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Unaufgeregte Athleten in Jeans und T-Shirt

Pétanque das Spiel

Bei der Deutschen Pétanquemeisterschaft verzücken Spitzensportler die Kreuzberger und von weither angereisten Zuschauer.
Mit einem Knall endete die Deutsche Meisterschaft Pétanque Triplette in Berlin Kreuzberg. Dafür sorgte Jörg Born vom Boule- Club Tromm ( Hessen ). Mit einem Meisterschuss beim Stand von 9 :11 für sein Team. Fast 10 Meter lag die gegnerische Kugel entfernt, der Schuss von Jörg war so exakt, dass seine Kugel als vierter Punkt liegen blieb. Das bedeutete 13 : 11 und Sieg für Team ( Hessen 3 ).

So mancher Spaziergänger, der am Wochenende 16. - 17. Juni durch Berlin-Kreuzberg flanierte und dabei in die unscheinbare Forster Straße gelangte, blieb überrascht stehen: Was war das? Auf dem Asphalt war eine dünne Kiesschicht verteilt; mit Holzlatten und gelben Schnüren waren zwischen Parkbuchten und Toreinfahrten Boulesbahnen angelegt: 64 Stück. Ein Transparent gab Auskunft: Hier und am Paul-Lincke-Ufer warfen die besten deutschen Boulisten ihre Kugeln – die Deutsche * Pétanque * Meisterschaft fand 2007 auf einer Seitenstraße in der Hauptstadt statt. Im Schatten rauschender Linden. Die umliegenden Cafés verkauften ihre Kuchen an diesem Tag vom Klapptisch aus.
Was für eine unaufgeregte und dezente Sportart, dürfte der Flaneur gedacht haben, vielleicht nicht ahnend, dass die Spieler mindestens drei Mal pro Woche ernsthaft trainieren und dass Boules bei den Spielen von Paris im Jahre 1900 sogar für ein einziges Mal olympisch war. In hohem Bogen flogen die silbern glänzenden Kugeln durch die warme Kreuzberger Luft und Hunderte Augenpaare folgten ihrer Bahn. Wessen Kugeln liegen am Ende dem »Schweinchen« am nächsten, jener aus Buchsbaum gefertigten Zielkugel, die wahlweise auch »Wutz« oder »Cochonnet« (Schweinchen) genannt wird?
Der Kreuzberg-Flaneur entschloss sich unweigerlich zum Bleiben: Angezogen von den ernsten Mienen der Athleten, vom leisen Klacken aufeinander treffender Eisenkugeln und vor allem von der Versunkenheit des Publikums, das die gelungensten Würfe mit lauten Ahs und Ohs kommentierte. Triplette wurde gespielt, die Königsdisziplin des Pétanque, bei der sich zwei Teams à drei Spieler (à zwei Kugeln) gegenüberstehen.
Wer am Sonnabend in der Forster Straße vorbeikam traf die Basis der insgesamt 14 000 Petanque- Lizenzspieler, in Jeans und T-Shirt gekleidete Athleten.

Wer am Sonntagnachmittag zum Wettbewerb nach Kreuzberg kam, erlebte eine ganz andere Stimmung: Auf dem Hauptplatz am Paul-Lincke-Ufer drängten sich 1500 Zuschauer – die Besten Spieler agierten. Beim Endspiel saßen ein paar Hundert Fans im Viereck. Das Team Berlin 1 spielte gegen Hessen 3, und es gab die Altmeister zu bestaunen. Wie traumwandlerisch sicher diese Athleten die Kugeln legten und gut platzierte weggeschossen wurden, ließ die Zuschauer jubilieren. Spitzensport.

Mehr Boules gibt es Anfang Juli in Marseille zu sehen, In Frankreich, dem Mutterland dieses Sports: Beim Mondial la Marseille à Pétanque starten dann 12 336 Spieler . Unaufgeregt und dezent. Und sehr ernsthaft.

Deutsche Pétanquemeisterschaft Triplette, Finale in Berlin: Hessen 3 (Born, Lückert, Mohr) – Berlin 1 (Tsuroupa, Capin, von Ples
Platz 3 Team- Saarland 1
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johann albrecht aus Donauwörth | 26.06.2007 | 23:31  
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