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Städtebauliche Entwicklung in Eichenau - Ein Beitrag zur Ortsgeschichte

Screenshot aus http://eichenau.de
Die zukünftige städtebauliche Entwicklung Eichenaus basiert auf dem Flächennutzungsplan, der zwischen 1982 und 1989 vom Planungsverband „Äußerer Wirtschaftraum“ in München als Fortschreibung eines Vorläuferplanes entwickelt wurde und 1998 Rechtskraft erlangte.
Mit einigen Änderungen ist er so auch 2012 gültig. Die Vielzahl der gemeindlichen Bebauungspläne leiten sich aus dieser planerischen Zielvorgabe ab. Praktisch ganz Eichenau ist inzwischen mit rechtsgültigen Bebauungsplänen versehen.

Die Bebauung Eichenaus geht zurück auf erste Überlegungen, die von dem Fürstenfeldbrucker Bezirksamtmann Josef Nibler und dem Bezirksbaumeister Georg Popp ab 1912 angestellt wurden. Diese überlieferten Pläne werden im Folgenden vor dem Bild der heutigen Situation charakterisiert und stellen die eigentliche Besonderheit der Siedlung Eichenaus im Vergleich zu anderen Gemeinden im Münchner Raum dar.

Den Beginn der Gesamtplanung in der Ortsentwicklung stellte der „Baulinienplan“ von 1918 dar. In ihm wurde die große Vision der Ortsentwicklung festgelegt. Er ist in seiner Grundstruktur bis heute aktuell und wurde nur gering modifiziert. Die Vorentwürfe dazu sind im Bezirksamt unter Leitung von Josef Nibler ab circa 1914 gereift. Laut einer Pressenotiz von 1914 stellten er und Georg Popp den Plan den Siedlern im Gasthof „Zur Kolonie“ vor.

1914 gab es nur wenige Häuser aber schon viele aufgeteilte kleine Grundstücke. Der von Georg Popp bearbeitete und von Josef Nibler genehmigte Bebauungsplan regelte insbesondere die Einführung der Fünf- Meter-Vorgartenlinie, der die Betroffenen Russ, Stadler, Deppert, Dosch, König, Schneider, Heitmeier, Merkel, Kieser und Leoning zustimmten. Diese Vorgartenlinie wurde in alle späteren Pläne übernommen.

Eine Karte von Georg Popp aus dem Jahr 1916 zeigt die geniale Überplanung des gesamten heutigen Siedlungsgebietes. Sie baut auf den Ideen einer durchgrünten Siedlung mit Heimgärten auf.
Die Einzelhäuser stehen mindestens fünf Meter von der Straße entfernt. Für die Straßen waren je nach Funktion unterschiedliche Breiten vorgesehen, Baumreihen schmücken wichtige Straßen und Plätze. Parks und die wichtigsten öffentlichen Einrichtungen sind bereits dort vorgesehen, wo sie heute verwirklicht sind. Popp baute auf dem Baulinienplan des Pasinger Architekten Rank aus dem Jahr 1915 auf, der für die Hei mgärten des Hierony mus Russ (1912) eine Erweiterung in der Fläche vorsah.
Überliefert ist ein Plan Popps von 1916, der an Mut und Kühnheit unübertroffen ist und eine Fülle von Planungsdetails zeigt, von denen bis heute die meisten verwirklicht sind.
Die Planung wurde mindestens einmal von Popp überarbeitet, denn im Besitz des Pfefferminzvereins Eichenau befindet sich ein weiterer Originalplan von 19241964 ein neuer Flächennutzungsplan aufgestellt. Er erhielt 1967 Rechtskraft und entwickelte neue Planungsvorstellungen, die zu öffentlichen Kontroversen führten.
Hauptsächlich ging es darum, ob neue Ziele der Stadtrandentwicklung mit Verdichtungen und Punkthäusern sowie höheren Bauten verwirklicht werden sollten. Ein Ausdruck davon ist der Abriss des alten Gasthofes „Zur Deutschen Eiche“ und der Bau des siebenstöckigen Hochhauses durch die Familie Kögelsberger/Schlegel. (1968/69)
Weiterführende Pläne zur Bebauung der Eichenaue mit Wohnblocks und höheren Häusern für 1000 neue Einwohner wurden nicht zuletzt durch Bürgerproteste verhindert. Der Gemeinderat folgte schließlich 1969 dem Antrag von Sven Svendson (SPD), auf weitere Bebauungspläne zu verzichten. Der Siedlungsdruck durch zuzugswillige zahlungskräftige Münchner Bürger hielt jedoch weiter an, so dass es zu zahlreichen Auseinandersetzungen um Baurechte kam.

Da nicht in die Höhe gebaut werden durfte, begann die dichtere Bebauung in der Fläche mit den ersten Reihenhaussiedlungen. Da es der Gemeinde an Finanzkraft zur eigenständigen Erschließung von Baugebieten fehlte, erwog man eine Zusammenarbeit mit Bauträgern sowie die Ansiedlung von Gewerbebetrieben. Dazu musste aber zuerst der Flächenutzungsplan geändert werden. 1980 bis 1983 ergaben sich im Laufe der baulichen Entwicklung zahlreiche Änderungen, so dass 1982 eine Neuaufstellung beschlossen wurde.


Die Phasen der baulichen Entwicklung

Die Entstehungsphase 1910: Die Keimzelle im Norden (0 bis 100 Einwohner)

Die Entstehung Eichenaus beginnt mit dem Bau der Eisenbahn von München-Pasing nach Buchloe. Als das erste Haus auf Eichenauer Flur wird allgemein ein kleines Häuschen bezeichnet, das ungefähr dort in den feuchten Wiesen stand, wo heute das Pflegeheim der Inneren Mission am Bahnhof steht. Dort wohnte die Familie Stöcklmeier, die wahrscheinlich auf dem Staatsgut Roggenstein beschäftigt war. Als das Häuschen abbrannte, wurde es nicht mehr errichtet.

Sehr viel mehr ist über die Anfänge Eichenaus durch die Gebäude der Familien Mayr, Kanzler und Ihle/Plink bekannt. An der Kreuzung der Bahnlinie mit dem einzigen Fuhrweg, der das Gebiet zwischen den Dörfern Puchheim an der späteren Bundesstraße 2 und Olching am Amperübergang durchzog, hatten sich die Familien Mayr und Kanzler niedergelassen und eine Gastwirtschaft und ein Mehrfamilienhaus gebaut, von rund 60 Jahre alten Eichen umgeben. Dies kann als erste Keimzelle Eichenaus bezeichnet werden. Eine von den alten Eichen ist noch erhalten, eine wurde 2006 neben dem jetzigen Hochhaus gefällt.
Die Gastwirtschaft „Zur Deutschen Eiche“ und ihre Nachfolgerinnen an dieser Stelle ( Heute Castanho) waren für die Geschichte der Siedlung prägend, denn hier fanden Bürgerversammlungen statt und wurden Vereine gegründet.

Das 1898/99 von Hans Ihle erbaute Häuschen Nr. 84 der Gemeinde Alling kauften Else Plink und ihre Freundin Berta Greve von dem Landwirt Gottfried Böll. Allgemein ist es als „Plinkhaus“ bekannt. Das Haus war über oft unwegsame Wiesenwege von der Station Puchheim besser zu erreichen als von der Station Roggenstein, so dass es vom Gefühl der Einwohner und Besucher her eher zu Puchheim als zu Eichenau gerechnet wurde. Noch heute verläuft die Gemeindegrenze mitten durch den später erfolgten Anbau. 1909 erhielt das Dach einen Kniestock für Schlafräume im ersten Stock. Der Stall wurde Arbeitsraum und das Scheunentor erhielt ein großes Atelierfenster.
1910 erfolgte der Anbau einer Veranda und ein Jahr später machte der bekannte Münchner
Architekt Richard Riemerschmid Pläne für einen weiteren großen Anbau. Der Garten wurde durch den Ankauf von landwirtschaftlichen Flächen und Wiesen bis fast zum Fuchsberg vergrößert.
Das Haus wurde fortan zu m Treffpunkt Münchner Künstlerkreise. 1980 wurde es noch
einmal vergrößert und der Kachelofenbau kam hinzu. Es ist das erste Künstlerhaus in Eichenau und ist bis heute, wenn auch in stark u mgewandelter Form, erhalten.

Die Flurkarten aus dieser Zeit zeigen, dass einige Grundstücksbesitzer anfingen, das zukünftige Potential der „feuchten Allinger Wiesen“ zu erkennen und dazu übergingen, die Grundstücke zu teilen. Mit der Gründung des „Vereins zur Regulierung des Starzelbaches“ 1909 begann der zweite Schritt zur Inwertsetzung des Geländes: Die „Entstehungsphase“ der Siedlung war damit abgeschlossen.

Anfangsphase 1911 bis 1919:
Die Entwicklung der Kolonie der Heimgärten (100 bis 227 Einwohner) Die Allinger Landwirte und die Grundstücksbesitzer aus der näheren Umgebung blieben zögerlich mit dem Verkauf von Grundstücken, so dass erst 1919 die eigentliche Anfangsphase des Ortes, die eine Planung „von oben“ war, begann und zur Gründung der „Baugenossenschaft Eichenau und Umgebung“ führte. Am 7. Oktober 1912 wurde mit Beschluss Nr. 5214 des königlichen Bezirksamtes in Fürstenfeldbruck die Grundlage für die Heimgartenkolonie Eichenau gelegt.

Im September 1914 erstellte das Steueramt in Fürstenfeldbruck ein neues Flächenverzeichnis und listete für Eichenau 37 Tagwerk, 87 Dezimalen (rund 4 qkm) auf, die auf Allinger Landwirte entfielen. Darüber hinaus besaßen Personen aus 31 weiteren Gemeinden Land im „Allinger Moos“. Seit 1914 war der Anteil der Münchner und Pasinger Besitzer in Eichenau weit größer als der der Allinger: 224 Tagwerk entfielen weitgehend auf die Münchner Familien Russ sowie Schleich, Sonntag, Morgenstein, Blechschmid, Möhrlein und Kalb. Etwas mehr als 32 Tagwerk gehörten Unterpfaffenhofen und waren vermutlich Kirchengrund:
„Die verhältnismäßig starke Beteiligung von Orten wie München erklärt sich daraus, dass das Gelände in Eichenau bereits in Hauptplätze parzelliert und schon an Reflektanten, die noch in München, Pasing usw. wohnten, verkauft war.“

Noch vor dem Ersten Weltkrieg reifte im Bezirksamt die Vorstellung, die vereinzelt eingereichten Bauanträge zu einem „ großen Wurf“ – heute würden wir sagen für den ersten Flächennutzungsplan - für das gesamte spätere Gemeindegebiet zu gestalten. 1918 wurde der Bebauungsplan zusammen mit der Gründung der Baugenossenschaft rechtskräftig. 1914 gab es 14 Häuser, davon vier in der „Keimzelle“ der Siedlung am Bahnübergang zwischen Roggenstein und Puchheim. Zehn Häuser verteilten sich auf dem Gebiet, das unter anderem Hieronymus Russ parzelliert und als Heimgärten verkauft hatte.
Die Siedlung wuchs langsam, denn kleine Gartenhäuser und Hütten, die nicht als reguläre Häuser zählten, wurden erst im Laufe der Jahre ausgebaut und dann angemeldet. 1919 waren es 67 Häuser. Mit der Gründung der „zweiten“ Baugenossenschaft durch Josef Nibler kam es zu einem „Bauboom“: Die Siedlung wuchs bis 1931 auf 284 Häuser, 1935 waren es 370 und 1937 419 Häuser. 1914 lag Niblers große Vision einer durchgrünten, ästhetisch schönen, einheitlich gestalteten Siedlung in Form eines Planes vor. Seine Vorstellungen führten noch in den letzten Kriegswochen zur Gründung der „Baugenossenschaft Eichenau und Umgebung e.G.“. Sie führte den Namen „und Umgebung“, obwohl sie nie über die Gemeindegrenzen hinaus tätig wurde.

Die Baugenossenschaft war eine „Gründung von oben“, während der Interessentenverein die Siedlerfamilien zusammengef1. Vorshrt hatte Vorsitzendender der Baugenossenschaft war laut Satzung bis nach dem Zweiten Weltkrieg der Bezirksamtmann/Landrat. Als Vorstände wirkten der Sparkassendirektor und der Notar der Kreisstadt sowie von 1918 bis 1933 der zeitweilige Leiter der Bauverwaltung, Bezirksbaumeister Georg Popp. Beteiligt war auch immer der Vorsitzende der Puchheimer Müllverwertung. Popp bearbeitete persönlich alle Bauanträge aus Eichenau und brachte seine Vorstellungen über die Zukunft und konkrete Ausgestaltung der Kolonie ein. Dies blieb insbesondere bei den nötigen Grundabtretungen für den Straßenbau nicht ohne Konflikte. Der Sitz der Baugenossenschaft war in Fürstenfeldbruck in der Schöngeisinger Straße 56 im Haus des Notars Feess.
Dies führte bei einigen Siedlern zu Unmutsäußerungen. Georg Popp wurde öffentlich als „König von Eichenau“ beschimpft, wogegen er sich mit verschiedenen Verleumdungsprozessen zur Wehr setzte. An der Spitze der „Siedlerbewegung“ gegen die Baugenossenschaft standen die späteren Bürgermeister Hans Wirner und Gustav Eberth. Letztlich zermürbt und enttäuscht, dass seine Verdienste nicht gewürdigt wurden, trat Georg Popp 1933 zurück. Die großen Verdienste der Baugenossenschaft um die Entwicklung der öffentlichen Einrichtungen sind jedoch auch von ihren Kritikern nie bestritten und auch in der Zeit des Nationalsozialismus gewürdigt worden: „Eng verbunden mit der Entwicklung der Eichenau ist die Baugenossenschaft, denn sie hatte mit über 600.000 Quadratmeter [60 Hektar] Baugrund fast ein Drittel der insgesamt zu bebauenden Fläche im Besitz. Zwischen 1918 und 1924 entstanden im „Baugenossenschaftsviertel“ schon 48 Häuser an der Allinger-, Olchinger- und Zugspitzstraße und bis 1923 wuchs der Bestand auf 58 Häuser.“

Die Stagnationsphase 1933 bis 1946: Verdopplung der Bevölkerung (1068 bis 2652 Einwohner)

Die städtebauliche Entwicklung während der Herrschaft der Nationalsozialisten stagnierte, da die „großen Pläne“ nicht verwirklicht wurden.Die privaten Bauten entwickelten sich in der traditionellen Bauweise weiter, die von den neuen Machthabern unterstützt wurde. Das neue Bahnhofsgebäude bekam von Hans Wirner seinen gelben, 2006 erneuerten, Anstrich. Der Bau der Friesenhalle brachte Schwung in die Sportbewegung und schuf einen Treffpunkt im sozialen Bereich. Für den Bereich der Ortsmitte bei Kirche und Schule wurde ein gigantischer Aufmarschplatz mit großem Rathaus geplant, ebenso ein großes HJ Heim an der Roggensteiner Allee. Im Norden zwischen Bahnhofsweg und Schillerstraße wurde die NS- Dankopfersiedlung genauso wenig realisiert wie ein Wohngebiet im Süden für kinderreiche Familien. Grundlage waren die großen Flächen, die der Baugenossenschaft gehörten und die freizügig überplant wurden. Allein die Siedlung für ausgebombte Münchner mit 78 Notunterkünften in der Umgebung des heutigen Waxensteiner Platzes kam zur Ausführung.

Bis Ende 1939 wurden die 405 Wohngebäude (503 Häuser unter Einschluss der nicht nummerierten Gartenhäuser) in Eichenau fortlaufend nach ihrer Entstehung aufgelistet und die alte Allinger Registrierung damit fortgeführt. An der Ziffer der alten Nummerierung kann man somit ungefähr das Alter des jeweiligen Gebäudes abschätzen. 1939 wurden die Hausnummern neu nach den Straßen vergeben.
Von den 405 Wohngebäuden wurden 315 von den Besitzern bewohnt (Einzelhäuser). In 90 Häusern wohnten weitere 202 Haushalte (Doppelhäuser). Davon hatte nur die Familie Kanzler im alten Doppelhaus an der Olchinger Straße (Haus 87 und 86) insgesamt sieben Haushalte, die Familie Karl Stadler mit Haus 182 insgesamt fünf Haushalte und die Familie Gerum im einzigen Haus in der Friesenstraße (früher „Am Fameth“) vier Haushalte. Im Haus von Else Plink am Puchheimer Weg, bei Familie Kirchner im Hinterhaus in der Wiesenstraße (Haus Nr. 120), bei Familie Lutz in der Zugspitzstraße und bei Familie Einlechner in der Zugspitzstraße (Haus Nr. 169) befanden sich jeweils vier Haushalte. Familie Johann Handelshauser in der Niblerstraße und Familie Forster / Bletschacher in der Moosstraße beherbergten jeweils drei Haushalte. 80
Häuser waren so mit jeweils zwei Familien belegt. Einige Familien, in denen verheiratete Töchter oder Söhne wohnten oder kriegsbedingt Verwandte aufgenommen worden waren, zählten nicht als eigene Haushalte. Dies zeigt, wie in der Kriegszeit, als der Neubau weitgehend zum Erliegen gekommen war, und auch die geplanten größeren Siedlungsprojekte nicht verwirklicht wurden, große Wohnungsnot herrschte.

Die Planung für die „Heimstättensiedlung der NSDAP“, die in Zusammenarbeit mit der Baugenossenschaft an Wettersteinstraße und Wankstraße verwirklicht werden sollte, kam nicht zustande. In den Kriegszeiten wurde nur die Schubertstraße 1943 bebaut und neu benannt. Bürgermeister Eberth hatte in seinen Verhandlungen mit der Partei das Projekt vorangebracht, aber die genauen Gründe für den Aufschub sind bisher unklar.

Die Expansionsphase 1947 bis 1967: Zuzug der Flüchtlinge, Bauboom nach der Selbstständigkeit (2654 bis 4549 Einwohner)
Die Wohnungsnot blieb bis weit in die 1950er Jahre bestehen. Erst Anfang dieses Jahrzehnts begann die Baugenossenschaft mit dem Wohnungsbau nach dem Krieg an der Kapellenstraße (auf dem Gelände, das für die NS-Dankopfersiedlung vorgesehen war). Außerdem mussten die Behelfsbauten der sogenannten Eisenbahnersiedlung um den Waxensteiner Platz Neubauten weichen. Die langsame aber stetige Expansion in der Fläche begann. Da die großen Grundstücke von 1000 bis 1600 qm nur mit kleinen Einzelhäusern besetzt waren, ergab sich noch nicht das Bild einer konzeptionell geplanten und geschlossenen Siedlung.
Dies lässt sich erst heute in der Rücksicht unter Kenntnis der vorhandenen Planungsideen und der Analyse der verschiedenen Planungsschritte erkennen. Es wurden immer wieder kleine Quartiere in unterschiedlichen Ortsteilen bebaut, je nachdem wo ein Architekt oder ein Bauträger ein Grundstück zur Bebauung fand. Wer aufmerksam durch den Ort geht, findet immer wieder zwei Doppelhäuser und ein Einzelhaus gleichen Typs, denen ein ehemaliges Kleinsiedlerhaus weichen musste.
Erste Versuche mit Reihenhaussiedlungen fanden außerdem statt. Bis 1961 wuchs die Gebäudezahl auf 918 mit insgesamt 1366 Haushalten. Die Einwohnerliste weist dafür 3755 Einwohner nach.

Die Verdichtungsphase 1968 bis 1999
Trotz der stattgefundenen Verdichtung haben sich alle Flächennutzungspläne und die daraus abgeleiteten Bebauungspläne immer wieder an das Grundmuster von 1918 gehalten und so das ursprüngliche Gesamtkonzept im Auge behalten. Der Planungsverband „Äußerer Wirtschaftsraum“, der seit 1982 die Aufträge für die Betreuung der Gemeinde erhalten hat, griff nur vorsichtig korrigierend ein und berücksichtigte die Wünsche des Gemeinderates . So wurde ein Gewerbegebiet, das 1961 noch für die Fläche der Baugenossenschaft in der späteren „Ortsmitte Bebauung“ vorgesehen war, 1971 an den südlichen und nördlichen Rand gelegt. Von 1951 bis 2007 entwickelten sich die Bauten an derBahnhofstraße.1992 fand das Richtfest für die Neubauten der Orts mitte statt.

Ab 1968 begann ein Bauboom, der mit der Stadtrandwanderung junger Münchner Familien zusammenhing. Es entstand mit mehr als 1000 Einwohnern die Bürgermeister-Kraus-Siedlung der Baugenossenschaft München-West sowie die Mehrfamilienhäuser an der Waldstraße. Die Sackgasse „Am Schlag“ erinnert daran, dass hier ab 1968 im großen Stil der Wald gefällt wurde.

Die vorletzte Phase der Verdichtung begann 1980, als unter dem neuen Bürgermeister Sebastian Niedermeier die Bebauung der großen freien „Zirkuswiese“ zwischen Kirche und Bahnhof als „Ortsmitte“ mit Ladengeschäften an der Bahnhofstraße geplant wurde. Der Freistaat verweigerte bis 2001 die gesamte Entwicklung im Norden der Gemeinde, da die landwirtschaftlichen Flächen des Versuchsgutes nicht frei gegeben wurden.
In der „neuen Ortsmitte“, deren Geschäfte sich später als viel zu klein erwiesen, entstanden nach zahlreichen Umlegungen von Grundstücken durch die Baugenossenschaft und durch das
„Deutsche Heim“ zahlreiche Mehrfamilienhäuser mit steilen Dächern und bis zu vier Geschossen sowie Tiefgaragen.

Die Vollendungsphase 2000 bis 2030
Die letzte und neueste Bauwelle begann mit der Freigabe von Flächen auf der Südseite des Bahnhofs durch den Freistaat, jenseits der ehemaligen Gemeindegrenze im Norden. Dem Freistaat war angeboten worden, hier Wohnungen für eigene Beschäftigte zu errichten, die bei oft kleinem Einkommen in München keinen Wohnraum fanden. Die jeweiligen Bebauungspläne wurden vom Gemeinderat in Zusammenarbeit mit den Architekten entwickelt, so dass auch neue Architekturmodelle zum Zuge kamen. Inzwischen waren überall in Bayern Pultdächer populär geworden und so schlossen sich weitere Bauträger diesen Bauformen an.

Straßenbau und Wegeführung

Der erste „Baulinienplan“ von 1918 hatte bereits die Straßenverläufe festgelegt und die ortsprägenden fünf Meter vom Straßenrand freizuhaltende Vorgartenlinie bestimmt. Auch als typische Zäune, die bis etwa 1930 bei Bauanträgen noch einzeln gezeichnet und begründet werden mussten, wurden nur der hölzerne Staketenzaun mit senkrechten Halbrundhölzern genehmigt.
Heute gibt es eine Vielzahl von Zauntypen, wobei die Bebauungspläne und die Ortsgestaltungssatzung über Höhe und Art Vorschriften machen. Durch Hinterpflanzung mit Sträuchern, früher oft Thujen, sind im Laufe der Jahrzehnte teilweise gewaltige Hecken gewachsen, hinter denen sich die älteren Häuser verstecken.

Josef Nibler und Georg Popp hatten sich auch ausführlich Gedanken über die Straßenbreiten in den einzelnen Wohnquartieren gemacht. Ein einfacher Gehweg als Fußwegverbindung hatte die Breite von zwei Metern, der Standardfahrweg mit Begegnungsverkehr fünf Meter mit einem Entwässerungsgraben auf jeder Seite. Die Straße mit beidseitigem Gehweg sollte insgesamt neun Meter breit sein. Die „Allee“ mit einseitiger Baumreihe als Spazierweg erhielt einen zwei Meter breiten Gehweg und war damit zwölf Meter breit. Nur an den platzartigen Öffnungen der Straßen sowie am Marktplatz und Kirchplatz sollten doppelreihige Bäume stehen. Heute dominiert die Bedeutung der Straße für den Autoverkehr und die Gesamtbreite von 10 Meter bis zum Grundstück ist nur an wenigen Stellen erreicht.

Die heutige Straßenführung
Eichenau ist über drei Schnittstellen an das überörtliche Verkehrswegenetz angebunden: im Norden durch die Unterführung der Staatsstraße unter der S-Bahn und im Süden in der Verlängerung der Staatsstraße durch die Gemeinde Puchheim zur Bundesstraße 2 in Puchheim-Ort. Dort kam 2011 eine kreuzungsfreie Einschleifung. Aber die Staus im Berufsverkehr wurden nicht beseitigt, da die Ampel zur untergeordneten Orstdurchfahrt in Puchheim Dorf erhalten blieb.

Im Osten befindet sich schließlich die Anbindung an Puchheim über die alte und 2007 endausgebaute Olchinger Straße.
Um die westliche Seite der Roggensteiner Allee im Süden von der Bundesstraße abzuhängen, wurde eine Brücke kurz vor dem Beginn der Bebauung errichtet. Eine weitere Zufahrt nach Eichenau, die aber nur für Notfälle benutzt wird, führt über eine Privatstraße auf Gut Roggenstein nach Emmering und benutzt dafür die Unterführung, die an der alten Haltestelle der Bahn unterhalb von Roggenstein in den 1930er Jahren gebaut worden war.
Emmering plant, diese Unterführung im Zuge des viergleisigen Ausbaus der Bahn als Zufahrt zum Industriegebiet auszubauen.

Aus diesem Grund wird der ganze Ziel- und Quellverkehr von und nach Eichenau über wenige Straßen abgewickelt. Der Verkehr von Norden her (Olching/Dachau) in Richtung Süden (Autobahn Lindau/Garmisch) oder Germering/Gilching muss durch Eichenau hindurch.(Pendelerverkehr) Hinzu kommt, dass durch das große Zentrallager der Firma ALDI Zulieferer-LKW aus ganz Europa Eichenau anfahren und diejenigen, die von Norden bzw. der Autobahn A8 (Augsburg / Ruhrgebiet / Holland) kamen, den Ort auf der Schiller- und Hauptstraße durchquerten. Erst 2006 wurde mit der Öffnung der Autobahn A99 eine schnellere Zufahrt über die Ausfahrt Germering/Eichenau möglich, so dass es zu einer Entspannung im Ort kam. ALDI will das Zentrallager ab ca 2015 an die Autobahn bei Gilching verlegen.
Gegen die Olchinger Planungen für eine Südwestumgehung erhob der Gemeinderat, wie schon 1995, erneut 2007 einstimmig Einspruch, denn die schnelle Anbimdung an die B 471 würde zusätzlichen Durchgangs- und Pendlerverkehr nach Eichenau locken.

Unterführung im Norden:
Bis zur Öffnung der Unterführung an der Staatsstraße 2069, die im großen Bogen durch Eichenau führt, kam es vor dem beschrankten Bahnübergang zu langen Staus. Wegen der hohen Zugfrequenz war die Schranke nicht nur für die S-Bahn sondern auch für den Reiseverkehr ins Allgäu am Tage insgesamt 8 Stunden geschlossen. Die Beseitigung dieses Gefahrenpunktes war daher über 30 Jahre lang ein wichtiges kommunales Anliegen.

Durch den Zuzug in Folge der Stadtrandwanderung junger Familien ab den späten 1960er Jahren kam es zu vermehrter Verkehrsbelastung, die sich in der anhaltenden Diskussion um eine Ortsumgehung für Eichenau niederschlug. Unter Bürgermeister Niedermeier wurde das Projekt sogar bis zur Diskussion eines fertigen Planes vorangetrieben (Planfeststellungsverfahren). Eine Einigung mit der Straßenbauverwaltung kam jedoch insbesondere wegen des Streits um die Art des Ausbaus für die Unterführung nicht zustande. Außerdem wurde die Realisierung möglicher Umgehungspläne von Puchheim durch Verplanung der Trassen unmöglich gemacht.
Als 1994 der Spatenstich für die Bahnunterführung stattfand, war dies der Abschluss eines langen Tauziehens. 2001 wurde die Unterführung mit einer lichten Höhe von 4,50 Meter eröffnet – und nicht, wie die Gemeinden Olching und Eichenau vergeblich gefordert hatten, mit einer Höhe von 3,50 Meter. Die letztendlich gebaute geschwungene Unterführung wurde mit einem Architekturpreis ausgezeichnet. Der Endausbau der Schillerstraße 2004 auf 7,50 Meter Breite mit Geh- und Radwegen führte zu einer weiteren Verbesserung und Attraktivität der Ortsdurchfahrt. Bei der Sanierung der Staatsstraße wurden 2004 vier Abschnitte gebildet, die zur Abrechnung aber wieder aufgehoben wurden.

In den 1980er Jahren kam es auch zu einer intensiven Diskussion über die Vorteile von „Tempo 30 Zonen“. Diese Diskussion wurde vom langjährigen Verkehrsreferenten und Gemeinderat Günter Klebermaß vorangetrieben, so dass ganz Eichenau (mit Ausnahme der Staatsstraße als Ortsdurchfahrt) heute „Tempo 30- Gebiet“ ist. Bis 2012 ist die Endabrechnung der Ortsdurchfahrt daher noch nicht erfolgt.

Öffentliche Bauten

Schon auf dem Bebauungsplan von 1916 waren die öffentlichen Bauten Kirche, Schule und Friedhof an ihren heutigen Plätzen vorgesehen, wenn auch nicht in der späteren Ausführung. Das schon früh erbaute erste hölzerne Feuerwehrhaus fehlt dagegen auf den Plänen. Auf der Wirtschaftskarte von 1939 kam die Friesenhalle hinzu. Die Gemeindeverwaltung war inzwischen in der Schule in einem Raum links vom Eingang untergebracht. Die im 3. Reich gemachten Pläne für ein Rathaus, einen Aufmarschplatz mit Ehrenhain sowie ein großes Jugendhaus wurden nicht realisiert.
Mit der Selbstständigkeit der Gemeinde ergab sich auch der Bedarf für ein Rathaus. Der großzügige Bau neben dem Neubau von Feuerwehrhaus und Sparkasse, mit der Firstrichtung parallel zur Kirche drückte Selbstbewusstsein und Stolz in der selbstständigen Gemeinde aus. Euerwehrhauses im Süden der Gemeinde kann 2012 das Gelände der alten Feuerwehr zur Finanzierung des Neubaus verkauft und attrktiv bebaut werden.

Das 1967 errichtete Rathaus steht dort, wo 1942 eine große Feierhalle a m Aufmarschplatz geplant war. Die Lage zwischen Kirche, Schule, Feuerwehr und Sparkasse kennzeichnet die schon 1916 im Plan vorgesehene Ortsmitte.
1920 wurde nach längeren Auseinandersettzungen eine erste Scuhlbaracke als Notllösung eine Schulbaracke eingeweiht.
Die Schule wurde dann 1926 auf dem plangemäß freigehaltenen Grund in einer Größe errichtet, die mit der Größe der Kirche harmonierte. Platz für Erweiterungen war vorgesehen. Schrittweise wurden zwei Klassenzimmer angebaut und dann die Bauten 2 und 3 errichtet. Die zwei Lehrerwohnungen im alten Schulhaus wurden zeitweilig an Gemeindebedienstete vermietet. Heute sind dort im aufwändig 2011 sanierten Gebäude der Hort der Gemeinde (Schmetterlingshöhle) sowie die Frauen und Müttergruppe Eichenau (fme) untergebracht.
Für den Bau einer weiteren Schule im Süden (heute Starzelbachschule) war ein Teil der Wiese zwischen Parkstraße und Friesenstraße frei gehalten und dabei großzügig und zukunftsweisend geplant worden. Die Ausstattung der ungewöhnlich großen Aula mit Galerie übernahm der ortsansässige Künstler Michael Lutz. Mit der Auflösung der Hauptschule 2011 konnte der Hort auf zwei Gruppen erweitert werden. Ein Teil der Kellerräume wird weiterhin durch den Schützenverein genutzt. Die große Schulküche steht auch Vereinen zur Verfügung. 2012 soll das Schuldach für fastg eine Millon Euro saniert werden.

Im Schulbau Süd befand sich auch einaml die Gemeindebibliothek. Als sich in der neuen Ortsmitte am Johann Oppenheimer Platz die Wohnungen der Baugenossenschaft schlecht verkauften, erwarb die Gemeinde Räume für die Gemeindebücherei. Man erhoffte sich dadurch auch eine Belebung der neu konzipierten Geschäftszone an der Bahnhofstraße, die sich aber als Fehlplanung erwies. In die Kellerräume der ehemaligen Bibliothek (Schule Süd) zog der Pfefferminzverein, als sich die Pläne, einen ehemaligen Teestadel zum Museum auszubauen, aus finanziellen Gründen zerschlugen. Auch die örtliche Musischule bekam Übungsräume in der Schule.

Das Wachstum der Volkshochschule führte dazu, dass die zur Verfügung stehenden Schulräume nicht mehr ausreichten. Die Gemeinde kaufte deshalb die Hälfte des ehmaligen Bürogebäudes des Wasserzweckverbandes in der Hauptstraße 37 und richtete dort zwei Wohnungen für Gemeindebedienstete (heute frei vermietet) sowie Räumlichkeiten für die VHS ein. Die andere Hälfte bezog die Volksbank, deren erste Filiale in der Bahnhofstraße zu klein geworden war (inzwischen erneut umgezogen in einen Neubau Hauptstraße 25). Das „Haus 37“ wurde so als Vereinshaus ein wichtiges öffentliches Gebäude.

In der Fasanstraße errichtete die Gemeinde ein Sozialzentrum, in dem die Nachbarschaftshilfe mit einer Küche für „Essen auf Rädern“ sowie dem Kindergarten untergebracht werden konnte. Auch der katholische Kranken- und Altenpflegeverein fand hier eine Heimat.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es die Gemeinde in den 1980er Jahren mit großen Anstrengungen schaffte, die Bürger mit öffentlichen Einrichtungen bedarfsgerecht zu versorgen:
Friedhofserweiterung, Rathausumbauten, Schulsanierungen, Feuerwehrausbauten, Kindergärten, Spielplätze, Hort, Bücherei und Sportstätten sowie das neue Bürgerzentrum in der Friesenhalle standen zur Verfügung.
Heizung und Stromkosten sowie der jährliche Unterhalt einschließlich reinigung wurden ein wesentlicher Bestandteil des öffentlichen Haushalts, der aber auch durch die Gewerbeansiedlungen und die gute Entwicklung der Einkommensteuer entsprechend gestiegen war.

Der Friedhof in Eichenau
Am 16. Februar 1924 berichtete das Brucker Wochenblatt über die Jahreshauptversammlung des Interessentenvereins. „Dem Antrag des Vereins bei der Gemeindeverwaltung Alling auf Errichtung eines Friedhof dahier wurde stattgeben mit der Bedingung, daß der Gemeinde Alling hierfür keine Kosten erwachsen.“
Das war die Grundsteinlegung für den neuen Waldfriedhof, der von nun ab in allen Kartenwerken und Werbeplänen verzeichnet war. Im Juli 1925 begannen die ersten Arbeiten und im Dezember fand die erste Beerdigung der „Gütlerin“ Anna Mühlthaler aus der Schilfstraße 8 statt. Das Leichenhaus wurde 1929 gebaut und 1967 durch den jetzt existierenden Bau ersetzt.
Georg Popp hatte den Friedhof für die geplante Größe der Gemeinde von geschätzten 5000 bis 8000
Einwohnern exzentrisch zur Ortsmitte der geplanten Kirche und Schule gelegt. Wegen des hohen Grundwasserstandes wollte man sicherlich auch ein eher etwas trockeneres Gelände ausnutzen. Bei der Überarbeitung des Planes wurde der Friedhof noch wesentlich erweitert und zu einem Park gestaltet.

Der Grund für den ersten Friedhof war kostenlos von der Baugenossenschaft überlassen worden, aber die Erweiterungsflächen wurden später von der Gemeinde der Baugenossenschaft zum Marktpreis abgekauft. Über die Kosten kam es zu gerichtlichen Auseinandersetzungen und einem tief greifenden Zerwürfnis zwischen der Baugenossenschaft und Bürgermeister Sebastian Niedermeier. Bis 1998 wurden der Friedhof um 8100 qm erweitert und für den Grunderwerb 1,786 Millionen DM gezahlt. Für den Ausbau der Wege und Brunnen mussten zusätzlich 650.000 DM aufgewendet werden. 2001 erhielt der Friedhof eine Urnenwand, die im August 2006 noch erweitert wurde. Eine aufgeschüttete Fläche hinter dem ALDI Geschäft bildet noch eine weitere Vorratsfläche, so dass der Bedarf an Grabstellen auch für die Zukunft gesichert erscheint. An der Erneuerung der Einfriedung wird geplant, so dass auch an einen besserer Schallschutz gegenüber dem Verkehrslärm der Straße gedacht wird.
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