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Liebfrauenkirche in der Innenstadt von Duisburg

Die Duisburger Liebfrauenkirche steht für den architektonischen Zeitgeist der 1960er Jahre. Ausstattung und Materialien verweisen auf eine Architekturphase, die sich sowohl optischer Nüchternheit als auch dem Ausdruck von Modernität verschrieben hatte.

Der Architekt Toni Hartmann hatte nur wenig Platz für seinen Kirchenbau. In der vom 2. Weltkrieg zerstörten Innenstadt, die als Geschäftsviertel wiederaufgebaut wurde, war ihm ein schmales Baugrundstück am König-Heinrich-Platz genannt worden. Die Kirche in unmittelbarer Nachbarschaft zum Amts- und Landgericht sollte Tuchfühlung mit der wiedererstarkten Gemeinde aufnehmen und an die Liebfrauenkirchen-Tradition aus dem 13. Jahrhundert anknüpfen. In dem ausgelobten Architektur-Wettbewerb fiel 1956 einstimmig die Entscheidung für die Entwürfe des Klever Architekten Hermanns, der übrigens mit zahlreichen Planungen für den WIederaufbau, Um- und Neubau Duisburger Kirchen beschäftigt war. Mit der Liebfrauenkirche entstand ein Gebäude, in dem zahlreiche Ansätze der Baukunst der `60er Jahre umgesetzt wurden.

Kubische Formen charakterisieren den Baukörper mit seinem leicht abfallenden Flachdach. Als Markant gelten die beiden Stahlbetonrahmen, in die die Konstruktion eingehängt ist. Eine ornamentale Fläche aus rotem Granit und ein mit Holzlamellen verkleidetes Glockengeschoß charakterisieren den Kirchenbau an seiner Schauseite. Die Kirche ist weitestgehend mit Schieferplatten verkleidet. Seitenschiff und westliches Querschiff kragen über das Untergeschoß hinaus. Die Kalkstein-Pflasterung der Straße setzt sich übergangslos im Untergeschoß fort und geleitet den Besucher praktisch ins Innere.

Dort befinden sich Vorhalle, Anbetungskirche und Marienkirche. Sie sind täglich geöffnet. Ganz im Stile der 1960er Jahre sind die Innenwände in Sichtbeton gehalten. Das Mosik "Taufe Christi" von Karl Knappe und das Taufbecken von Josef Höntgesberg stammen aus dem Pavillon des Vatikans der Brüsseler Weltausstellung von 1958.

Die dreischiffige Hauptkirche befindet sich im Obergeschoß. Über eine breite Treppenanlage erreicht man die lichte Halle mit niedrigen Seitenschiffen. Der nahezu ornamentlose Altar (Kurt Schwippert, 1958) ruht unter einem steinernen Baldachin (Hans Rheindorf, 1958)

Neben den flächigen Ornamentglsflächen - gleichfalls aus Brüssel - sorgt in dem stützenfreien Mittelschiff lichtdurchlässiges Plexiglas am Obergarten für Tageslicht.

Das Erdgeschoß der Liebfrauenkirche: Holz, Stein und Beton sind hier die vorherrschenden Baumaterialien. Ein dunkler Raum ist dies, in dem der Kreuzweg an den Wänden nur schwer zu erkennen ist. In der Außenwand gegenüber dem Eingang: buntes Glas. Blau, weiß, gelb und rot ist es. Hier gibt es keinen klassischen Chorraum und keine Vierung. Der Altartisch ist gemauert und schmucklos. Links und rechts davon je zwei brennende Kerzen. Rechts davor: ein schlichter Ambo / Lesepult. Dahinter: links eine nicht brenennde Kerze, rechts ein Stuhl und mittig eine Säule. Rechts des Altarraumes: die Orgel. Zwischen den Bankreihen und dem Altarbereich stehen rechts und links Heiligenstandbilder auf Säulen. Hier gibt es auch Blumenschmuck. "Wir sind eine Anbetungskirche. In der Säule befindet sich eine Monstranz, die den Leib Christie symbolisiert. SIe ist das Allerheiligste," erfahre ich von einer netten Dame, die dort Aufsicht führt. "Die Monstranz ist der Thron Gottes. Damit wird der Leib Christi gezeigt."
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