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„Flüchtling“ - das falsche Wort

Die deutsche Sprache kann Dinge und Sachverhalte sehr genau beschreiben - man muss nur die richtigen Wörter benutzen und schon vermeidet man Missverständnisse und Streitigkeiten. Touristen, Einwanderer, Zuwanderer, Flüchtlinge, Integration sind derartige Wörter.

„Touristen“ sind Personen, die zu uns, in unser Land, kommen, um sich auf eigene Kosten für eine kurze Zeit, gemessen in Tagen, Wochen, selten in Monaten, hier aufzuhalten. Ich habe nicht gehört, dass hier Touristen, nur und eben weil sie Touristen, Fremde, Ausländer sind, angegriffen worden wären. Warum sich der Tourist auf den Weg gemacht hat, wird nicht gefragt, spielt keine Rolle. Touristen erwarten nicht, dass wir sie während ihres hiesigen Aufenthaltes unterhalten. Wir erwarten nicht, dass sie die deutsche Sprache erlernen, sich „integrieren“.
„Einwanderer“ sind Personen, die als Fremde in der erklärten Absicht zu uns, in unser Land, kommen, um für lange Zeit, Jahre, lebenslang, hier zu bleiben. Sie wollen selbst für ihren Unterhalt sorgen, sie erwarten nicht, dass wir sie hier unterhalten. Im Allgemeinen werden sie nicht angegriffen. Wir erwarten, dass sie sich integrieren – aber geben wir ihnen auch die Möglichkeit dazu, lassen wir sie sich in unser Volk integrieren?
„Zuwanderer“ sind Personen, die mehr oder weniger zufällig zu uns, in unser Land, kommen und zwar für einen mindestens zunächst nicht festgelegten Zeitraum. Sie sind grundsätzlich bereit für ihren Unterhalt selbst zu sorgen, vorausgesetzt, wir hindern sie nicht daran, etwa durch Arbeitsverbote. Je mehr sie durch unsere eigenen Vorschriften in unser Sozialsystem gezwungen werden, um so größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie angegriffen werden. Warum ein Zuwanderer zu uns kommt, spielt keine Rolle.
Unechte Zuwanderer sind die Personen, die für einen definierten Zeitraum wegen eines bestimmten Grundes zu uns kommen. In diese Gruppe gehören Personen, die ausgebildet werden wollen, zum Beispiel Studenten, aber auch Arbeitskräfte, die sich hier je nach Auftrag, für wenige Tage, Wochen, Monate aber auch Jahre aufhalten. Für diese Gruppe ist der Grund ihres Herkommens von Anfang an bekannt und definiert. Diese Personen haben nicht die Absicht, auf Dauer hier bei uns zu bleiben. Sie mögen uns heute viel Geld kosten, aber sie sind, wieder in ihrer Heimat, für uns von kaum zu überschätzendem Wert als Botschafter deutscher (Wirtschafts-)Werte.
„Flüchtlinge“ sind im Gegensatz zu all diesen Gruppen definiert über ihr Motiv, warum sie ihren bisherigen Aufenthaltsort verlassen haben. Flüchten ist immer eine Bewegung, eine Ortsveränderung, von einem bestimmten Ort weg, niemals zu einem bestimmten Ort hin. Warum aber flüchtet jemand?
Mein Haus brennt, ich kann den Brand nicht löschen, ich verlasse mein brennendes Haus, ich flüchte weg von dem brennendem Haus, wohin ist erst mal egal, nur weg. Aber wie weit weg? Reicht es auf die Straße, auf die andere Straßenseite? Vielleicht renne ich auch noch hundert Meter die Straße hinunter, aber ich renne ganz sicher nicht einige Kilometer ins Nachbardorf, ins andere Bundesland, in einen anderen Staat, der mehrere tausend Kilometer entfernt vielleicht sogar in einem anderen Erdteil liegt. Der Flüchtling bewegt sich „fluchtartig“ schnell aus dem Gefahrengebiet heraus. Sein Fluchtmotiv, sein Fluchtdrang, sollte mit zunehmender Entfernung von der Gefahr abnehmen. Besteht die Gefahr in einem Krieg, dann reicht es oft, die Grenze des nächsten Staates zu überschreiten, um aus der Gefahrenzone heraus zu sein – und damit entfällt das Fluchtmotiv. Hinter diesem einfachen Zusammenhang steht die Politik Deutschlands, von „sicheren Ländern“ zu sprechen.
Und noch eins kennzeichnet den Flüchtling: Der Flüchtling hat nicht die Absicht an seinem neuen – zufälligem – Zufluchtsort zu bleiben, er will, so schnell wie möglich, wenn die Gefahr vorbei ist, wieder zurück an seinen Ausgangsort, seinen Heimatort, zurückkehren.
Richtig, ein Flüchtling ist mitunter mittellos, er ist auf Unterstützung, auf unsere Hilfe angewiesen, er erbittet unsere Hilfe – und wir werden ihm unsere Hilfe auch gewähren. Aber ein Flüchtling wird nie auf die Idee kommen, unsere Hilfe zu fordern, gar einzuklagen. Und er wird erst recht nicht einen größeren Hilfeumfang, eine höhere Hilfequalität, etwa eine höhere Bargeldunterstützung, eine größere Wohnung, einklagen.
Und damit beginnen die Probleme.
Der Artikel 16a, eingefügt ins Grundgesetz durch Gesetz vom 28. Juni 1993 (BGBl. I Seite 1002) mit seinem ersten Absatz: „Politisch Verfolgte genießen Asylrecht.“ ist ein Grund für diese Probleme. Diesen vier Wörtern mit nur 39 Zeichen stehen die weiteren vier Absätze mit 275 Wörtern und 2362 Zeichen gegenüber, in denen eben diese ersten vier Wörter in ihrer Gültigkeit stark eingeschränkt, ja aufgehoben werden. Besser wäre es wohl gewesen nicht von einem Recht, sondern ganz einfach vom Asyl zu sprechen.
Aber die Probleme erwachsen auch nicht wirklich aus der Asylgewährung, sie erwachsen aus dem Problem „Zuwanderung“ oder eben auch „Einwanderung“. Deutschland, das deutsche Volk, ist im Umbruch – dies ist einer eigenen Betrachtung vorbehalten. Es geht um „Flüchtling – Integration“.

23.11.2017
Hermann Müller
Bentierode
Bentieröder Bruch 8
D-37574 Einbeck
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2 Kommentare
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 24.11.2017 | 04:39  
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Hermann Müller aus Einbeck | 24.11.2017 | 17:50  
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