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Geotop 2011 – Tagung zieht bundesweit Geowissenschaftler und Tourismusexperten in den Geopark Ries

Geschäftsführer Günther Zwerger begrüßt die Tagungsteilnehmer
 
von links: Geopark-Geschäftsführer Günther Zwerger, Vorsitzender Fachsektion Geotop Dr. Kurth Goth, Dresden, Dr. Ulrike Mattig, Vorsitzende Expertengruppe Nationale Geoparks Alfred-Wegener-Stiftung, Landrat Stefan Rößle, Ministerialdirektor Wolfgang Lazik, Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit, Prof. Dr. Harald Pechlaner, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt, Heike Burkhardt, stellvertretende Geschäftsführerin Geopark Ries
 
Ministerialdirektor Wolfgang Lazik übergibt Förderbescheid an Landrat Stefan Rößle
Rund 100 Akteure aus Forschung, Tourismus, Politik und Verwaltung haben vom 1. – 4. Juni im bayerischen Nördlingen, im gefühlten Zentrum des Nationalen Geoparks Ries, getagt. Anlass dafür bot die 15. Jahrestagung der Fachsektion GeoTop in der Deutschen Gesellschaft für Geowissenschaften (DGG). Fünf Jahre nach seiner Zertifizierung präsentiert sich der Geopark Ries als idealer Tagungsort für die international bedeutsame Expertenrunde rund um die „Sehenswürdigkeiten“ der unbelebten Natur wie Felsen, Höhlen, Quellen oder Gesteinsaufschlüsse.
Ministerialdirektor Wolfgang Lazik vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit lobte in seiner Eröffnungsrede im Nördlinger Stadtsaal Klösterle die Wahl des Geoparks Ries als Austragungsort für die bundesweite Tagung und betonte „die weltweite Bedeutung des am besten erforschten Meteoritenkraters“, dessen Infrastruktur und das erfolgreiche Geopark-Management. Gleichzeitig würdigte er die fast 20-jährige Geschichte des Geotopschutzes in Deutschland und Bayern. Dass im Freistaat bereits im Jahr 1840 „Geotope“ geschützt wurden, zeige die Felspartie des Weltenburger Donaudurchbruchs bei Kehlheim: Mit rund einer halben Million Besucher jährlich zähle dieser Ort mittlerweile zu den bedeutendsten touristischen Zielen Bayerns, betonte Lazik. Die bayerische Regierung möchte den Geotourismus fördern, denn man sehe darin einen Beitrag zum „sanften“ und nachhaltigen Tourismus “ohne Mensch und Tier zu gefährden“, so Lazik weiter. Seinen Worten ließ der Amtschef Taten folgen und überreichte dem Vorsitzenden des Geopark Ries, Landrat Stefan Rößle einen Zuwendungsbescheid von 150.000 Euro für den weiteren Ausbau von Geotopen.
Nördlingen überzeugt als hervorragender Tagungsort
„Einen besseren Veranstaltungsort hätte man im Geopark Ries für die GeoTop 2011 nicht finden können“, lobte Landrat Stefan Rößle, der zu Beginn der Tagung die Gäste in Nördlingen begrüßte. Tatsächlich zeigten sich die Veranstalter und viele Gäste sehr erfreut darüber, dass man dieses Ereignis ins Ries holen konnte. Die Stadt Nördlingen mit dem mittelalterlichen Stadtkern, dem Rieskrater-Museum sowie einem exzellenten Übernachtungsangebot für Tagungsgäste gebe dafür einen äußerst reizvollen Rahmen. Dem Organisationsteam der Geopark Geschäftsstelle unter Leitung des Geschäftsführers Günther Zwerger und seiner Stellvertreterin Heike Burkhardt stand mit der Stadt Nördlingen ein professioneller und bewährter Partner bei der Organisation zur Seite.
Vorträge und Workshops bringen neue Erkenntnisse
Unter dem Motto „Geotopentwicklung – Quo Vadis?“ warf die GeoTop 2011 die Frage nach dem aktuellen Stand und den derzeitigen Trends auf. Dabei widmete sich der erste Vortragstag dem Motto aus der Sicht des Geotourismus. Der zweite Tag beleuchtete einen weiteren wichtigen Themenkomplex: Der Entwicklung von Geotopen, den Konflikten die sich daraus ergeben können sowie mögliche Lösungsansätze. Zahlreiche Vorträge, spannende Diskussionen und anregende Workshops boten Anlass zum Erfahrungsaustausch und Erkenntnisgewinn.
Aus dem Blickwinkel der Tourismuswissenschaft betrachtet, birgt der Geotourismus ein riesiges Potential für die Regionalentwicklung, so die Botschaft zum Tagungsauftakt. Als vergleichsweise „junge“ Themen-Sparte im Tourismus weise der Geotourismus ein rasantes Wachstum auf, sagte Prof. Harald Pechlaner von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Von der „Aufbereitung und Inwertsetzung“ eines Themenspektrums der Erd- und Landschaftsgeschichte einer Region“, so Professor Pechlaner, profitiere letztlich auch die dortige Wirtschaft. Die „Inszenierung“ eines geowissenschaftlichen Attraktionspunktes hänge dabei gleichermaßen von der Schaffung spannender Angebote, der Erreichbarkeit der „Destination“, sowie vor allem der Gastfreundlichkeit am Urlaubs- und Zielort ab, schlussfolgerte der aus Südtirol stammende Tourismusexperte. Beispielhaft dafür habe sich die positive Entwicklung des Geopark Ries auch auf die beinahe zeitgleiche Eröffnung der österreichischen Jugend- und Familiengästehauses (JUFA) in Nördlingen stützen können, so Geschäftsführer Reitmaier, der extra aus Österreich angereist war und die von Beginn an gute Zusammenarbeit mit der Stadt und dem Geopark Ries betonte.

Zusammenhänge aufzeigen - Allgemeinverständlichkeit als Einstieghilfe in die Geo-Thematik
Der Frage, was für Geotouristen letztlich attraktiv sei, ging Geographie-Professor Bernd Cyffka nach. Er warb für einen Verbund von „klassischer“ Geologie, also der Aufbereitung von Geotopen, und dem landschaftlichen bzw. kulturellen Erbe einer Region. Gleichzeitig gelte es Touristen einen Einstieg in die Geo-Thematik zu ermöglichen. „Es gehe darum, mehr zu machen, als den reinen geologischen Inhalt zu vermitteln“, betonte auch Dr. Hennig Zellmer vom Nationalen Geopark Harz. Denn gerade hier stoßen die bestehenden Geoparke an ihre Grenzen, wie die Erfahrungen zeigten. „Allgemeinverständlichkeit“ laute das Stichwort. Dies stelle enorme Anforderungen an die Wissensvermittlung. Das Layout von Schautafeln beispielsweise, sollte einen Wiedererkennungswert schaffen und möglichst ein Thema vordergründig darstellen, so Zellmer. Wichtig sei dann, „Verknüpfungen zu schaffen und den Besucher weiterzuleiten“, fügte er hinzu. Beispielsweise lasse sich die Etablierung des Ruhrgebietes nicht ohne das Vorhandensein von Bodenschätzen und der industriellen Nutzung erklären, sondern bildeten ein Netzwerk aus Geologie, Kultur- und Landschaftsgeschichte.
Die enorme Bedeutung ausgebildeter Geopark Ranger oder Geopark Führer/Innen für die Informationsvermittlung und Außendarstellung eines Geoparks hob Horst Freese hervor, der bundesweit entsprechende Ausbildungen betreut. Um Interesse für Geologie zu schüren könne auch ein subjektiver, offener Zugang zum Thema am Exkursionsort direkt helfen. Zum Beispiel könnten Skizzen angefertigt werden, die geologische Zusammenhänge verdeutlichen. Prof. Dr. Kruhl von der Universität München zeigte auf, wie dies bei karstkundlichen Exkursionen im Raum Eichstätt umgesetzt wurde. „Die Menschen dort abzuholen, wo sie sind“, könne generell für Studienreisen als Leitgedanke aufgegriffen werden, erläuterte Andreas Damson im nachfolgenden Workshop einem kleineren Kreis interessierter Zuhörer.

Geotopentwicklung und dessen Schutz als Chance begreifen
Wie zahlreiche Beispiele zeigten, bedürfen Aufschlüsse und erdgeschichtliche Bildungen einer ständigen Pflege. So müssen das Zuwachsen und „Verbuschen“ vermieden werden, um jene Orte weiterhin für Forschung und Lehre zugänglich zu machen. Das Beispiel des Hechlinger Enduroparks beispielsweise zeige, dass sich eine – zugegebenermaßen außergewöhnliche - Nachfolgenutzung aufgelassener Steinbrüche durch Moto-Cross-Trainings der Firma BMW durchaus mit dem Schutz der in Felslandschafen beheimateten Tierwelt vereinbaren ließen, so Dieter Popp, Regionalmanager des Landkreises Weißenburg-Gunzenhausen.
Exkursionen und Rahmenprogramm begeisterte
Am letzen Tag der Tagung beeindruckte der Geopark Ries seine Gäste mit einem Spektrum hochkarätiger Exkursionen. Die Tagungsteilnehmer/innen konnten so den Geopark und das Ries in seiner ganzen Schönheit aber auch seiner wissenschaftlichen und geologischen Tiefe und Bedeutung direkt vor Ort erleben.
Regen Zuspruch und Begeisterung erntete das Aufgebot der Geopark Ries kulinarisch Partner im Nördlinger Kulturzentrum „Ochsenzwinger“, zu dem die Veranstalter im Anschluss an die Vorträge eingeladen hatten. Bereits das Get Together in der Schranne mit bayerischen Spezialitäten und historischem Ambiente und Begrüßung durch Oberbürgermeister Hermann Faul am Abend vor dem offiziellen Tagungsbeginn hatte die Tagungsteilnehmer begeistert.
Die Fragebögen zur Evaluierung der Tagung, die der Geschäftsführer Günther Zwerger entwickelt und ausgegeben hat zeigen die hohe Zufriedenheit: mit den Noten eins bis sechs, entsprechend der Schulnoten, konnte von den Vorträgen bis zum Rahmenprogramm jeder Programmpunkt einzeln benotet werden. Schlechter als zwei gab es nicht und die Exkursionen, die Organisation sowie der kulinarische Part überzeugten komplett mit jeweils der Bestnote 1.
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