine Nägele

 

An einem Tag im Mai des Jahres 1670 kam Anna Maria Peter im Münchner Torturm der Stadt Friedberg zur Welt. Ihr Lebensweg und ihre Charakterstärke finden im neu erschienenen Buch "Die Friedberger Mozartin" ihre Würdigung, zusammen mit der Geschichte der Stadt nach den Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges.

"Wie wäre das Leben des musikalischen Genies wohl verlaufen, wenn es Anna Maria nicht gegeben hätte?" – diese Frage stellten wir uns gemeinsam beim Gespräch mit Regine Nägele und Andreas Thon im Musikpavillon am Volksfestplatz. Und konnten einmütig feststellen, dass der Einfluss der Friedberger Mozartin vor allem für den wirtschaftlichen Aufstieg der Familie eine schicksalhafte Bedeutung hatte, wenn auch sie dem "Wolferl" nicht in direkter Blutlinie anverwandt war.

Anna Maria Peter, so erzählt die Friedberger Autorin, ist in großer Armut aufgewachsen und war in eine unglückliche Zeit hineingeboren worden. Die Folgen der Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg haben Friedberg schwer getroffen. Untrennbar mit dieser Zeit verbunden ist auch die Figur der Frau, die schließlich mit viel Mut und Fleiß ihren gesellschaftlichen Aufstieg meisterte. Sie war es auch, die den armen Buchbindergesellen Johann Georg Mozart heiratete und ihn damit in eine geachtete gesellschaftliche Position brachte.
Das kleine Buch, das auf unterhaltsame Weise und dennoch streng wissenschaftlich fundiert die Lebensgeschichte der Friedberger Mozartin und ihrer Vorfahren erzählt, ist das Ergebnis einer jahrelangen Spurensuche in Archiven und Bibliotheken. In akribischer Kleinstarbeit, mit viel Leidenschaft und Interesse für die Geschichte ihrer Heimatstadt, hatte Regine Nägele vieles über das Leben eines Mädchens, das mit 16 Jahren ohne familiäre Unterstützung nach Augsburg ging, um dort als Dienstmagd zu arbeiten, zusammengetragen und ans Tageslicht gebracht.
Trotz der Armut war dem Friedberger Bürgerkind Anna Maria eine Bildung ermöglicht worden. "Es bestand nämlich Schulpflicht" – erzählt sie im Interview. – "Und weil die Familie sehr arm war, erhielt die Familie Peter nicht nur Almosen von der Stadt, sondern diese zahlte auch noch das fällige Schulgeld für Anna. Man kann also davon ausgehen kann, dass sie lesen, schreiben und rechnen konnte." Auf diesen Grundlagen konnte Anna Maria Peter ihr Lebensunterhalt als Dienstmädchen bestreiten, denn sie war nach wenigen, aber konkreten Aussagen, nicht nur mit gewisser Intelligenz gesegnet, sondern auch fleißig, treu, gläubig und dienstbeflissen. Ihr Leben blieb dennoch weiterhin fremdbestimmt.
13 Jahre später taucht Anna Maria Peter zum ersten Mal in reichsstädtischen Dokumenten auf. Ihre Verlobter, der Buchbinder Augustin Banegger, beantragte für sich und seine Braut Anna Maria Peter aus Friedberg das Bürgerrecht der Freien Reichsstadt Augsburg. Von der reichsstädtischen Obrigkeit erhielt sie das Bürgerrecht aus "Gnaden gratis", also geschenkt. Es war eine Anerkennung für ihre langjährigen treuen Dienste als Magd in einem bürgerlichen Haushalt in Augsburg. Ihr Verlobter dagegen musste für das Bürgerrecht bezahlen. Im Jahre 1700 fand die Hochzeit statt. Anna Maria war nach einem zweifellos harten Dasein als Dienstmagd nun zur Bürgerin der Freien Reichsstadt und geachteten Frau Meisterin aufgestiegen.
Nur acht Jahre währte die Ehe, dann starb ihr Mann im Jahre 1708. Der Frau Meisterin eröffneten sich nun Freiräume, die sie vorher in ihrem Leben nicht hatte. Sie konnte das Geschäft ihres verstorbenen Mannes selbständig weiterführen. Sie brauchte dazu nicht einmal zu heiraten.
Dennoch entschied sich die gebürtige Friedbergerin noch im gleichen Jahre den neun Jahre jüngeren Johann Georg Mozart zu ehelichen. Er ist niemand geringerer, als der Großvater des großen Tondichters Wolfgang Amadé Mozart. Bei der Wahl ihres zukünftigen Mannes kam es Anna Maria auf Geld offensichtlich nicht an, denn der Buchbindergeselle Johann Georg war ein armer Schlucker. Nach Ansicht der Hobby-Historikerin Regine Nägele hatte sie mit ihrem zweiten Mann eine gute Wahl getroffen, die später das Glück der ganzen Familie Mozart begründete und die notwendigen Grundlagen für einen weiteren bürgerlichen Aufstieg legte. Das war wohl der wichtigste Verdienst der Friedberger Mozartin, auch wenn keine ihrer beiden Ehen mit eigenen Kindern gesegnet worden war, was in der damaligen Zeit als Strafe Gottes und als eine schwere Prüfung galt.
Anna Maria Mozart, geb. Peter, starb 1718 in Augsburg, im heutigen Mozarthaus. Die Ursache ihres Todes ist nicht bekannt, doch im kleinen, fein recherchierten Buch über die Friedberger Mozartin lässt Regine Nägele nicht nur die Figur einer mutigen Frau auferstehen, die aus eigener Kraft viel erreicht hatte, sondern zeichnet auch das Bild eines ganzen Jahrhunderts, eines gesellschaftlichen Gefüges und einer wieder erblühenden Stadt Friedberg.
In einer Festveranstaltung am 14. Februar wird das Buch im Rathaus offiziell vorgestellt. Neben einem informativen Vortrag über die langjährige Recherchearbeit, bei der Regine Nägele nicht nur von Archivaren und Historikern unterstützt wurde, wird auch die Musik zu Wort kommen. Die Veranstaltung wird vom Leiter der städtischen Jugendkapelle Friedberg Andreas Thon und einem Holzbläser-Quintett unterstützt, die mit Eigenkompositionen, klassischen Stücken und volkstümlichen Melodien einen würdigenden Rahmen schaffen. Die Geschichte einer klugen und tüchtigen Frau aus Friedberg bleibt eben für immer mit Musik verbunden – Mozarts Musik.
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