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Interview mit Landrat Stefan Rößle

Landrat Stefan Rößle an seinem Schreibtisch
 
Kapelle in Holzheim
 
Unterzeichnung Kooperationsvereinbarung zwischen der Hochschule Augsburg, Technologie Centrum Westbayern GmbH – ein An-Institut der Hochschule Augsburg und der Fritz-Hopf-Technikerschule in Nördlingen (Foto: TCW)
 
Ein Highlight auf der diesjährigen Donau-Ries Ausstellung war die Wahl der 1. Miss Donau-Ries
myheimat: Wie würden Sie das Jahr 2009 aus wirtschaftlicher Sicht für den Landkreis Donau-Ries beschreiben?

Rößle: Die Entwicklung des Haushaltsjahres 2009 ist grundsätzlich positiv zu sehen. Die vorsichtigen Planungen unserer Kämmerei haben gezeigt, dass fast alles wie geplant abgewickelt werden kann. Darüber hinaus erwarten wir ein kleines Plus am Ende des Haushaltsjahres. Die Auswirkungen der Wirtschaftskrise werden bei uns erst noch in den nächsten Jahren erwartet. Auch das vom Kreistag beschlossene Entschuldungskonzept, das darauf abzielt, bis zum Jahr 2014 die Schulen des Landkreises komplett abzubauen, konnte im ersten Schritt im Jahr 2009 wie geplant umgesetzt werden.

myheimat: Die Kooperation zwischen der Fritz-Hopf-Technikerschule in Nördlingen und der Hochschule Augsburg wurde vor Kurzem beschlossen. Was erhoffen Sie sich dadurch für den Landkreis? Glauben Sie, dass so dem drohenden Fachkräftemangel entgegen gewirkt werden kann?

Rößle: Zunächst ist dieses Pilotprojekt zwischen einer Hochschule und einer Technikerschule ein Musterprojekt, das es so meines Wissens in Bayern noch nicht gibt. Zumindest das überregionale Interesse ist sehr groß. Der Landkreis wird ein weiteres Mal eine viel beachtete Schrittmacherrolle einnehmen: nach dem erfolgreichen Aufbau des TCW zu einem Institut der Hochschule Augsburg, der Einführung des Studiengangs Mechatronik an der Fritz-Hopf-Technikerschule folgt nun konsequenterweise dieser Schulversuch und eine Art Kombi-Studium. Was die Fachkräftesituation angeht, machen wir gerade eine Unternehmensbefragung. Hier zeigt sich, dass ein Großteil der befragten Firmen sich für eine Stärkung der Technikerschule ausspricht. Ihre Absolventen sind sehr gefragt. Die Schule hat einen sehr guten Ruf und die dort im Rahmen der Zusammenarbeit mit dem TCW und der Hochschule Augsburg angebotenen Fächer Robotik, Bildverarbeitung und Mechatronik sind wichtige Alleinstellungsmerkmale für die sehr gefragten Absolventen.

myheimat: Trotz Wirtschaftskrise ist die Ausbildungssituation im Landkreis Donau-Ries sehr gut. Wie erklären Sie sich dieses Phänomen?

Rößle:Wir haben einen großen Anteil an familiengeführten Unternehmen und dort eine Vielzahl an Führungskräften, die selbst über eine Ausbildung und darauf aufbauende Studien groß und erfolgreich geworden sind. Diese gehen äußerst verantwortungsvoll und weitsichtig mit dem Thema "Ausbildung" um. Sie lassen sich nicht so leicht durch Aktionäre und einen schwierigen Markt verunsichern und zu kurzsichtigen Sparmaßnahmen verleiten. Außerdem hat die Region in den letzten Jahren schon stark unter einem Fachkräftemangel gelitten. Man weiß, dass kompetente Mitarbeiter ein hohes Gut sind und pflegt sie daher ganz anders. Zudem sind die Mitarbeiter sehr bodenständig und haben ein großes, in dieser Zeit sehr wichtiges Vertrauen in ihre Führungskräfte, was mir bei den Firmenbesuchen, die ich regelmäßig mache, immer wieder eindrucksvoll bestätigt wird.

myheimat: Familienfreundlichkeit steht für den Landkreis Donau-Ries hoch im Kurs. Welche genauen Ziele verfolgen Sie und mit welchen Maßnahmen wollen Sie diese umsetzen?

Rößle: Das Ziel ist es, positive Lebensbedingungen für Familien und eine kinder- und familienfreundliche Umwelt zu schaffen oder zu erhalten. Familien sollten in ihrer Entscheidung, hier zu leben, bestärkt werden, der Zuzug neuer Familienverbände soll gefördert werden.

Dabei soll das Thema Familie verstärkt in unserem Landkreis in den Blickpunkt des gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Interesses rücken. Die Kommunen werden dabei unterstützt zu noch mehr Familienfreundlichkeit. Der Dialog mit den Unternehmen ist besonders wichtig um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiterzuentwickeln. Konkret bedeutet dass, dass wir eine Unternehmerbefragung zum Thema „Familienfreundliche Arbeitswelt“ durchgeführt haben. Außerdem haben wir mit über 80 Lesepaten das Sprachförderprojekt „Leseland Donau-Ries“ initiiert. Infotage zum Wiedereinstieg für Frauen in den Beruf werden angeboten. Workshops u. a. zum Thema „Älter werden, alt sein in Stadt und Gemeinde“ finden statt.

myheimat: Auch im Landkreis Donau-Ries sollen Photovoltaikanlagen installiert werden. Ist schon abzusehen, wann in Donauwörth und Nördlingen mit dem Bau begonnen werden kann? Sind dafür auch schon geeignete Grundstücke gefunden worden?

Rößle: Für Photovoltaikanlagen in den Großen Kreisstädten Donauwörth und Nördlingen ist nicht der Landkreis zuständig. Diese Entscheidungen werden ausschließlich bei den Städten selbst getroffen.

myheimat: Sie haben sich ausdrücklich für die Sparkassen-Fusion von Donauwörth und Nördlingen ausgesprochen und musste dafür auch Kritik einstecken. Können Sie uns Ihre Gründe darlegen, die für diese Fusion aus Ihrer Sicht sprechen?

Rößle: Eine Fusion der Sparkassen in Donauwörth und Nördlingen wäre aus ökonomischen Gründen sinnvoll und notwendig. Durch den Weggang des Donauwörther Vorstandsmitgliedes Wolfgang Hetz ergeben sich neue Perspektiven für eine seit Jahren diskutierte Zusammenlegung beider Geldinstitute. Dabei könnten sich die Personalkosten z.B. für die Innenrevision, den Geldwäschebeauftragten etc. verringern. Aber auch das vorhandene Eigenkapital würde sich deutlich erhöhen und damit die Möglichkeit, dass mehr Gelder an unsere heimische Wirtschaft verliehen werden könnten.

myheimat: Die Krankhäuser im Landkreis Donau-Ries haben – wie so viele andere Krankenhäuser auch – mit personellen Engpässen zu kämpfen. Die politischen Rahmenbedingungen sorgen für keine Erleichterung der Lage. Haben Sie konkrete Ideen, wie man diesem Problem 2010 entgegenwirken kann?

Rößle: In der Tat haben wir Probleme im gemeinsamen Kommunalunternehmen (gKU), vor allem Assistenz- und Oberärzte zu bekommen. Dieses Problem haben nicht nur wir bei unseren Häusern, sondern diese Probleme haben sehr viele Krankenhäuser in ganz Deutschland. Die grundsätzliche Lösung kann nur darin bestehen, dass mehr Ärzte ausgebildet werden. Wir als gKU beabsichtigen hier einfach bessere Rahmenbedingungen für die Ärzte zu schaffen. Außerdem wollen wir diese Stellen attraktiver für die Bewerber machen.

myheimat: Die Heide-Allianz bezeichneten Sie als Meilenstein des Landkreises. Wie ist es in diesem Kontext möglich, zum einen die Interessen der Schäfer zu vertreten und zum anderen auch die Wirtschaft dadurch anzukurbeln?

Rößle: In unserem Landkreis sind die Wachholderheiden, die Mager- und Trockenrasen eine herausragende, naturschutzfachliche und kulturhistorische Erscheinung, deren Existenz nicht nur für den Landkreis, sondern auch landesweit von großer Bedeutung ist. Die Pflege und Aufrechterhaltung dieser Landschaft ist nur unter Mitwirkung der traditionellen Wanderschäferei möglich. Deren Produkte sind anerkannt und werden im Rahmen verschiedener Marketingprodukte u. a. auch über unseren Geopark vermarktet.

myheimat: Welches Fazit ziehen Sie aus der diesjährigen Donau-Ries-Ausstellung?

Rößle: Die Donau-Ries-Ausstellung hat ihre Position als drittgrößte Regionalausstellung im Regierungsbezirk Schwaben und damit als die mit Abstand größte im Landkreis gefestigt. Wichtig ist dabei ganz besonders, dass zahlreiche Besucher von außerhalb des Landkreises zu verzeichnen waren. So können die beteiligten Unternehmen nicht nur bestehende Kundenkontakte pflegen, sondern auch neue Kunden gewinnen. Erfreulich war, dass sich wieder sehr viele Vereine, Verbände und Organisationen beteiligt haben und so die Donau-Ries-Ausstellung zu einem echten Spiegelbild der Region wurde. Viele Besucher haben mir versichert, dass Sie immer wieder überrascht sind, wie viel bei uns im Landkreis Donau-Ries geboten wird.

myheimat: Ihrer Ansicht nach verfügt der gesamte Landkreis noch nicht über eine gemeinsame Identität. Was kann getan werden, um das zu ändern? Gab es dazu bereits Projekte und sind für nächstes Jahr welche geplant?

Rößle: Hier gilt es vor allem, möglichst viele Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen, Kommunen, Organisationen als Botschafter für unsere Heimat zu gewinnen. Dazu wollen wir zuerst mit Repräsentanten der großen Unternehmen die notwendigen weiteren Schritte besprechen. Ich bin absolut davon überzeugt, dass wir das Image unserer Region nach außen wesentlich intensiver und besser darstellen müssen um in der Zukunft im Wettbewerb der Regionen bestehen zu können.

myheimat: Im Landkreis sollte ein Regionalmanagement aufgebaut werden. Jedoch wurden spontan Zuschüsse des Bayerischen Wirtschaftsministeriums zurückgezogen. Gibt es inzwischen Neuigkeiten, wie das Projekt finanziert werden kann und welche Ziele verfolgen Sie mit diesem Projekt?

Rößle: Zunächst wollen wir im engen Kontakt mit dem Wirtschaftministerium und der Regierung von Schwaben sondieren, ob die in Aussicht gestellten Zuschüsse im nächsten Jahr bewilligt werden können. Dazu müssen von uns noch etliche bürokratische Hürden übersprungen und neue Anträge gestellt werden. Ich bin hier schon zuversichtlich, dass wir das erreichen können.

myheimat: Welche großen Projekte sind schon für das nächste Jahr geplant?

Rößle: Für die nächsten Jahre sind vielfältige Projekte geplant. So ist eines meiner Schwerpunktthemen die Weiterführung des Entschuldungskonzeptes, denn nur mit soliden Finanzen kann zukünftig investiert werden.

Die Familienpolitik ist eine weitere zentrale Schwerpunktsetzung für die nächsten Jahre. Nur durch eine weitsichtige Familienpolitik und Familienfreundlichkeit lässt sich eine Region dauerhaft erhalten und entwickeln.

Das Thema Energie und Umwelt ist ebenfalls von großer Bedeutung. Hier wird mit dem Projekt 20/20/20 eine wegweisende Richtung beschritten. Hier wollen wir bis zum Jahr 2020, 20 Prozent Energie einsparen und zusätzlich 20 Prozent des Gesamtenergieverbrauches aus erneuerbaren Energien gewinnen.
Außerdem wird die Bildungspolitik, in Form des „lernenden Landkreises“ weiterentwickelt.

Für unsere geplanten Hochbaumaßnahmen wird ein 10 Jahresprogramm erarbeitet. Daneben werden die Baumaßnahmen am Gymnasium in Donauwörth und am Verwaltungsgebäude des Landratsamtes in Donauwörth fortgeführt. Auch die energetische Sanierung der Berufsschule in Donauwörth, die Aufstockung der Fachoberschule/Berufsoberschule in Donauwörth, die Sanierung des Lehrsaalgebäudes an der Berufsschule in Nördlingen und die Sanierung an der Sonderpädagogischen Tagesstätte in Kaisheim sollen im Jahr 2010 begonnen werden.

Im Straßenbau sind vor allem Baumaßnahmen an den Kreisstraßen DON 24 bei Daiting und DON 6 bei Holheim geplant.

myheimat: Vielen Dank für das interssante Interview!
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Weiterveröffentlichungen:

Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.myheimat-Stadtmagazin donauwörther | Erschienen am 17.12.2009
myheimat-Stadtmagazin nördlinger | Erschienen am 17.12.2009
2 Kommentare
88.847
Kocaman (Ali) aus Donauwörth | 20.11.2009 | 13:33  
21.019
Tanja Wurster aus Augsburg | 20.11.2009 | 13:39  
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