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Ein Projekt, das "Schule" machen sollte

Die Referenten Aylin Aydin und Kim Novak mit dem syrischen Flüchtling Omar Al Tabbish.
 
Die Schüler der 8a lauschten nicht nur aufmerksam, sie wurden auch immer wieder in das Projekt miteinbezogen.
Freilig“ für Toleranz
Von Rosmarie Gumpp
Meitingen:
Die Zahl der Menschen, die sich derzeit auf der Flucht vor Krieg, Verfolgung und Armut befinden, steigt täglich. Das Thema Flüchtlinge wird auch im Landkreis Augsburg vielseitig diskutiert. Aufgrund von Fehlinformationen und Halbwissen sind viele Menschen in der Bevölkerung verunsichert. Mit dem Projekt „Freilig“ möchte der Kreisjugendring Vorurteilen entgegen wirken und ein Zeichen für Mitgefühl und Toleranz setzen: „Freilig für ein friedliches Miteinander!“ Mit einem 90-minütigen Projekt informierte ein geschultes Referententeam in Begleitung eines Flüchtlings in acht verschiedenen Klassen an der Mittelschule Meitingen über aktuelle Daten und Fakten zu den Themen Flucht und Asyl.
Als die Klasse neugierig aus der Pause zurückkam, verlief ein Maschendrahtzaun durch das Klassenzimmer. Das Los entschied darüber, wer nun in welcher Hälfte des Raumes Platz nehmen durfte, in der einen Hälfte wurde mit Getränken und Süßigkeiten Wohlstand symbolisiert, in der anderen Hälfte gab es nichts. Den Schülern sollte gezeigt werden, dass sie selber keinen Einfluss darauf hatten, auf welcher Seite des Zaunes ihr Platz war und wie sich der Unterschied anfühlt. Beim anschließenden Gespräch nannten die Schüler Krieg, Angst, Armut, Wirtschaftskrise, Hungersnot, Naturkatastrophen, Diktatur, Verfolgung im eigenen Land und Diskriminierung wegen der Hautfarbe, Religion oder Sexualität als mögliche Gründe auf die Frage „Was muss passieren, dass du heute dein Land verlässt?“.
Veranschaulicht durch eindrucksvolle Bilder, berichtete in der Klasse 8a der 32-jährige Flüchtling Omar Al Tabbish aus Syrien über die politische Entwicklung in seiner Heimat seit 2011 (Diktatur, Demonstrationen, Bombenangriffe, Menschenopfer, Zerstörung), über das menschliche Leid der Bevölkerung, das viele dazu zwingt, die Heimat zu verlassen und über sein persönliches Schicksal. Die meisten Flüchtlinge fliehen erst in andere Orte im Heimatland, dann in Nachbarländer, wo sie meist in Lagern untergebracht sind, in denen Mangel an lebensnotwendigen Dingen wie Wasser, Gesundheitsversorgung, Heizung usw. herrscht. Von dort versuchen viele Flüchtlinge nach Westeuropa zu kommen, in der Hoffnung auf ein menschenwürdiges Leben. In Syrien bekommt man kein Visum, deshalb sind die Flucht und der Weg nach Deutschland illegal. Darum müssen die Menschen sich ständig fürchten, verhaftet und zurückgeschickt zu werden. Um es trotzdem zu schaffen, nehmen sie hohe Kosten und große Risiken auf sich. Die sichtlich betroffenen Schüler konnten Omar noch Fragen zu seiner Flucht und zu seinem Leben als Asylant stellen.
Anschließend sollten die Schüler überlegen, was für sie die wichtigsten Gegenstände wären, die sie mit auf die Flucht nehmen würden. Im Gespräch erkannten sie, dass man sich auf das Wichtigste beschränken muss, weil die Flucht häufig nachts zu Fuß auf Nebenstrecken erfolgt, um nicht kontrolliert und zurückgeschickt zu werden. Dabei erfuhren sie auch, dass das Handy für die Flüchtlinge wichtig ist, um Kontakt zur Familie und zu Freunden zu halten, um sich Informationen zu beschaffen und zur Orientierung über Maps im Internet.
Mit einem Quiz vermittelten die Referenten Aylin Aydin und Tim Novak den Jugendlichen noch wichtige Informationen zu den Themen Flucht und Asyl. So erfuhren sie,
… dass 2015 über 65 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht waren, davon 50 % Kinder.
… dass Asyl sicherer Ort bzw. Zuflucht bedeutet.
… dass in Deutschland politisch Verfolgte Asyl bekommen.
… dass zurzeit die meisten Flüchtlinge nach Deutschland kommen
(ca. 40 % aus Syrien, ca. 18 % aus Afghanistan und ca. 14 % aus dem Irak)
… dass etwa ein Drittel dieser Asylbewerber Kinder und Jugendliche sind.
… dass Flüchtlinge nach ihrer Ankunft in Deutschland ein Anrecht haben auf den notwendigen Bedarf an Ernährung, Unterkunft, Heizung, Kleidung, Gesundheitspflege und Haushaltswaren, sowie Taschengeld und ärztliche Versorgung.
… dass es nicht stimmt, dass alle Flüchtlinge nach Europa kommen.
… dass die Behauptung „Flüchtlinge nutzen das Asylrecht aus und wollen nur unser Sozialsystem ausnutzen“ falsch ist.
Auf die abschließende Frage „Wie geht es ankommenden Flüchtlingen in Deutschland?“, erkannten die Schüler, dass fehlende Kenntnis von Sprache, Gepflogenheiten und Hilfsangeboten eine große Barriere für diese Menschen darstellt. Die Lehrerin Silke Sehling hatte das Projekt „Freilig“ beim Kreisjugendring für die Mittelschule Meitingen organisiert.
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Weiterveröffentlichungen:

Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.meitinger | Erschienen am 08.07.2017
2 Kommentare
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Eugen Hermes aus Bochum | 11.06.2017 | 09:59  
951
Irene Henkel aus Königsbrunn | 17.06.2017 | 20:55  
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