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Wer Freizeit opfert, erntet Freude

Sie treffen sich jeden Sonnabend am PS.Depot und manchmal auch in der Woche
 
In seiner Freizeit chauffiert Peter IWan die Gäste mit dem MB O 319
Einbeck: PS-Speicher |

Das PS.Depot Lkw & Bus lebt vom ehrenamtlichen Engagement

Einbeck. Schrauben, putzen und abschmieren. Es ist noch einiges zu tun bis zum 18. August. Dann ist wieder Feuerwehr-Tag im PS.Depot Lkw + Bus und die Macher erwarten wieder hunderte von Besuchern an diesem Tag. Alte Fahrzeuge und analoge Technik zum Anfassen sind zum Renner geworden.

Drei Jahre nach seiner Einrichtung entpuppt sich das PS.Depot als unerwartete Erfolgsgeschichte und es ist ein Erfolg, der ohne die ehrenamtlichen Mitarbeiter wohl nicht möglich wäre. Die Oldtimer in der alten Fabrikhalle scheinen die Region Einbeck zu elektrisieren. Immerhin neunzig freiwillige Mitarbeiter jeder Altersklasse und beiderlei Geschlecht stehen auf der Liste. Drei von ihnen dürfen gerade mal Mofa fahren.

Sabine Schilling schränkt aber ein: „Das ist ein theoretischer Wert. In der Praxis sind 20 bis 30 regelmäßig vor Ort.“ Jeder davon hat eine Aufgabe und Sabine Schilling koordiniert die Einsätze und die Öffentlichkeitsarbeit.

Friedel Oppermann ist einer der Aktivposten. Mit 82 Jahren ist der älteste in der Riege und als Kfz-Meister ist er wie geschaffen für alte Fahrzeuge. Zudem war er jahrzehntelang bei der Freiwilligen Feuerwehr und damit der ideale Mann für den 18. August. An diesem Morgen erklärt er seinen Mitstreiter die Besonderheiten seines Tanklöschfahrzeugs auf dem Mercedes-Benz-Chassis aus dem Jahr 1976.

Im Jahr zuvor hatte die Lüneburger Heide gebrannt. Daraufhin bestellte der Landesfeuerwehrdienst mehrere dieser Fahrzeuge. Doch die TLFs waren nicht geländetauglich und wurden umgehend aussortiert. Das Exemplar wurde in eine Papierfabrik in Alfeld abgeschoben. Seit drei Jahren steht es im PS.Depot.

Für Michael Stadler ist der Erfolg ein Zufallsprodukt und eine Überraschung. Im Stiftungsrat des PS.Speicher ist der Unternehmer für das Depot verantwortlich. „Nur durch Zufall haben wir erfahren, dass die Bölling-Sammlung zerlegt und in Einzelteilen verkauft werden sollte und dann kurz entschlossen zugegriffen“. Über Jahrzehnte hatte der Spediteur alte Nutzfahrzeuge zusammengetragen, doch das Museum in Sittensen war kein Publikumsmagnet.

Die Rettungsaktion

In einem spektakulären Konvoi wurden die fahrbereiten Exemplaren aus der norddeutschen Tiefebene ins Leinetal gebracht. „Dafür brauchten wir Freiwillige und es haben sich weitaus mehr gemeldet als wir gehofft haben“, erinnert sich Michael Stadler. Das war der Startschuss für die Ausstellung.

Auch Rainer Schilling war im August 2015 dabei. Die Tausende von winkenden Zuschauer an der Strecke beeindrucken ihn noch heute. Oldtimer-Fan und -Besitzer ist er schon lange und eben auch Ehemann von Sabine Schilling. Überhaupt ist die ganze Familie im PS.Depot engagiert.

Andreas Meyer und Peter Iwan sind von Anfang an dabei. Was sie dazu bringt, ihre Freizeit im PS.Depot zu verbringen? Die Antwort ist eindeutig: Die alten Fahrzeuge und der Reiz der Technik. Im wahren Leben ist Andreas Meyer Kfz-Mechatroniker: „Hier bin ich noch im Kopf gefordert, hier geht es nicht darum, einfach Module auszutauschen, hier darf ich noch reparieren“.

Für Peter Iwan ist die Arbeit im PS.Depot ein Ausflug in die eigene Vergangenheit. Er fühlt sich zurückversetzt in die Zeit als er als Lkw-Fahrer vor allem noch Kraftfahrer war. Nun fährt er am Wochenende die Gäste vom Eingangstor 500 Meter zur Ausstellungshalle, stilgerecht in einem Mercedes Benz O 319. Fahrbereit sind alle Fahrzeuge, betont Michael Stadler: „Einsteigen, Schlüssel rumdrehen und losfahren, theoretisch ist das möglich“.

Gemischte Gefühle

Andreas Jäger fährt eher mit gemischten Gefühlen zum Depot. Hier in der Otto-Hahn-Straße hat er 12 Jahre gearbeitet, für die Firma Feierabend Möbel gebaut. Doch die Bosch-Tochter wurde erst an eine Investment-Firma verkauft und dann in die Insolvenz getrieben. „Ich weiß noch genau, welche Maschinen wo standen und welcher Kollege wo gearbeitet hat“, erinnert sich Jäger.

Nun befindet sich auf 7.900 Quadratmetern die weltgrößte Sammlung von Nutzfahrzeugen. Es ist ein rauer Charme und das PS.Depot ist der Gegenentwurf zur durchgestylten multimedialen Ausstellung im PS.Speicher. Fabrikhalle eben und manchmal riecht es nach Diesel und nach Abgasen.

Dreißig Individualisten auf einen Haufen, das sei schon nicht immer einfach, muss Sabine Schilling zugeben. Aber es gibt immer eine kleine Projektgruppe, die die Aufgaben an die anderen Teammitglieder verteilen. „Wir duzen uns alle, egal wer dort draußen was ist, und das du ist auch ernst gemeint“, betont Peter Iwan.

Er freut sich über das Vertrauen, dass Stifter Karl-Heinz Rehkopf seinen ehrenamtichen Mitarbeitern entgegenbringt. Neulich erst sei man mit drei Büssings zum Treffen nach Braunschweig gefahren, berichtet Iwan. Überhaupt ist das PS.Depot auf den Events der Oldtimer-Szene vertreten.

Sabine Schilling hat keine Antwort auf die Frage, wie viele Arbeitsstunden in der Vorbereitung des Feuerwehr-Tags steckt. Sie weiß nur, dass der Garten so manches Depot-Ehrenämtlers ein deutliches Zuwendungsdefizit aufweist. Michael Stadler macht eine andere Rechnung auf: „Wir opfern Freizeit und ernten Begeisterung“. Das sei der schönste Lohn überhaupt.
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