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Das erste Niedrig-Energiehaus in Eichenau; Architekten in Eichenau I: Wolfgang Wendler

Wolfgang Wendler, früher Förderer der Solararchitektur
 
1978 das erste Niedrig-Energiehaus in Eichenau
 
Wolfgang Wendler in seinem Architekturbüro
Ab1978 entwickelte Wolfgang Wendler das erste „Passivhaus“ für Eichenau, das als konstruktives Grundsystem für das gesunde Wohnen der Zukunft gedacht war. Er war damit der Architektur der damaligen Zeit weit voraus. Für seine Baugenehmigung musste er allerhand „Tricks“ anwenden. Heute gehören Passivhäuser zu den Vorzeigeobjekten in jeder Gemeinde.
Ich stelle den Architekten, der inzwischen auch als Künstler überörtlich anerkannt ist, mit seinem für Eichenau interessanten Haus vor.
Grundlage ist, dass 80% aller Kosten für ein Haus durch den "laufenden Betrieb" verursacht werden. "Wenn es gelingt, die Betriebskosten um 20% zu senken, dann spart der Bauherr die gesamten Baukosten ein. ( so die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen DGNB www.dgnb.de, die das Deutsche Gütesiegel vergibt)

Wolfgang Wendler entwickelte ähnlich dem Zwiebenschalenprinzip der modernen Sportkleidung mit mehreren Schichten von Hi-tech Fasern ein System der Hausschalen um einen zentralen Be- und Entlüftungsschacht, der auch alle Versorgungsleitungen aufnimmt. Im Querschnitt des Eichenauer „Solarhauses“ kann man das gut sehen. Die modernen und effektiven Wärmetauscher und die neuen beschichteten Glasscheiben machen inzwischen die Konstruktion von Passivhäusern leichter möglich, aber in der Anfangszeit 1980 waren die technischen Voraussetzungen noch ganz anders.

1978, als Wolfgang Wendler an die ersten Planungen für ein Haus in Eichenau ging, waren eigenwillige Dachformen, wie er sie plante, in den Bebauungsplänen noch nicht vorgesehen. Durch persönliche Kontakte ins Ministerium gelang es ihm, Förderer im Landratsamt zu gewinnen und so konnte der Gemeinderat schließlich dem Bau zustimmen. Noch heute fällt das Haus in Eichenau auf. Verschiedene technische und finanzielle Probleme ließen dann schließlich nicht alle geplanten Maßnahmen zu Einsatz kommen. Von der gasbetrieben Wärmepumpe über den großen Wärme-Pufferspeicher im Keller bis zur hinterlüfteten Fassade ist das Has voller Ideen, aber von außen sieht man nicht viel davon.
Noch heute wird das Haus mit Flüssiggas für die Spitzenlast betrieben.
Die Fotos zeigen die auffällige Form des Hauses mit Steildach nach Süden sowie einen Blick in den zentralen Belüftungsschacht, die Erdgasheizung mit Pufferspeicher und Wärmepumpe im Keller sowie einen Blick in die „Arbeitsstube“ und Pläne zum Haus. Der Querschnitt zeigt die Integration des Kamins in den Belüftungsschacht im Wohnzimmer sowie die damals moderne „Split-level“ Bauweise. Dies würde man heute als weniger „seniorengerecht“ wohl nicht mehr so machen.

Lebenslauf:
Der 1926 im Landkreis Dresden geborene Wolfgang Wendler gehört zu der Generation, deren Jugend zwischen 10 und 20 Jahren voll durch den Krieg geprägt war. Schulzeit und erste Ausbildung verbrachte er in Dresden. Seine praktische Bautätigkeit begann er dann 1956 bei Dykerhoff in Dortmund als Dipl. Ing. Ein Zweitstudium der Architektur von 1957 bis 1962 in Berlin brachte ihn dann in Kontakt mit Prof. H. Scharoun, in dessen Büro er an der Philharmonie und dem Stadttheater Wolfsburg u.v.m. mitarbeiten konnte. 1968 bis 1972 arbeitete er im Büro von Prof. G. Behnisch als Leiter der Abteilung für die Olympia Modelle. Da seine Ehefrau sich als Kinderärztin in Puchheim niedergelassen hatte und auch viele Familien in Eichenau betreute, rückte die expandierende Stadtrandgemeinde in das Blickfeld der wachsenden Familie. Nach mehreren Forschungsarbeiten und der Entwicklung energiesparender Bauweisen wurde Wolfgang Wendler Gründungsmitglied der DEG Deutschen Energiegesellschaft e.V. und arbeitete ab 1977 im Redaktionsteam der ersten deutschen Fachzeitschrift im Solarbereich: „Sonnenenergie und Wärmepumpe, dann „Sonnenenergie und Wärmetechnik“, heute „Sonne, Wind und Wärme .
In der Folgezeit machte Wolfgang Wendler sich selbständig und beteiligte sich an 45 Wettbewerben. Er erzielte mehrere Siege und Ankäufe, insbesondere für Konzepte der Stadtplanung. Sein kleines Büro schaffte in der stärker werdenden Konkurrenz jedoch nicht den großen finanziellen Durchbruch, sammelte aber viel Erfahrung für städtebauliche Strukturen und ökologisch-energetische Bauweisen. Leider hat die Eichenauer Bauverwaltung seine Kenntnisse für die Entwicklung in Eichenau nicht nutzbar gemacht.
Die hauptberufliche Arbeit Wolfgang Wendlers endete 1993/94 mit Bebauungsplänen für ökologisch-energetische Bauweisen in Dresden. Im Ruhestand rückte seine künstlerische Tätigkeit in den Vordergrund und sein umfangreiches Werk, das heute das ganze Haus füllt, wurde geschaffen. Der Schwerpunkt liegt auf der Erforschung des Farbraumes mit von ihm selbst hergestellten Farben. Über eine Ausstellung in Eichenau berichtete ich an anderer Stelle. http://www.myheimat.de/eichenau/beitrag/18164/wolf...

Im Rathaus Eichenau:http://farm4.static.flickr.com/3265/3215291936_ddc...


Wie kam Wolfgang Wendler zur Solarhaus –Architektur? Auslöser war die erste Ölkrise 1973, als die Autobahnen an Wochenenden von den Radfahrern benutzt werden konnten. Auch mich hat das damals sehr beeindruckt. Wolfgang Wendler berichtete auf dem 1. und 2. Internationalen Sonnenforum in Hamburg 1977 und 1978 von seiner Arbeit und stellte das geplante „Eichenauer Solarhaus“ erstmalig einer größeren Öffentlichkeit vor. Ein japanischer Architekt propagierte es dann auch in Nippon. Zur Charakterisierung seiner Denkweise zitiere ich kurz aus dem damaligen Vortrag:

“ Die in den Jahren 1948 bei uns in der Bundesrepublik expandierende Ölheizung für Wohnungen und Büros hat in der Phase der Billigenergie viele gute Entwicklungen der letzten Jahrzehnte ganz einfach an die Wand gedrückt. Bei einem Lieterpreis von 10 Pfennigen für Heizöl konnte eine energiesparende Bauweise keinen Halt mehr finden. … Die in den letzten Jahrzehnten vernachlässigten Kenntnisse bauphysikalischer Grundlagen müssen jetzt wieder voll angewendet werden. Etwa 50% der Energieeinsparungen erfolgen über die Bausubstanz. Ein Teil von etwa 15% kann durch Abstellung falscher Heizgewohnheiten erwirtschaftet werden. Für den Rest von etwa 35% müssen wir die technischen Möglichkeiten der Sonnenenergie und Ersatzenergien voll ausnutzen.“ (1977)
Heute setzt Wolfgang Wendler sich dafür ein, die in Eichenau vorhandene Bausubstanz für die solare Umrüstung vorzubereiten. An erste Stelle stehen da
a) Wärmedämmung
b) Luftdichtheit
c) Luftumwälzung
als wesentliche Voraussetzung für Passivhaus Systeme.

Bei alten Gebäuden lässt sich die „Orientierung nach der Sonne“ nicht mehr optimieren, aber in neuen und zu überarbeitenden Bebauungsplänen werde ich als Bau- und Planungsreferent darauf verstärkt achten und hoffe, die Gemeindeverwaltung auf meiner Seite zu haben.

http://www.nest-passiv.de
Wolfgang Wendler arbeitet heute mit dem ehemaligen "Eichenauer" Michael Nagel zusammen, der den Münchener "Energiepreis" bekommen hat: http://nest-passiv.de/presse/1.pdf ..."herausgekommen ist das erste Passivmehrfamilienhaus in München mit 18 Wohnungen und einer Kita. Den Bauherrenpreis haben
sie dafür bekommen..."

Die heutige Anwendung von Glasenergie-Fassaden stelle ich im Bild an aktuellen Beispielen für Bürobauten in Hamburg vor.

Aktuelle Hinweise aus Oberbayern: regierung.oberbayern.bayern.de/Bereich3/3wirfuersie/3wissenswert/3pss_doku/Infobrief_6_Energiesparendes_Bauen.pdf
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2 Kommentare
3.015
Urte Langer aus Olching | 09.01.2009 | 17:48  
6.233
Michael Gumtau aus Eichenau | 09.01.2009 | 20:07  
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