Gründonnerstag - Der Tag des Speckkuchens

 

Nordhessischer Speckkuchen – so wie ihn Oma macht. Früher, als wir noch kleine Kinder waren, freuten wir uns alle auf den Donnerstag vor Ostern, den Gründonnerstag. An dem gab es traditionell immer „Grünen Kuchen“.

„Grüner Kuchen“ ist auch bekannt als „Speckkuchen“. Auf ein Backblech mit Roggen-Sauerteigboden kommt eine grünliche Masse, die ihre Farbe durch die ersten im Frühbeet getriebenen „Schlotten“ (Winterzwiebeln) erhält. Und da im Frühling alle sehnlichst auf das erste Grün warten, war dieser Kuchen geradezu perfekt als Essen am Gründonnerstag.

Eine der vielen Bedeutungen des Begriffes „Gründonnerstag“ erklärt einen alten Brauch, am Gründonnerstag „besonders grünes Gemüse wie Grünkohl, Salate, Nesseln, junge Triebe und grüne Kräuter zu essen. Dies steht nicht nur im Einklang mit den allgemeinen Fastenvorschriften für die Karwoche, sondern auch in Verbindung mit vorchristlichen Vorstellungen, dass dadurch die Kraft des Frühlings und eine Heilwirkung für das ganze Jahr aufgenommen werde. In einigen Regionen hatte der Gründonnerstag auch eine besondere Bedeutung für das Bestellen von Feld und Garten, als Tag der ersten Frühlingsaussaat oder als ein Tag, an dem man sich von der Aussaat oder vom Setzen oder Beschneiden der Pflanzen besonders reichen Ertrag versprach“ (aus Wikipedia).

In vielen nordhessischen Dörfern rund um Kassel wurde der Speckkuchen an Backtagen in den Backstuben gebacken. In Kassel gibt es ihn heute noch regelmäßig auf dem Weihnachtsmarkt und in vielen Bäckereien zum Beispiel am Wochenende und auf dem Wochenmarkt. Doch am besten schmeckt er natürlich selbstgemacht und frisch aus dem Ofen.

Und so bereitete die Oma den Speckkuchen zu

1. 5 Brötchen vom Vortag in Stücke brechen, mit 500ml heißer Milch übergießen und abkühlen lassen.
2. Eine Packung Brotteig (Fertigmischung, 500g) z.B. Landbrot oder Bauernbrot nach Packungsanleitung zubereiten und gehen lassen.
3. Viele Schlotten (ersatzweise 3-4 Bund Frühlingszwiebeln oder 3 kleine Stangen Lauch) in sehr feine Ringe schneiden.
4. Zu der Brötchenmasse die Schlotten und 5 Eier geben und gut vermischen. Kräftig mit Maggi und Salz würzen.
5. 200g fetten geräucherten Speck in feine Würfel schneiden und mit Paniermehl panieren.
6. Unter den Brotteig noch ca. 50g Butter kneten. Etwa ¾ des Teiges ausrollen und auf eine gefettete Fettpfanne (Backblech mit hohem Rand) legen, mehrmals einstechen. Darauf die Brötchenmasse geben, darüber die Speckwürfel verteilen. Bei ca. 200°C ca. 45min. backen. Der Boden soll schön braun sein. Warm essen, traditionell gehört dazu Kaffee.

Wer einen dickeren Belag mag, nehme mehr Brötchen und pro zusätzlichem Brötchen noch je 100ml Milch und ein Ei mehr. Und wer spontan sein möchte und daher keine Brötchen vom Vortag hat, der nehme Weizentoastbrot und kalkuliere drei Scheiben statt einem Brötchen. Den restlichen Brotteig zu 4-6 kleinen Kugeln formen, mit Apfelstückchen, Zimt und Zucker füllen und backen. Mit warmer Vanillesoße als Nachtisch reichen.
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Weiterveröffentlichungen:

myheimat-Stadtmagazin neusässer | Erschienen am 02.03.2013
2 Kommentare
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Hans-Werner Blume aus Garbsen | 06.04.2012 | 15:17  
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Dorothea Wagener aus Frankenberg (Eder) | 24.03.2013 | 18:15  
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