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Zugunglück in Spanien: Unachtsamkeit des Lokführers tötet 79

Bei einem Zugunglück in der Nähe des Pilgerortes Santiago de Compostela kamen insgesamt 79 Menschen ums Leben. Die Katastrophe ereignete sich am 21. Juli 2013. Ein Zug raste in der Nähe des Pilgerortes zu schnell in eine Kurve und entgleiste. Der Zug, so ist auf den verschiedenen Videos auf der Plattform YouTube zu sehen, kippte dabei um. Mehrere Wagons wurden stark beschädigt, 79 Menschen getötet und 70 befinden sich derzeit noch in medizinischer Behandlung. Insgesamt wurden 83 Menschen verletzt. Die Anzahl der Todesopfer könnte dabei noch steigen, denn 21 Menschen befinden sich derzeit noch in einem kritischen Zustand.

Lokführer hätte mit dem Bremsvorgang eher beginnen müssen

Gegen den Lokführer, so teilte der spanische Innenminister Jorge Fernández Díaz mit, werde jetzt wegen fahrlässiger Tötung in 78 Fällen ermittelt. Der Zug sei, so bestätigten neuste Erkenntnisse, kurz vor der Einfahrt in den Bahnhof von Santiago in einer 80er Zone mit einer Geschwindigkeit von 190 Kilometer pro Stunde eingefahren. Der Zug hätte bereits vier Kilometer vor der Zone mit dem Bremsvorgang beginnen müssen. Der Lokführer wurde bereits im Krankenhaus festgenommen und soll dabei gesagt haben, dass er es vermasselt habe und sterben möchte. Einen Vorwurf nachdem der Führer des Zuges während der Fahrt telefoniert habe wurde von den Ermittlern bereits zurückgewiesen.

Erste Todesopfer werden bereits beigesetzt

Mit der Beisetzung der Todesopfer soll nach aktuellen Berichten am Montag begonnen werden. Die offizielle Trauerfeier zur Beerdigung der 79 Todesopfer findet in der Kathedrale von Santiago statt. Allerdings wurden die ersten Todesopfer bereits am Samstag beigesetzt. Kritik gab es neben dem Lokführer auch an der Politik. Demnach seien die Sicherheitssysteme an der Unglückskurve zu schlecht. Verkehrsministerin Ana Pastor konnte dem nicht zustimmen. Ihrer Meinung nach entspricht das System den europäischen und spanischen Anforderungen. Jedoch müssten sich auch die Mitarbeiter an die jeweiligen Vorschriften halten. Laut dem Chef der Eisenbahninfrastruktur-Behörde Adif, Gonzalo Ferre, hätten auch alle Sicherheitssystem ordnungsgemäß funktioniert. Jedoch gibt es auch Fürsprecher für den Lokführer. Laut der Lokführer-Gewerkschaft Semaf seien die Sicherheitssysteme an der Stelle für einen Übergang von einer Hochgeschwindigkeitsstrecke auf eine Normalstrecke ungeeignet.

Lokführer schweigt zu den Vorwürfen

Der 52-jährige Zugführer Francisco José Garzón del Amo liegt derzeit noch mit einer leichten Verletzung am Kopf im Krankenhaus. Er wird rund um die Uhr von Beamten bewacht. Bei einer ersten Befragung am vergangenen Freitag verweigerte er auf Anraten des Anwaltes die Aussage. Die Beweise stehen jedoch gegen den Zugführer. Wirklich vollständige Klarheit über den Hergang des Unglückes wird aber wohl erst die Auswertung des in dem Zug vorhandenen Fahrtenschreibers bringen. Viele Kollegen von Garzón legten für ihn unterdessen in spanischen Medien die Hand ins Feuer. Er sei ein netter und zuverlässiger Kollege, über den nicht schlecht gesprochen werden dürfe. Zudem hätte von seinen Kollegen niemand damit gerechnet, dass ihm so ein Unfall passiert. Auch die Beschilderung der Strecke ist laut seinen Kollegen nicht optimal. So werde zwar darauf hingewiesen, dass die Geschwindigkeit von 200 auf 80 Stundenkilometer verringert werden müsse, jedoch gebe es keinen Hinweis auf einen nötigen abrupten Bremsvorgang. Außerdem habe das ERTMS-Kontrollsystem nicht zuverlässig am Bahnhof von Santiago funktioniert. In dem Pilgerort arbeiten die Behörden noch an der Identifizierung der Toten.

Bildquelle: flickr.com © Florian Straub (CC BY-SA 2.0)
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4 Kommentare
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 30.07.2013 | 16:58  
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Mike Zehrfeld aus Langerringen | 31.07.2013 | 09:07  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 31.07.2013 | 14:03  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 01.08.2013 | 02:19  
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