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Auf dem Feuerstuhl bis ans Nordkap: Trolle, Wracks und grandiose Naturpanoramen

Auf dem Feuerstuhl in 19 Tagen durch vier skandinavische Länder. Mitglieder des Hirzenhainer Motorradclubs haben die Impressionen der 7.300 Kilometer langen Reise in einer packenden Multimedia-Präsentation zusammengefasst, zu der sie für kommenden Sonntag (19. Februar) ins hiesige Dorfgemeinschaftshaus einladen. Beginn: 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.
 
Markantes Etappenziel: Der Polarkreis ist erreicht. Jenseits davon geht die Sonne im Sommer nicht unter. Dafür lässt sie sich aber im Winter gar nicht blicken. (Foto: www.beeweephoto.de)
7.500 Kilometer reißt man nicht mal eben an einem Sonntagnachmittag ab. Etwas mehr Zeit hatten die Mitglieder des Hirzenhainer Motorradclubs für ihre skandinavische Vier-Länder-Tournee schon eingeplant. 19 Tage insgesamt. Final Destination: das Nordkap. Den (fast) nördlichsten Punkt Europas auf dem direkten Wege anzusteuern, wäre langweilig gewesen. Und man hätte unterwegs viel landschaftliches Sightseeing-Potential verschenkt bzw. links liegen lassen müssen. Also musste das Navi diverse Umwege berechnen, solche, die über Stock und Stein, unbefestigte Schotterpisten, durch tiefe Wälder, schier endlose Weiten, grandiose Naturpanoramen und über schwindelerregende Hochstraßen führten. Zumal auch die Kameras mit diversen Impressionen gefüttert werden wollten. Und das läpperte sich zusammen. Viele Tausend Aufnahmen und Videodateien füllten schließlich die Festplatten-Chips. Aus dieser Fülle haben die Biker eine packende Multimedia-Präsentation generiert, die sie am kommenden Sonntag (19. Februar) der interessierten Öffentlichkeit vorstellen wollen. Titel: „Long Way North“. Schauplatz: Das hiesige Dorfgemeinschaftshaus. Beginn: 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Dänemark, Schweden, Finnland, Norwegen - in dieser Reihenfolge sollte die Roadmap abgearbeitet werden. Wobei jedes dieser Nordländer natürlich seine ureigenen Reize, Eigentümlichkeiten und Besonderheiten aufweist. Selbstverständlich wurde standesgemäß in vom lieben Gott gebauten First-Class-Hotels übernachtet – also unter freiem Himmel. Gut, eine Zeltplane zwischen den müden Häuptern und der unberührten Natur jenseits der Polyamid- und Polyesterwand musste als luxuriöses Zugeständnis schon drin sein, wobei die Option, nächstens oder morgens beim Frühstück vom Elch geknutscht zu werden, durchaus gegeben war. Ein solcher Elchtest blieb den Tour-isten aus dem Mittelhessischen aber erspart. Die Riesenhirsche beließen es dabei, ab und an fotogen ihren Weg zu kreuzen.

„Jedermannsrecht“ und rostige Autos

Wie klein die Welt tatsächlich ist, erfuhren die Zweiradreiter auf einem abgelegenen Gehöft in der schwedischen Pampa, wo sie ihre Zeltpflöcke in die Erde gerammt hatten. Der Besitzer des Bauernhofs outete sich als Deutscher, dessen Bruder in Dillenburg ein Optikerfachgeschäft betreibt. Unsere skandinavischen Nachbarn sehen das mit dem Campen sowieso wesentlich lockerer und entspannter als der germanische Michelmann. In Schweden und Norwegen beispielsweise ist das „Jedermannsrecht“ gesetzlich verankert. Jeder darf hier in freier Wildbahn zelten, sofern er sich an die Spielregeln hält und den Ort so verlässt, wie er ihn vorgefunden hat. Hempels Sofas und das, was darunter liegt, stehen hier nicht auf der Inventarliste.
Woanders schon. Beispielsweise inmitten der Moorlandschaft von Kyrkö Mosse unweit der Ortschaft Ryd, 291 Kilometer Luftlinie nördlich von Malmö gelegen. Dort findet sich der einzige unter Schutz stehende Autofriedhof der Welt. Viele Dutzend ausgeschlachteter Wracks aus den 40-er, 50-er und 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts rosten inmitten hoher Bäume vor sich hin. Weil sie von kulturhistorischem Wert sind, dürfen sie es mit Segen der Behörden weiterhin tun. Bis mindestens 2050. Spätestens dann dürfte sich die Natur das Terrain wieder zurückerobert haben.
Kleiner Schlenker quer durch Finnland, wobei ein Abstecher zum Inari-See Pflicht war. Und weiter. Der Scheitelpunkt der abenteuerlichen Reise, das Nordkap, ist ja streng geografisch nicht der nördlichste Punkt Europas. Der liegt ein paar Kilometer nordöstlich davon entfernt auf der Nordkinnhalbinsel und heißt Kinnaroden. Um dorthin zu gelangen, hätte man auf mühseligen Pfaden teils zu Fuß gehen müssen. Aber irgendwann ist auch für die ambitioniertesten Motobiker Schluss mit lustig. Denen tat schon der Boppes weh. Da wollten sie sich nicht auch noch die Hufe verstauchen.

Konzert der „Trolling Stones“ in der norwegischen Karibik

Die Nordmeerküste südwärts über Alta und Tromsö in die norwegische Karibik, Überfahrt nach Senja, der zweitgrößten Insel des Landes, auch „Trollinsel“ genannt, inklusive. Dieses 350 Kilometer nördlich des Polarkreises gelegene Eiland vereint sämtliche Landschaften des Landes in Miniatur. Zwei riesige, von Menschenhand erschaffene und an die mythischen Sagengestalten der lokalen „Trollis“ erinnernden grimmig dreinblickenden Figuren haben ihren Ruhm gefestigt. „Er“, 125 Tonnen schwer, ist mit fast 18 Metern Höhe etwas protziger ausgefallen als sein Weib und hatte es 1997 sogar ins Guinnessbuch der Rekorde geschafft. In seinen Eingeweiden finden Kultur- und Tanzveranstaltungen statt. Die Musik steuert eine Live-Band bei – die „Trolling Stones“. Die Songs „Motorcycle Man“ und „Ballad of Easy Rider“ stammen allerdings nicht von ihnen, sondern von Saxon und Roger McGuinn.
Lofoten, Atlantik-Straße, der Bilderbuch-motivige Geiranger Fjord oder der Jotunheimen Nationalpark waren weitere Anlaufpunkte. Aber wir wollen ja nicht zu viel verraten. Die mit stimmiger Musik unterlegte und mit treffenden Videoeinspielungen sowie pointierten Kommentaren garnierte Multimedia-Show legt sehens- und hörenswertes Zeugnis davon ab, dass es auch heute in unserer durch und durch reglementierten und genormten Welt jenseits des standardisierten Pauschaltourismus‘ noch Neues zu entdecken gibt – ein Hauch von Abenteuerromantik inklusive. Die Sportschau, die ZDF-Reportage oder das Exclusiv-Weekend auf rtl schauen wir uns dann am Sonntag drauf wieder an.
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