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Glauben und Logi

„Glauben heißt nicht wissen.“ sagte mein Pfarrer. Glauben verhindert das logische Denken.

„Beten hilft!“ sagte mein evangelischer Pfarrer und untermauerte dies mit diesen – zu unterschiedlichen Zeitpunkten – erzählten zwei Geschichten. Erste Geschichte:
1) Zeit: der dreißig jährige Krieg.
2) Landstraße, zwei Häuser stehen sich gegenüber.
3) Eine Kriegerhorde zieht brennend und raubend heran.
4) Im rechten Haus beginnen die Bewohner inbrünstig zu beten.
5) Die Kriegerhorde findet das rechte Haus nicht, plündert und mordet aber im linken Haus.
6) Das rechte Haus wurde im aufkommenden Schneesturm durch eine hohe Schneewehe geschützt, es war von der Straße nicht sichtbar.
7) Die durch das Beten angeforderte Hilfe Gottes wurde durch die hohe Schneewehe realisiert. Die Bewohner des rechten Hauses überlebten.
8) Beweis: Beten hilft, Gott schützt den ihn um Hilfe bittenden Gläubigen.
Nun die zweite Geschichte:
1) Zeit: zweiter Weltkrieg. Bombenangriffe auf Berlin. Ein altes berliner Miethaus.
2) Beim Fliegeralarm fliehen alle Bewohner des Hauses in den Keller.
3) Im obersten Stock bleibt jedoch eine alte behinderte Frau zurück.
4) Die Frau betet.
5) Eine Bombe fällt etwas schräg und trifft das Haus unten im Keller.
6) Alle Personen im Keller werden getötet. Das Haus bricht nicht zusammen.
7) Die alte betende Frau oben überlebt als Einzige.
8) Beweis: Beten hilft, Gott schützt den ihn um Hilfe bittenden Gläubigen.
Nun die Auswertung.
Es ist erstaunlich, wie sich die beiden Geschichten gleichen, sie sind lediglich der Zeit – dreißig jähriger Krieg, zweiter Weltkrieg – angepasst. Die jeweils ersten sieben Aussagen der Geschichten sind jede für sich und auch in der Abfolge durchaus glaubwürdig und real möglich. In der achten Aussage kommt die jeweilige Schlussfolgerung, der von der Kirche gewollte Beweis: Beten hilft. Aber ist diese Schlussfolgerung zwingend? Nur die jeweils Geretteten überleben, nur diese Überlebenden berichten, was sie (angeblich!) getan haben und was sie gerettet hat, eben Beten. Von den jeweils Getöteten gibt es keinen Bericht, da sie tot sind, können sie nichts berichten. Haben die Getöteten auch Angst gehabt, haben sie auch gebetet und hat Gott ihnen trotz ihrer Gebete nur nicht geholfen?
„Glauben heißt nicht wissen.“ Aber dürfen wir das Unwissen durch eine angefügte – nicht beweisbare – Schlussfolgerung ersetzen? Ist das nur eine harmlose Ausschmückung, ein wenig Phantasie oder ist es nicht doch eine handfeste Lüge, eine Zwecklüge?
Der Trick in dieser Weise zu lügen ist immer der gleiche: Es beginnt immer mit Glaubwürdigem, Möglichem, Wahrscheinlichem, mehrere derartige Aussagen folgen aufeinander – und dann, wenn der Zuhörer hinreichend eingelullt ist, kommt die falsche Schlussfolgerung, immer nach dem gleichen Muster: Wenn das bisher erzählte, behauptete wahr ist oder doch wenigsten möglich und wahrscheinlich sein kann, dann ist der Schluss auch richtig.
Die hier am Beispiel aus der evangelischen Kirche gezeigte Technik findet sich in jeder polizeilichen Ermittlung, wenn dem als Beschuldigte ausgesuchten „Täter“ seine angebliche Tat „nachgewiesen“ wird. Und die Aussagen der Politiker folgen auch dieser Technik.
„Glauben ist nicht wissen!“ - aber was man nicht weiß, nicht beweisen kann, das kann man doch wenigsten glauben, behaupten, für wahr erklären (als Gericht).
Glauben Sie nicht, was man Ihnen erzählt, denken Sie nach, bevor Sie etwas für ie Wahrheit halten.

27.11.2017
Hermann Müller
Bentierode
Bentieröder Bruch 8
D-37574 Einbeck
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