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Ende einer Lokalzeitung?Ende einer Lokalzeitung?

Dem „Gandersheimer Kreisblatt“, einer Lokalzeitung, fehlen die Abonnenten und die Anzeigen.


Im Frühjahr 2017 verließ der langjährige Redaktionsleiter und Geschäftsführer, Thomas Fischer, das „Gandersheimer Kreisblatt“, das im Verlag: Gandersheimer Kreisblatt GmbH & Co. KG erscheint, und trat in den Ruhestand. Thomas Fischer, geboren 18.2.1952; Ausbildung; Fachoberschule Wirtschaft, Lehre zum Bankkaufmann; Berufsweg; Volontariat Täglicher Anzeiger Holzminden; Redakteur, Polizeireporter "Göttinger Tageblatt"; Redaktionsleiter "Gandersheimer Kreisblatt"; Geschäftsführer "Gandersheimer Kreisblatt".
Bad Gandersheim, eine Kleinstadt mit rund 11.000 Einwohnern im Süden Niedersachsens, kann sich dem allgemeinen Bevölkerungsschwund im Süden Niedersachsens nicht entziehen; der Bevölkerungsverlust liegt bei ca. 0,8 Prozent pro Jahr. Bad Gandersheim und seine Nachbargemeinden Kalefeld und Kreiensen bilden mit zusammen rund 24.000 Einwohnern das Verbreitungsgebiet des Gandersheimer Kreisblatts.
Seit dem 1. Januar 2013 ist die ehemalige Gemeinde Kreiensen mit ihren rund 7.000 Einwohnern mit der Stadt Einbeck fusioniert, praktisch eingemeindet worden. Die Lokalzeitung Einbecks ist die „Morgenpost“. Es ist bekannt, dass zwischen den Lokalzeitungen Morgenpost und Gandersheimer Kreisblatt zur Zeit der Fusionsverhandlungen ein fünfjähriges Moratorium vereinbart wurde, nach dem die Verbreitungsgebiete der jeweils anderen Zeitung für fünf Jahre unangetastet bleiben sollen. Diese Schutzfrist läuft mit dem 31.12.2017 aus. Ab dem 1. Januar 2018 kann also die Morgenpost entsprechend der politischen Gemeindegrenze sich dann auch in das Gebiet der ehemaligen Gemeinde Kreiensen hinein ausbreiten.
Das Gandersheimer Kreisblatt hat derzeit rund 3.200 Abonnenten. Diese Zahl sinkt beständig: einmal wegen des allgemeinen Bevölkerungsrückgangs in diesem Gebiet, dann aber auch wegen der zunehmenden Überalterung: die alten Leser sterben weg und junge kommen nicht nach. Der Versuch, durch eine elektronische Ausgabe Leser zu gewinnen, muss als gescheitert angesehen werden, denn es haben sich nur wenige (im zweistelligen Bereich) als zahlende Kunden finden lassen. Das Gandersheimer Kreisblatt war gezwungen, schon über die letzten Jahre immer erneut den Preis anzuheben, aber steigende Preise sind auch nicht auflagensteigernd. So mag das Gandersheimer Kreisblatt vielleicht eine „Marke“ sein, aber eine mit abnehmendem Wert.
Die Verlagsform: „GmbH & CO KG“, eine Mischung aus Kapital- und Personalgesellschaft, lernte ich in meinem Studium als die Konstruktion von Betrugsfirmen kennen. Im Bereich der Zeitungsverlage ist sie allerdings recht üblich, denn so lassen sich die wahren Eigentums- und Machtverhältnisse bequem verbergen. Außerdem ist es üblich, dass die Eigentumsanteile an Zeitungsverlagen untereinander weit verbunden sind. Diese Eigentumsverknüpfungen machen es dann auch leicht möglich, redaktionelle Teile anderer Zeitungen zu übernehmen. Das Gandersheimer Kreisblatt besteht zum größeren Teil (zweidrittel bis dreiviertel) aus Übernahmen von anderen Zeitungen (jeweils ohne Quellenangaben). Eine Verbindung zur Einbecker „Morgenpost“ scheint allerdings nicht zu bestehen. Die Zusammenarbeit ist daher dürftig, was insbesondere den Einwohnern der ehemaligen Gemeinde Kreiensen, die jetzt ja seit dem 1. Januar 2013 zu Einbeck gehört, auffällt: das Gandersheimer Kreisblatt berichtet zwar nach wie vor aus „Kreiensen“ nicht aber aus Einbeck. Diese falsche Nachrichtenpolitik kostet dem Gandersheimer Kreisblatt zunehmend Leser und Käufer im ehemaligen Gemeindegebiet Kreiensen.
Unter diesen Bedingungen war der Weggang des Herrn Fischer der willkommene Anlass und die Gelegenheit, um das Gandersheimer Kreisblatt und seinen Verlag nach Seesen und dem dortigen „Beobachter“ hin auszurichten.
Zunächst wurde Ulrich Kiehne als redaktionelle Vorhut vorgeschickt, er firmiert jetzt im Impressum des Gandersheimer Kreisblatts in der Lokalredaktion mit „V.i.S.d.P.“ [Verantwortlich im Sinne des Pressegesetzes]. Als Chefredakteure werden genannt: Matthias Koch und Hendrik Brandt, beide mit gleicher Funktion auch beim Seesener „Beobachter“. Als Verlagsleiter nennt das Impressum Bernd Voß sowohl für das Gandersheimer Kreisblatt als den Beobachter. Als Geschäftsführer wird für beide Blätter Hinrich Rüttgerodt genannt. In anderem Zusammenhang findet man die Namen Jürgen, Sigrid und Kristiane Rüttgerodt – hier gibt es offenbar weitere Familienverpflechtungen.
Die Zeitung und der Verlag „Gandersheimer Kreisblatt“ sind offenbar nicht (mehr) unabhängig; sie sind heute ein Anhängsel des Seesener „Beobachter“. Es verlautet, dass das Verlagshaus des Gandersheimer Kreisblatts in Bad Gandersheim aufgegeben werden soll. Sabine Ehlert-Meyer (Vorzugsgebiet Kalefeld) und Rudolf A. Hillebrecht (Vorzugsgebiet Bad Gandersheim) werden weiterhin als Redakteure des Gandersheimer Kreisblatts genannt. Jörg Zickfeld (Vorzugsgebiet ehemalige Gemeinde Kreiensen) wird als freier Mitarbeiter des Gandersheimer Kreisblatts geführt, soll jetzt aber nach Seesen abgezogen worden sein.


21.07.2017
Hermann Müller
Bentierode
Bentieröder Bruch 8
D-37574 Einbeck
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