Mein Sommer mit dem Förderflugzeug

Der Autor im Förderflugzeug über lautlos über Brandenburg.
 
Das Spiel mit Wind und Wolken ist wahrscheinlich das letzte große Abenteuer der Menschheit.
 
Zusammen im Team bewältigen Segelflieger enorme Distanzen und das ohne einen tropfen Benzin!
Neumünster: Neumünster | Heute, am Montag, dem 27. Juli geht es los. Zusammen mit einigen anderen Fliegern aus
Leck und Kiel ziehe ich die D-8299, oder auch "Fox Sierra" nach Pritzwalk-Sommersberg.
Hier hoffe ich, zusammen mit Steffen einige schöne Stunden in der Luft im Förderflugzeug
des Landes Schleswig-Holstein Holstein verbringen zu können.

Erst am Samstag konnte ich Dank großer Hilfe aus meinem Verein eine
Anhängerkupplung an meinen doch Recht schwachen Opel Corsa anbauen- zumindest
stelle ich die Schwäche fest, als ich auf dem Beschleunigungsstreifen der A7 von der
Flensburger Autobahnauffahrt mit dem Anhänger hintendran Richtung Süden aufbreche...
Einmal auf der Autobahn läuft es zumindest gut. Mit rund 80 Kilometern pro Stunde zieht
der Corsa das Gespann immer mehr Richtung Pritzwalk.

Als ich dort am Abend ankomme, erwartet mich erstmal ein großer Regenschauer. Bereits
die Tage zuvor waren bis dahin mit großen Schauern über Pritzwalk vorbeigegangen...
Zumindest die nächsten Tage bleibt es trocken. Nachdem sowohl Steffen als auch ich die
guten Wetterfenster am Dienstag und Mittwoch verpassen, sieht immerhin der
Donnerstag ganztägig gut aus.

Da Steffen die DG1000 aus Leck fliegt, habe ich somit den Cirrus heute für mich.
Schon als das Briefing um 09:30 gutes Wetter für heute verheißt, stehen die ersten
aufgereihten Cumulanten am Himmel. Zum Glück haben wir den Flieger bereits zuvor
aufgebaut. So muss nur noch gecheckt werden und dann ab zum Start. Um 11:13 Uhr
Ortszeit ist die D-8299, die "Fox Sierra" am Windenseil an der Reihe. "D-8299, für dich
geht es jetzt los. An alle anderen: Achtung der Sommersberg macht einen Windenstart!"
Schon direkt nach den ausklinken zuppelt es unter der rechten Fläche. Einmal richtig im
Bart, bin ich schnell an der Basis, welche derzeit 1200 Meter AGL beträgt.

Nachdem es insbesondere Richtung Osten derzeit gut aussieht, entschließe ich mich,
meine Aufgabe, ein etwa 270 km langes FAI Dreieick Richtung Westen zu verwerfen und
fliege mit dem Wind Entlang der A24 Richtung Südosten. Dabei helfen mir drei isolierte,
gute Bärte, um erstmals an eine richtige Straße auf Höhe von Neuruppin zu kommen.
Um nicht mit dem sowieso recht kräftigem Wind zu weit entgegen der wetterbestimmenden Richtung, nämlich Westen abgetrieben zu werden, entschließe ich mich dazu, die selbe Wolkenstraße einmal wieder in Richtung des westlich gelegenen Elbe-Urstromtal abzugleiten.

Hier erweisen sich insbesondere die großen Kiefernwälder mit ihren sandigen Böden als
zuverlässige Thermikversorger, welche die Fox Sierra mit ihren agilen Flugeigenschaften
gerne auch richtig in engen Kreisen annimmt.

Dank des Colibri II sowie des LX Zeus ließen sich auch einige etwas seltsame Bärte richtig
zentrieren, als die Bewölkung zwischenzeitlich und insbesondere im Süden spärlicher
wurde.

Als ich feststelle, dass der Westen nicht so gut geht wie vorhergesagt, beschließe ich,
mit der Fox Sierra nochmal in den Osten, der ja auch schon vorhin ausgezeichnet ging, zu
fliegen. Dank guter Straßen ist es auf diesem Leg für die "Fox Sierra" ein leichtes, schnell
an der Müritz vorbei nach Osten zu kommen.

Leider muss ich auch ebenso schnell feststellen, dass die Front der letzten beiden Tage
noch immer für abschirmende Bewölkung sorgt, als sich ein immer breiter werdender
Altostratuskeil von Norden her nach Brandenburg schiebt.

Ich beschließe daher, in 1440 Metern Höhe und 42 Kilometern Entfernung zu Pritzwalk
mich erstmals grob Richtung Platz zu orientieren. In einer Höhe von etwa 900 Metern erreiche ich den Platz Wittstock/Berlinchen. Zusammen mit einem DuoDiscus erkämpfe ich mir im Cirrus wieder einige Meter. Leider ist bei knapp 1000 Metern Schluss. Abgleiten gegen den Wind aus Wittstock sollte theoretisch gehen.

Da ich jedoch zu wenig Erfahrung im Vorflug bei bestem Gleiten gegen den Wind auf dem
Muster habe, beschließe ich, nicht unter 1200 Metern abzufliegen.

Unter der Abschirmung ist leider jedoch wenig zu holen. Nach einigem hin und her landet
die "Fox Sierra" letztendlich sicher auf dem Flugplatz in Wittstock.

Am 31. Juli ist Steffen an der Reihe. Leider hat sich die durchaus sehr positive Prognose
des Vorabends nicht bewahrheitet, wie wir nach dem Ziehen an den Start der "Fox Sierra"
feststellen müssen: Mittlerweile zeigt die Uhr 12:30 Uhr an, als wir den Cirrus in die
Startposition schieben und trotz der bereits vorangeschrittenen Uhrzeit ließ sich über den
ganzen Tag über noch kein einziger Cumulant am Himmel ausmachen. Hinzu kommt,
dass -während der Bewölkungsgrad mit 0/8 zu gering ist- die angezeigte Temperatur auf
dem Thermometer in die Höhe schießt. Steffen probiert es trotzdem. Nach etwas mehr als 90 hart erkämpften Minuten in der Hitze ist Schluss für ihn, als auch
in der Luft nichteinmal in weiterer Entfernung Wolken zu sehen sind.

Als es sich abends etwas abgekühlt hat, schaffen wir das Förderflugzeug wieder zurück in
den Anhänger, wo es bis zum dritten August erstmal unberührt ruht. In den nächsten Tagen ab dem dritten August bis zu unserem Abreisetag, dem sechsten August kommt die D-8299 jedoch jeden Tag in die Luft.

Obwohl das Wetter zwar thermisch keine idealen Bedingungen aufweist, haben wir
insbesondere am vierten August eine Menge Spaß mit dem Förderflugzeug. An diesem
Tag brechen Steffen und Bo in der DG1000 des SFG Leck sowie Tim mit einem Discus
zusammen mit der Fox Sierra, welche ich fliege zu einem gemeinsamen Flug auf,
welchem Bo aus der DG1000 dokumentiert.

Während wir an diesem Tag alle drei zwar keine großen Strecken schaffen, sind wir
dennoch allesamt nach der Landung begeistert über diesen tollen gemeinsamen Flug!
Dank der Fotos von Bo anstehen hierbei sehr spannende Fotos.

Am Ende stehen für die "Fox Sierra" innerhalb dieser 10 Tage 18 Flugstunden auf 11
Starts, mehrere Hundert Fotos sowie ein breites Grinsen auf dem Gesicht von Steffen und
mit Zubuche!

Ein Bericht von Niels Hildebrandt. Mehr Informationen über den Förderverein Streckensegelflug Schleswig Holstein findet Ihr unter: www.ffs-sh.de!
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.