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Sich richtig in die Wolle kriegen

Stricken liegt wieder ganz im Trend. Bei lokalen Stricktreffs und im Internet knüpft eine neue Generation von Handarbeitsfreunden ein dichtes Netz. Mit Nadel und Garn verschönern Urban Knitters sogar den öffentlichen Raum.

Zwei links, zwei rechts, eine fallen lassen. Stricken ist längst nicht mehr nur eine Beschäftigung für liebe Omas an langen Winterabenden. Heute stricken Studentinnen in der U-Bahn, Freundinnen treffen sich im Strick-Café und mittleiweile gibt es sogar Männer, die sich zum Stammtisch mit Nadel und Wollknäuel zusammenfinden. Handarbeit ist in Mode gekommen. Statt Massenware von der Modekette zu tragen, bekommen immer mehr Lust auf kreative Nadelarbeit.

In kleinen Accessoires und einzigartigen Kleidungsstücken steckt nicht nur viel Herzblut, sondern wahre Handwerkskunst. Kuschelweiche Wolle, schöne Farben und ausgefallene Stickmuster: Beim Blick über die Schulter von erfahrenen Strickerinnen und Strickern kann man ins Staunen kommen. Reihe um Reihe wachst das Werk während zum Feierabend in geselliger Runde Wein getrunken und gequatscht wird. Das Gute am Stricken: Der Einstieg für Neulinge ist einfach. Schals, Pulswärmer oder Mützen können auch Anfänger leicht schaffen. Und das Ergebnis ist sogar tragbar.

Netzwerker mit Nadel und Garn

Die Rückbesinnung auf Handgemachtes ist nicht neu. Stricken, gärtnern, Marmelade kochen – Selbermachen ist in vielen Bereichen eine regelrechte Bewegung geworden. Viele Menschen wollen nicht mehr nur wissen, wo Waren herkommen und wie sie entstehen. Sie legen wieder selbst Hand an. Etwas eigenhändig zu verarbeiten, schafft einen besonderen Wert.

Aber neu ist die Vernetzung. Ob bei Stricktreffen, im Social Web oder zu Urban-Knitting-Aktionen, gestrickt wird nicht mehr allein. In vielen Städten schießen Wollläden und Cafés mit Handarbeitsabenden wie Pilze aus dem Boden. Co-Working war gestern, heute gibt es Co-Sewing. Wer keine Oma hat, die einem das Stricken beibringt, geht zu gutbesuchten Strickkursen. Neue Strickmuster kann man per Videoanleitung auf YouTube lernen oder sich Anregungen auf sieh-an.de holen. Auf seiner Internetseite zeigt der Branchenverband Initiative Handarbeit e.V. neue Trends, Techniken und Anleitungen zum Nachstricken. Resümierend heißt es dort: „Selbermachen macht also glücklich.“

Strick im öffentlichen Raum

Urbane Stricker machen bei der Verschönerung ihres Alltags nicht vor Bäumen, Laternenmasten oder Geländern halt. Die gestrickte Street Art – Urban Knitting, Guerilla Knitting oder Yarn Bombing genannt – ist in immer mehr deutschen Städten und Gemeinden zu finden. Über Nacht bekommen Poller Strickdecken oder Telefonzellen Mützen verpasst. Mit bunten Strickarbeiten an außergewöhnlichen Plätzen erobern Künstler den öffentlichen Raum und geben ihm ihre wollig-weiche Note. Die kleinen Kunstwerke sind meist nach wenigen Tagen, oft auch nur Stunden wieder verschwunden. Aber die wollenen Farbtupfer bringen Passanten dazu, ihre Umgebung neu zu entdecken und etwas bewusster durch die Straßen zu gehen.
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