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Vor 13 Jahren wurde Peter Deutschmann von Escheder Neonazis zu Tode geprügelt

Eschede: Bahnhof | Celler Forum gegen Gewalt und Rechtsextremismus am 12. August 2012.
Vor 13 Jahren wurde Peter Deutschmann von Escheder Neonazis zu Tode geprügelt

„Gegen das Vergessen“

am 10.08.2012 in Eschede zum Gedenken an
Peter Deutschmann, 1999 von Escheder Neonazis erschlagen

Wie auch in den vergangenen Jahren trafen sich in Eschede, LK Celle, Menschen aus unterschiedlichen Gruppen und Initiativen, um an den Tod von Peter Deutschmann und die Umstände seines Todes zu erinnern, 25 Personen nahmen an der Gedenkveranstaltung teil.
Es sprachen Vertreter_innen des Netzwerks Südheide gegen Rechtsextremismus, des Forums gegen Gewalt und Rechtsextremismus sowie der Antifaschistischen Aktion Lüneburg / Uelzen. Alle Redner_innen waren sich einig in der Forderung nach einem Gedenkstein für Peter Deutschmann.
Bei den Reden wurde an Peter Deutschmann erinnert, an sein Leben und an die Umstände seines gewaltsamen Todes. Auch die Täter wurden erwähnt, einerseits Marco Siedbürger, der 1999 an der Tötung von Peter Deutschmann in Eschede beteiligt war als auch Stefan Silar, der 1992 an der Tötung von Gustav Schneeclaus in Buxtehude beteiligt war. Beide sind weiterhin, sogar noch intensiver, in der Neonaziszene aktiv. Die beiden Tötungsfälle weisen weitere Parallelen auf, beide Opfer wurden totgeschlagen, weil sie sich verbal gegen Naziäußerungen zur Wehr setzten. Allerdings weist der gesellschaftliche Umgang mit den rechtsmotivierten Taten große Unterschiede auf: in Buxtehude wurde bereits ein Jahr nach der Tat eine Gedenktafel installiert, in Eschede sind bereits 13 Jahre ins Land gegangen - den von uns geforderten Gedenkstein gibt es immer noch nicht.
Die Forderung nach einem Stein wird damit begründet, dass so ein Stein an den gewaltsamen Tod von Peter Deutschmann erinnern soll und daran, welche Gefahren von Neonazis und Rechtsextremisten ausgeht. „Seit Jahren fordern wir hier in Eschede einen Gedenkstein für Peter Deutschmann, der sich verbal gegen Ausländerhetze zur Wehr setzte. Sein Tod macht ganz besonders betroffen, weil Peter Deutschmann eigentlich genau das getan hat, was wir immer von uns und anderen einfordern! Gesicht zeigen! Couragiert Rassismus und Diskriminierung entgegentreten! Peter Deutschmann hat dafür einen hohen Preis gezahlt, den höchsten. Das hat ihn sein Leben gekostet.“, so die Sprecherin des Celler Forums gegen Gewalt und Rechtsextremismus.
Am 09.08.1999 wurde Peter Deutschmann von zwei Escheder Neonazis in seiner Wohnung überfallen und so misshandelt, so dass er am 10.08.1999 an den Folgen verstarb.
Peter Deutschmann hatte sich in der Vergangenheit verbal gegen das „Skinhead-Getue“ der Neonazis zur Wehr gesetzt. Das reichte aus, um dafür totgeschlagen zu werden!
Mindestens 182 Menschen wurden seit 1990 in Deutschland von Neonazis und Rassisten ermordet, auf diese Zahl kommen Opferverbände und Journalist_innen bei ihren Recherchen. Die Bundesregierung erkennt gerade mal 53 Todesopfer rechter Gewalt an – und diese Zahl ist nur deshalb jetzt so „hoch“, weil nach Jahren jetzt die zehn Opfer des NSU, die bis dahin selber z.T. im Fokus der Ermittlungen waren, dazu gezählt wurden.
Ein verantwortlicher Umgang sieht anders aus! Und damit wollen wir hier vor Ort beginnen. Gerade im Lichte der Ermittlungen der verschiedenen Untersuchungsausschüsse zum Thema NSU und gerade mit unseren Erfahrungen hier im Landkreis Celle (Stichwort Wehrsportgruppe Jürgens, Stichwort Hetendorf, Stichwort Nahtzhof) sehen wir die Notwendigkeit, selber zu recherchieren und auf die Naziumtriebe ständig hinzuweisen und dagegen aktiv zu werden.
Doch damit nicht genug. Wir fordern seit Jahren ein Gedenkstein für Peter Deutschmann – gegen das Vergessen. Und wir fordern diesen Stein nicht, damit endlich Ruhe ist im Dorf. Wir fordern ihn als „Stein des Anstoßes“. Wir wollen an Peter Deutschmann erinnern, wir wollen nicht, dass er vergessen wird.
Und wir möchten mit dem Stein erreichen, dass über rechte Gesinnung nicht hinweggesehen wird. Als Peter Deutschmann zu Tode geprügelt wurde, gab es durchaus eine Neonaziszene in Eschede. Mindestens 10 von ihnen, darunter auch einer der Täter, waren 1997 im „Heideheim“ in Hetendorf, damals eines der bedeutendsten Nazizentren in Deutschland. Dass darüber großzügig hinweggesehen und nicht darauf reagiert wurde ist unerklärlich. Nach der Tötung von Peter Deutschmann hieß es über lange Zeit, dass die Tat nicht politisch motiviert gewesen sei.
Ein Gedenkstein im öffentlichen Raum soll ständig daran erinnern, dass Leugnen und Wegsehen das Problem des Neonazismus nicht löst. Wir müssen hinschauen und eingreifen! Das soll der Stein bei uns allen anmahnen!
Wir fordern von der Gemeinde Eschede ein positives Votum für die Errichtung eines Gedenksteins an Peter Deutschmann im Ortskern von Eschede mit der Inschrift:
„Peter Deutschmann
*09.07.1955
†10.08.1999
Von Escheder Neonazis erschlagen“
Pressemitteilung, Celler Forum gegen Gewalt und Rechtsextremismus, 10.08.2012
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