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ESC 2012: Die Schattenseiten von Baku – alles nur Fassade?

Beim wichtigsten europäischen Gesangswettbewerb am Samstag blicken Millionen von Menschen auf Aserbaidschans Hauptstadt Baku. Sie werden dort überwiegend die glanzvolle Crystal Hall, begeisterte Menschen und interessante gesangliche Darbietungen zu sehen bekommen. Doch ist der Glanz auch wirklich real oder ist alles nur Fassade?

Wenn sich Baku am Samstag beim Eurovision Song Contest der Welt präsentiert, werden die Fernsehkameras nur die schönen Flecken der Hauptstadt Aserbaidschans zeigen. Auch viele Besucher des ESC bekommen fast ausschließlich schöne und gepflegte Häuser zu sehen. Die pompösen Hotels sollen die wirtschaftliche Entwicklung des Landes widerspiegeln, Aserbaidschan als modernes und weltoffenes Land präsentieren. Schaut man sich die Zahlen an, könnte man glauben, dass dies alles Wirklichkeit ist. Mit einem Bruttoinlandsprodukt von über 50 Milliarden Euro im Jahr 2011 lässt es so manch europäisches Land hinter sich.

Doch Demokratie und Menschenrechte sind für den amtierenden Präsidenten Ilham Aliyev eher ein Fremdwort. Seit 2003 regiert er das Land mit eiserner Hand. Im Oktober 2013 feiert der Aliyev-Clan den 20. Jahrestag seiner Machtübernahme. 1993 ergriff Ilhams Vater Hedar Aliyev das Zepter. Noch bevor das Duo Ell & Nikki den Eurovision Song Contest 2011 in Deutschland gewann, fuhren Bagger auf den Platz vor, auf dem sich heute die Crystal Hall (Kristal Zalı) befindet. Für diesen Zweck wurden Menschen aus ihren Wohnungen und Häusern zwangsgeräumt, damit diese der Veranstaltungshalle Platz machen konnte. Die Entschädigung für die Betroffenen viel äußerst gering aus. Selbst Bewohner, die einen Gerichtsbeschluss gegen die Zwangsräumung erstritten hatten, mussten ihre Unterkünfte verlassen.



Zerfallene Wohnungen und Häuser werden mit Fassaden überdeckt
Die Regierung spricht von 5.000 Familien die umgesiedelt wurden. Andere sprechen von rund 60.000 Menschen. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen. Und die heruntergekommen Plattenbauten die noch stehen, wurden einfach mit Granitfassaden verkleidet, um den Besuchern einen guten Eindruck zu vermitteln. Kurz vor dem ESC wurden noch eilig Mauern errichtet, die den Blick auf illegale Mülldeponien und verseuchte Ölfelder verhindern sollen. Die Kritik von Seiten der „Human Rights Watch“ stößt bei Präsident und Regierungsabgeordneten auf taube Ohren. Jegliches Aufkeimen von Regimekritik wird sofort im Keim erstickt. Am Samstag werden sich voraussichtlich zwischen 600 und 1.000 Sicherheitskräfte in der Halle befinden. Livesendungen in Aserbaidschan werden grundsätzlich mit 20-sekündiger Verzögerung im Fernsehen gezeigt. So können eventuell auftretende Zwischenfälle dem eigenen Volk vorenthalten werden.

Von europäischen Verhältnissen ist das Land am Rande des Kaukasus, mit diesen gastfreundlichen Menschen, noch weit entfernt. Es bleibt zu hoffen, dass sich durch den Eurovision Song Contest die Verhältnisse nachhaltig ändern. Das kann jedoch nur gelingen, wenn sich das Interesse der Welt nach dem Gesangswettbewerb nicht schlagartig abwendet.
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