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Der Fürstenfeldbrucker Künstler Guido Zingerl wird 75: Ausstellung in Regensburg

Logo des Malers und Karikaturisten Guido Zingerl
 
Zingerl malte Christan Brembeck und die Eichenauer "Roggenstein Konzerte". Zingerl ist ein regelmäßiger Besucher.
Eigentlich heißt er gar nicht Zingerl, aber unter seinem Künstlernamen hat sich der Brucker Künstler einen Namen gemacht. Eigentlich ist er auch gar nicht ein Fürstenfeldbrucker, obwohl er schon die längste Zeit seines Lebens hier lebt. Aber immer hat er sich an "Regensburg" abgearbeitet und nun ehrt die Stadt Regensburg ihn mit einer großen Ausstellung zum 75. Lebensjahr. Aber "leben" kann er immer noch nicht von seiner Kunst und ist auf die Einkünfte seiner Frau angewiesen.
1985 bekam er den Kunstpreis des Landkreises Fürstenfeldbruck für sein Bild "Große Amperlandschaft" (bei Dachau) - und noch viele weitere Kunstpreise. Das Brucker Stadtmuseum zeigte seine Karikaturen: http://www.stadtmuseumffb.de/ffb/stadtmuseum_ffb.n...

In Eichenau ist Guido Zingerl gut bekannt nicht nur weil sein Werk "Die Eichenauer Friedenserklärung" im Haus der Vereine hängt. Er kommt regelmäßig zu den Ausstellungen und Konzerten in Eichenau. Seine Bilder hängen in mehreren Eichenauer Haushalten.
Die größte Verbreitung hat wahrscheinlich sein Bild gefunden, das Herbert Riehl-Heyse für die Wochenendbeilage der SZ vom 28. Novemer 1992 auswählte. Es zierte den Aufsatz " Ganz schön häßlich -10 Anmerlkungen zu einer neuen deutschen Sucht der Selbstgeißelung" und kommentiert damit das Werk von Guido Zingerl, das von vielen Betrachtern auch als "ganz schön häßlich " erlebt wird. Seine sozialkritischen Kommentare sind oft direkte Angriffe auf die Machtstrukturen und Verkrustungen der Mächtigen und Einflußreichen von Kirche, CSU und Militär. Lebensgeschichte und Werkgeschiche sind bei diesem Künstler, der sich immer zu seiner sozialkritischen Einstellung bekannt hat, nicht zu trennen.
In meinen Zeitungsnotizen habe ich einen Aufsatz von Andrea-Regine Paulus zum 60. Geburtstag von Guido Zingerl (Brucker Echo vom 21. Jan.1993).
Sie zeichnete seinen Lebensweg nach.

Am 19. Januar 1933 wurde Heinrich Scholz als Sohn eines Regensburger Eisenbahnbeamten geboren. Am Gymnasium hatte er nur beste Zensuren und seine Lehrer förderten den Hochbegabten für den Beruf des Kunsterziehers oder Mathematikers. Er studierte dann aber doch Maschinenbau in München und wurde Diplom Ingenieur. Er arbeitete dann am Institut für Holzforschung an der Uni München, beendete aber seine Dissertation nicht und wurde Maler.
Das war 1960, mit kärgliche finanzieller Grundlage, aber schon 1961 hatte er seine erste Ausstellung in Regensburg. Seit seinem Umzug nach Fürstenfeldbruck gehört er der Künstlervereinigung an und war lange imVorstand der Arbeitsgemeinschaft "Haus 10" sowie im "Schutzbund Bildender Künstler". Als engagierter Marxist gründete er 1968 die DKP mit und ging mit einem Eichenauer Freund in den Parteivorstand. Später trennte er sich aber enttäuscht von der Partei.

"Wenn Zingerl in diesem Werk (Lasset alle Hoffnung fahren) das Leben der zum Untergang verurteilten Seelen beschreibt, ..., dann ist es Zeit nachzudenken. Denn einer wie Zingerl hat sie noch gesehen, die Kolonnen der KZ Häftlinge, die durch die Gassen seiner Geburtsstadt getrieben wurden. Und er sieht deren "Brüder" heute wieder in den schlimmen Nachrichten der Medien, die schon wenige Minuten danach einen idyllischen "Musikantenstadl" präsentieren." so Andrea-ReginePaulus.

Gerne nehme ich sein Buch : ( Die Aufzeichnungen eines Donauschülers , 1987, Schwiftinger Galerie-Verlag) zur Hand. Dort beschreibt ihn sein Freund und Förderer Richard Hiepe, der seit 1963 Leiter der Neuen Münchner Galerie war und an der Uni lehrte, bis ihn 1968 das Berufsverbot ereilte:

" Heimat, das hat sogar das bundesdeutsche Fernsehpublikum widerwillig zugestanden, Heimat hat nichts mehr zu tun mit der besonnenen Vergangenheit der Goethe - Epigonen. Heimat, das ist nach allem, was bei uns passierte, verdrängte Geschichte, die Leichen im Schrank einer Stadt, die Russengräber auf den Städtischen Friedhöfen, die verschwundenen Mitbürger, die Straßen, die man nicht nach ihnen nennen will. .. In Zingerls oft blutigen und erschreckenden Tafeln tobt der reinigende und klärende Sturm dieses Bewußseins."

Nun, 70 Jahre nach der reichsweiten Progromnacht, in der auch aus Dachau und Fürstenfeldbruck Menschen vertrieben wurden, blicken wir auf das Lebenswerk des damals fünfjährigen Jungen, der mit offenen Augen wahrnahm, was gräßliches um ihn herum geschah.

Die Eröffnung der Ausstellung ist am 13. November 2008 in der StädtischenGalerie "Leerer Beutel" um 19 Uhr. Es sprechen der Oberbürgermeister Hans Scheidinger, Prof. Klaus Wollenberg aus Fürstenfeldbruck, Dr. Marin Angerer, Direktor der Museen der Stadt Regensburg.
Das Begleitbuch "Guido Zingerl -Regensburger Welttheater" mit 126 Seiten kostet 19,50 Euro.
und ist im Stadtmuseum erhältlich.

Bild: Zingerl zeichnet die Familie Ferle (Eichenau) vor der Kirche in FFB:
http://farm4.static.flickr.com/3431/3219890483_d56...
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1 Kommentar
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Romi Romberg aus Berlin | 05.05.2009 | 13:53  
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