Wasser, Wein und Sixpacks: Wo Bill Gates-noch, Käpt’n Nemo und meine schnelle „Omma“ neue Kraft schöpfen

Auf Grund gelaufene Kubanische Acht oder Käpt'n Nemos Swimmingpool? Aus dieser Perspektive sieht das Überlaufbauwerk der Aartalsperre schon etwas merkwürdig aus. | Foto: Siegbert Werner
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  • Auf Grund gelaufene Kubanische Acht oder Käpt'n Nemos Swimmingpool? Aus dieser Perspektive sieht das Überlaufbauwerk der Aartalsperre schon etwas merkwürdig aus.
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Nein, das ist nicht der „Schwimmingpuhl“ von Bill Gates auf der an der Nordspitze Grönlandes gelegenen Kaffeklubben-Insel. Auch nicht die havarierte Nautilus von Käpt'n Nemo oder ein verunglückter Laugenbrezel... Wirkt schon eher wie die in Beton gegossene schematische Darstellung einer Kubanischen Acht. Womit jetzt nicht der aktuelle Umtauschkurs des Castro-Pesos gemeint ist. Allerdings fehlt es dieser Figur, so, wie sie sich hier manifestiert, in ihrer statischen Erscheinung (noch) etwas an der nötigen, ihr sonst immanenten Dynamik. Vielleicht ist es aber doch nur die architektonische Manifestation der Handlungsanweisung einer fürsorglichen Mutter an den baden gehenden Sohn: "Hab Acht im Wasser!" Wie dem auch sei, außerirdischen Ursprungs dürfte das Gebilde jedenfalls nicht sein.
Das dem Hier und Jetzt entstammende Konstrukt ist ganz real, wirkt aus dieser, zugegeben, ungewohnten Perspektive allerdings etwas futuristisch. Es handelt sich um das Ablassbauwerk der Aartalsperre, wobei die umlaufende, durch ein Geländer gesicherte Sonnenterrasse normal-sterblichen Badegästen zur Nutzung (leider) nicht zur Verfügung steht.
Zwischen der nahegelegenen Staumauer und diesem funktionalen Penthouse besteht eine unterseeische Verbindung. Ein unter der Wasseroberfläche verlaufender, trockenen Fußes nutzbarer Gang mündet in den Kellertiefen des Bauwerks. Apropos tief: Von der Vorsperre einmal abgesehen bringt es der Stausee nirgends auf mehr als 1.50 Meter. Erwachsene von durchschnittlicher Körpergröße haben stehend nichts zu fürchten, sofern sie den Kopf nicht hängen lassen…
Im Winter ist die Talsperre im Schnitt mit 1,33 Millionen Kubikmetern Wasser gefüllt. Im Sommer sind es in der Regel 1,84 Millionen. Damit könnte man 18.400.000 Badewannen füllen, oder 11,04 Milliarden Tassen Kaffe kochen - schwarzen. Milchkaffe etwas mehr. Einen 7-prozentigen Kuhsaftanteil zu Grund gelegt, ließen sich aus dieser Menge dann sogar 11,87 Milliarden Tassen Latte generieren. Oder halt 2,453 Milliarden 0,75-l-Flaschen Sprudel. Auf 12er-Boxen verteilt, müsste man gerundet 204,44 Millionen Kästen nach Hause schleppen. Aber wer, bitteschön, soll dieses Zeugs denn alles saufen?

Partytime! 9,29,3 Millionen Sixpacks

Das sind Zahlen, die die Vorstellungskraft zumindest der Biertrinkerfraktion bei weitem übersteigen. Deshalb das Ganze noch mal Hopfen- und Malz-gerecht: Könnte man Wasser 1:1 in Pils transformieren, ergebe der sommerliche Aartalstausee-Inhalt 5,58 Milliarden 0,33-Liter-Dosen Bier. Das entspräche gerundet: 929,3 Millionen Sixpacks. Wie viele graue Gehirnzellen sich damit vernichten ließen, das auszurechnen, habe ich meinen Bewährungshelfer gebeten. Der Mann ist zugleich Getränke- und Vergnügungswart beim Blauen Kreuz. Und muss es demnach wissen.
Nehmen wir den Winterpegelstand des Sees zum weinselig machenden Maßstab, könnte man daraus 1,33 Milliarden Liter Pennerglück gewinnen, sofern der alte kanaäische Trick noch funktioniert. Dagegen sehen die deutschen Winzer mit ihrer mittleren Jahresausbeute noch blass aus. Selbst wenn sie die letzte Beere bis zum Fruchtstillstand ausquetschen, kommen sie auf nicht mehr als auf 9,2 Millionen Hektoliter. In guten Jahren sind es vielleicht etwas mehr, in schlechten entsprechend weniger. Und die kriegen die Deutschen Fuselfreunde nicht ganz kurz und klein. Denn: Jeder der 80,8 Millionen Germanen (solche mit Migrationshintergrund inklusive) schluckt im Mittel nämlich jährlich (nur) 20 Liter Öchslebrause. Macht unterm Strich zusammen 1,616 Milliarden Liter.
Zusammen mit der Ausbeute aus dem Aartalsee (1,33 Milliarden) und der gesamtdeutschen Winzerlese (920 Millionen) kämen wir somit nach Deckung des eigenen, innerdeutschen Bedarfs auf einen Überschuss von 634 Millionen Liter. Aber wem sollen wir die Plörre andrehen? Russland geht nicht. Da gibt es ja wegen des Ukraine-Knatsches eine Handelssperre. Muss der Putin halt weiterhin Kartoffelschnaps saufen. Blieben noch die Amis. Die schlucken sowieso alles und kriegen den Weinhals inzwischen eh nicht mehr voll. 2,8 Milliarden Liter haben Präsident Barackse Ubumba und seine Landsleute, die doch eigentlich als Liebhaber pervers-schlabbrigen Bieres gelten, anno 2012 selbst produziert. Und es reicht ihnen immer noch nicht. Da würden unsere 6. 340.000 Hektos kaum mehr ins Gewicht fallen. Also geben wir sie den Norwegern. Denen ist es sowieso egal, mit was sie sich die langen tristen Winter schön und erträglich trinken. Hauptsache es dröhnt.
Zu klären wäre jetzt noch, ob wir auf Weißwein, Roten oder Rosè setzen. Die als Naturschutzgebiet ausgewiesene Aartalsee-Vorsperre wäre nach Meinung anerkannter Önologen und Sommeliers ein ideales Revier zur Gewinnung von Spätburgunder, Dornfelder, Trollinger und Portugieser, während das Hauptbecken eher für Müller-Thurgau, Silvaner und Kerner taugt, weniger für Riesling. Aber mehr als QbA-Status ist nicht drin. Ja und den Rosé? Holen wir aus der Krombach! Wo waren wir stehen geblieben? Ach so, ja. Beim Sommerpegel.

Die "Omma" auf der Überholspur

Gesetzt den Fall, der Inhalt des Aartal-Tümpels würde jetzt nicht aus Aqua, sondern aus Sprit bestehen, wegen mir auch aus mit Bioethanol gepanschtem, also aus dieser E10-Soße. Der alte Sushi-Hokkaido-Bomber meiner Großmutter, der vorige Woche gerade noch mal unter Einsatz diverser Bestechungs- und Bakschisch-Zahlungen durch den TÜV geschrappt ist, schluckt 7,8 Liter auf 100 Kilometer. Mit 1,84 Milliarden Litern könnte die Omma bei ihrem Fahrstil 588.581 mal die Erde umrunden. Oder, um in ihrem eigenen Erlebensumfeld zu verbleiben, sie könnte 982.905.983 mal von Hirzenhain nach Dillenburg und wieder zurück brettern. Sie würde dann natürlich bei einer einfachen Fahrzeit von 17,5 Minuten 65.452 Jahre ununterbrochen hinterm Lenkrad hocken. (Dabei sind die Schaltjahre noch gar nicht berücksichtigt.) Aber die Frau hatte schon immer Sitzfleisch.
Omma hätte theoretisch irgendwann zwischen spätem Mittel- und Jungpaläolithikum starten und Gas geben müssen, um mit dem letzten der von 1,85 Milliarden Litern verbliebendem Treibstofftropfen aus dem Aartalsee wieder in der Neuzeit anzukommen. Wie damals freilich, als die Neandertaler im 107,45 km Luftlinie nordwestlich entfernten Neandertal herum neanderten, der Bürgermeister von Dillenburg hieß, darüber habe ich im eigentlich sonst relativ gut sortierten Stadtarchiv leider nix Erhellendes finden können. Vielleicht liegt bzw. lag das aber auch daran, dass die pulsierende Mega-City, auf die der Wilhelmsturm erst viel später seine Schatten warf, erstmals 1254 urkundlich erwähnt wurde. Das Kaff hat dann nochmals 90 weitere Jahre gebraucht, um Stadtrechte zu erlangen. (Ob Kaiser Ludwig IV, der Bayer, sich das damals auch gut überlegt hatte?) Hirzenhain tauchte 1269 als Hirtinghagen erstmals aus dem Nebel der Geschichte auf, ist also gerade mal 15 Jahre jünger als die Nachbarn im Südwesten. Deshalb sollen die sich jetzt bloß mal nicht so viel auf ihre Historie einbilden.

Einmal Dillenburg und zurück reicht doch völlig!

Jetzt gibt es da aber noch einige offene Fragen: Wenn sowohl Hirzenhain als auch Dillenburg in der Steinzeit noch nicht einmal ein Gedanke waren und die Talsperre bei Bischoffen sogar erst seit 1991 die Aar aufstaut, wie, bitteschön, hätte die aus noch einem gar nicht existenten Dorf kommende Mutter meines Onkels daraus vor fast einem Zweidrittel-Jahrtausend Sprit für ihre vierrädrige japanische Witzfigur fassen sollen/können, um dann mit diesem Schlitzaugen-Hobel in das ebenfalls noch gar nicht vorhandene Dillenburg zu brummen? Davon mal abgesehen: Was sollte jemand, der klar bei Verstand ist, außerdem auch so oft in Dillenburg wollen? Einmal reicht da doch völlig aus! Damals gab es da ja noch nicht einmal das U-Boot und die Erbse! Und die Neandertaler hatten das Kunststück, wie man H2O in E 10-Benzin verwandelt, bestimmt auch noch nicht drauf …

Bürgerreporter:in:

Jürgen Heimann aus Eschenburg

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