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Saufen und kacken für eine bessere Welt: „Greenwashing“ - Sauberes Gewissen, mehr Umsatz

Der Klassiker: Saufen für die Rettung des Regenwaldes. Jährlich werden etwa 100 Milliarden Quadratmeter Tropenforst abgeholzt. Um das auszugleichen, müssten die deutschen Schluckspechte täglich den Inhalt von 274 Millionen Kästen Krombacher vernichten. (Foto: Screenshot)
Als Bekannte vergangenes Jahr, vom Festival in Wacken zurückgekehrt, stolz berichteten, sie hätten an einem Wochenende das halbe Kongobecken renaturiert, hatte ich die Pointe nicht verstanden. Heute tue ich es. Das bezog sich auf das legendäre Regenwaldprojekt der Krombacher Brauerei. Wer, hatte Günter Jauch seinerzeit gegen eine Gage von einer Million Euro treuherzig verkündet, einen Kasten von dieser Plörre kaufe, rette damit einen Quadratmeter Urwald. Die Mutter aller „Greenwashing“-Kampagnen hatte damit das Licht des Dschungels erblickt. Keine nachfolgende war seither so erfolgreich. Obwohl dieses Spiel inzwischen nahezu alle größeren Unternehmen und Konzerne beherrschen. „Greenwashing“ ist eine mehr oder weniger subtile Methode der Verbrauchertäuschung. Dem Kunde wird suggeriert, dass er, kauft er ein bestimmtes Produkt, einen Beitrag für eine bessere (Um-)Welt und mehr Gerechtigkeit leistet.
Da kann der "Gülle-Hülle"-Hersteller Pampers nicht abseits stehen. Wer seinen Nachwuchs in dessen Windeln kacken lässt, ermöglicht es, dass Kinder in der Dritten Welt gegen Tetanus geimpft werden können. Der Mutterkonzern Procter & Gamble hat zufälligerweise auch eine Pharmasparte, zu deren Sortiment ein entsprechender Kombi-Impfstoff gehört. Und verdient somit doppelt. Und kann sich nebenbei noch mit dem Lob von UNICEF schmücken. Aber Coca-Cola, McDonald’s, die Deutsche Bank, der Energieriese RWE, die Deutsche Bundesbahn und die Lufthansa klimpern ebenso „nachhaltig“ auf der Klaviatur des Reinwaschens.
Um noch mal auf das aus reinem Felsquellwasser hergestellte Gebräu aus Kreuztal zurück zu kommen. Wenn wir uns damit die Lichter ausblasen, haben wir zwar am nächsten Morgen einen dicken Kopp‘, doch die Erkenntnis, am Abend zuvor Gutes getan zu haben, hilft über den brutalsten Kater hinweg. Für einige Quadratmeter vor der Rodung bewahrten Urwaldes kann man schon mal etwas leiden. Nun werden jährlich mehr als zehn Millionen Hektar Tropenforst abgeholzt. Das sind 100 Milliarden Quadratmeter. Um allein diesen Verlust einigermaßen auszugleichen, müssten die Deutschen 274 Millionen Kisten Krombacher saufen – täglich. Eine Sisyphus-Aufgabe, die in den nächsten Jahren noch vielen jungen Naturschützern die Leber und das Leben kosten dürfte. Mehr Beispiele hier: http://www.rotorman.de/haendewaschen-mit-gruener-s...
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 16.03.2017 | 01:19  
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