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Geschummelt haben wir alle schon mal …

Da zur Zeit immer mehr Betrügereien aufgedeckt und strafrechtlich verfolgt werden, ist mir wieder mal meine Schulzeit in Erinnerung gekommen. Auch die Erinnerung, wie wir geschummelt haben, um die Lehrer zu täuschen. Nicht jede Täuschung wurde entdeckt, zu unserem Glück. Wurde aber eine Betrügerei aufgedeckt, konnte das schlimme Folgen haben.

Am meisten haben wir mit Spickern geschummelt. Das waren handgeschriebene Zettelchen, die wichtige Informationen auf engstem Raum enthielten, besonders mathematische Formeln oder Geschichtsdaten. Zu meiner Zeit war das Federmäppchen ein beliebtes Versteck für solche Spicker. Doch das sprach sich schnell unter den Lehrern herum und die Zahl der Aufdeckungen wurde immer größer. Bald wurden andere Verstecke ausprobiert. Doch auch der Spickzettel unter der Tischplatte oder dem Arbeitsheft war auf Dauer kein sicherer Ort. Dann fingen wir an, uns die Hände oder Arme voll zu schreiben. Das war auch bald nicht mehr sicher genug. Die Idee, den Spickzettel einem Vordermann auf den Rücken zu kleben, haben wir auch bald fallen gelassen, weil die Lehrer während der Arbeit oft ihren Standplatz änderten.

Wer entdeckt wurde, stand blamiert da und musste meist mit schlimmer Strafe rechnen. Mich hat einmal mein Geschichtslehrer während einer Arbeit beim Schummeln erwischt. Ich hatte die Zettel mit den Geschichtszahlen – alles wichtige "Eckdaten" – unter der Tischplatte versteckt. Plötzlich stand der Lehrer hinter mir, zog die Spikzettel hervor und legte sie mir auf den Tisch – wortlos. Am liebsten wäre ich im Erdboden versunken, so blamiert fühlte ich mich. Doch ich durfte meine Arbeit fortsetzen, zunächst ohne weitere Sanktionen. Kann sein, dass meine Note um eine abgesenkt wurde mit einer entsprechenden Begründung für die Eltern.

Dass das Erwischtwerden mitunter panische Reaktionen bei Schülern auslöste, habe ich auch einmal bei einer Lateinarbeit erlebt. Da klatschte plötzlich einem Schüler in der letzten Reihe ein Buch auf den Boden. Wir wussten sofort, das konnte nur die Grammatik sein. Gespannte Stille. Dann kam die Aufforderung von vorn: "Herwig, sei so lieb und bringe mir das doch mal her, was dir eben runter gefallen ist!" In seiner Not ergriff der Schüler ein Löschblatt und machte sich damit auf den Weg zum Lehrer. Was der dann mit diesem bedröppelten Schüler machte, weiß ich leider nicht mehr. Glimpflich ging diese Geschichte sicherlich nicht für ihn aus!

Da fällt mir ein, dass auch noch beim Abschluss- Examen an der Uni kräftig geschummelt wurde. Am Tag der Englisch-Klausur saßen ungewöhnlich viele Studenten mit Jacketts im Übungsraum und warteten auf die Arbeitszettel, eine Übersetzung vom Deutschen ins Englische. Kaum waren dieZettel verteilt, meldeten sich schon die ersten Prüflinge und baten um Erlaubnis, zur Toilette gehen zu dürfen. Jeder wusste, was die dann dort taten. Sie fischten eine Wörterbuch aus ihrer Jackentasche und schlugen ungewöhnliche Wörter nach wie "Abschussrampe" zum Beispiel. Wer nicht täglich eine englische Zeitung gelesen hatte, musste da auch darüber stolpern. Leider fand ich in meinem kleinen Wörterbuch kein englisches Wort dafür. Heute weiß ich es: "launching base" ...
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10 Kommentare
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Edgard Fuß aus Bühl | 26.02.2013 | 17:13  
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L. G. aus Wertingen | 26.02.2013 | 17:35  
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Christl Fischer aus Friedberg | 26.02.2013 | 19:00  
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Karl-Heinz Töpfer aus Marburg | 27.02.2013 | 00:25  
69.601
Axel aus Salzburg aus Freilassing | 27.02.2013 | 01:46  
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Karl-Heinz Töpfer aus Marburg | 27.02.2013 | 10:07  
69.601
Axel aus Salzburg aus Freilassing | 27.02.2013 | 10:59  
50.113
Christl Fischer aus Friedberg | 27.02.2013 | 13:29  
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Karl-Heinz Töpfer aus Marburg | 27.02.2013 | 18:03  
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Christl Fischer aus Friedberg | 28.02.2013 | 13:57  
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