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Tausend Stimmen für Luther in Donauwörth

Rund 100 Sängerinnen und Sänger führten unter Leitung von Dirigent Michael Martin das Luther-Pop-Oratorium in der Christuskirche in Donauwörth auf
 
Lichteffekte verdeutlichten die Eindrücke des Chorgesangs
 
Faber als Luthers Ankläger gegenüber dem Kaiser
Donauwörth: Evang. Christuskirche Donauwörth | „Hier muss was sein, hier ist was los, wer hier nicht ist, hat was verpasst“ dieser Textteil aus dem dritten Abschnitt von Luther’s Pop-Oratorium galt am Sonntag auch in Donauwörth. Für Dekan Johannes Heidecker war es eine Freude, ein überfülltes Gotteshaus zu begrüßen, bedauerte aber gleichzeitig, dass Kirchenbesucher weggeschickt werden mussten. Zu diesem Besucherrun hat auch sein Amtsbruder Stadtpfarrer Robert Neuner beigetragen, denn dieser lies die sonntägliche Abendmesse ausfallen und ermöglichte so vielen Katholiken den Besuch des „Projekts der tausend Stimmen“, ein anerkennenswerter Beitrag zur Ökumene. Tausend Stimmen waren es dann nicht, aber was die rund 100 Sängerinnen und Sänger anlässlich der regionalen Inszenierung des Musicals in der vollbesetzten Christuskirche in Donauwörth zu Gehör brachten war einzigartig. Und die Donauwörther waren eine der Ersten, die von dem erst seit April geltenden eigenen Aufführungsrecht Gebrauch machten.
Es wäre vermessen, Vergleiche mit der Aufführung des Luther-Oratoriums in der Münchner Olympiahalle anzustellen. Die hiesigen Leistungen der Laiensänger im Ehrenamt können aber nicht hoch genug angesiedelt werden. Das muss man sich erst mal zutrauen! Und Kantor Hans-Georg Stapff hat sich mit dieser Inszenierung wirklich etwas zugetraut, auf sein Ensemble vertraut, diesem aber auch alles abverlangt. Welche kirchenmusikalische Bedeutung diesem Werk zugemessen wurde verdeutlicht schon allein die Tatsache, dass mit Michael Martin ein modern versierter Kirchenmusiker als Dirigent gewonnen werden konnte. Auch wenn Orchester und Band vom Playback kamen, Musik, Solisten und Chor führte Martin trotzdem zu einem beeindruckenden Gesamtwerk.
Für die Beteiligten war es zunächst ja nichts Neues. 110 Sängerinnen und Sänger waren schon bei der Aufführung des Pop-Oratoriums von Dieter Falk (Musik) und Michael Kunze (Texte) in der Olympiahalle München dabei, allerdings im Kreis von über 2000 Chorsängern. Und dass aus der Aufführung von Luthers Lebensgeschichte der geniale Plan entstand, dieses Musical in der kompletten Gesamtinszenierung zusätzlich in unserer Region aufzuführen war so nicht zu erwarten und verdient folglich allerhöchsten Respekt.
Das Oratorium erzählt als Musical-Inszenierung vom Leben Martin Luthers, der im Mittelpunkt der Handlung steht. Und diesen Mittelpunkt verkörperte Hans-Georg Stapff in der Hauptrolle leidenschaftlich. In seiner Darstellung, insbesondere aber im Nachgang konnte man erahnen und spüren, dass für ihn mit der Aufführung in Donauwörth ein chorischer Herzenswunsch in Erfüllung ging. Er freute sich überschwänglich, erfuhr aber auch außerordentliche Anerkennung und Dank Seitens des künstlerischen Teams um Andrea von Mackensen.
Aber auch Jede und Jeder der Solisten gab sein Bestes. Thomas Pichl sang und spielte den „Chefankläger“ auf dem Reichstag in Worm unnachgiebig, musste sich so aber auch gegenüber dem jungen Kaiser (Finn Unglert) verhalten, der augenscheinlich der Lust am Leben den Vorzug gab. Nach Szenen aus der Kindheit mit dem kleinen Luther (Theresa Ull) und dem strengen Vater (Dieter Münch) betritt Luther gemächlichen Schrittes den Ort seines Verhörs und singt mit klarer Stimme, dass „die Wahrheit ein scharfes Schwert“ ist. Die Notenhefte zur Multiplikation der Medien erhoben, wettert Faber gegen den Ketzer, während Luther dem Sieg der Lüge entgegentritt und seine kirchenkritischen Thesen nicht widerruft. In schnellem Tempo eilt die geschichtliche Zeit und wechselt sich im Schauspiel ab. Die Ablassverkäufer „steppen“ im Raum, „VIP’s“ mit Handy verkörpern die Machtspiele dieser Zeit und dazwischen Luther beim Verhör im Chor vereint mit „Gottes Kindern“.
Luthers Hammerschläge beim Thesenanschlag in Wittenberg eröffnen den zweiten Teil des Oratoriums und verlocken die aufmerksamen sowie begeisternd applaudierenden Zuhörer im dunklen Kirchenschiff zum Mitsingen bei „Ein feste Burg ist unser Gott“. Welche Rolle Geld in dieser Zeit spielte, verdeutlichte Bankier Fugger (Wolfgang Schwanecke) mit dem Heiligen Geschäft, das er in Gefahr sah. Als Melanchton berichtet Dekan Johannes Heidecker von Luthers zweifelnder Situation, bis ihm Apostel Paulus (Heinz Lehndorfer) Hilfe mit dem Text des Römerbriefes verschafft. Strahlend von biblischer Sicherheit verteidigt Luther seinen Mut und Standpunkt: „Hier stehe ich – ich kann nicht anders“. So gefestigt verweigert er auch im zweiten Verhör den Widerruf seiner Lehre. Er beschwört mit seinen Vorhaltungen sogar den Zorn des Kaisers hervor, der Luther auf dem Scheiterhaufen sehen will. Luther aber verlässt Worms und findet Zuflucht auf der Wartburg. Mit der Übersetzung der Bibel erfüllt er dort den Auftrag Gottes Wort Jedermann zugänglich zu machen. Luthers Ziel ist erfüllt, das imposante Finale eingeläutet mit der mitreißenden Feststellung „Wir sind alle Gottes Kinder“ und trotzdem stellte der Chor die Schlussfrage „Wer ist L U T H E R ?“.
Unter Einbeziehung von Tontechnik (Armin Grasheu) und Lichtdesign (Christian Schneid) wurden die Botschaften der Solisten und des stimmgewaltigen Gemeinschaftschores ins rechte Licht gerückt. ‚“Selber denken“, „Gott liebt dich, so wie du bist“, „Die Wahrheit kommt durch das Wort“ sind melodisch hervorragend umgesetzte Leitsätze in eine auch für die Akteure unvergessliche Atmosphäre.
Klar, dass im Schlusswort von Andrea von Mackensen und Lisa Stapff das im Kirchengang ausgelegte Dankesband in erster Linie an Dekanatskantor Hans-Georg Stapff gerichtet war. Er „hatte den Mut“ zusammen mit seinem Ensemble die Inszenierung in der Christuskirche aufzuführen und es ist ihm auch gelungen „seine Kirche erstmals voll zu bekommen“, wie er begeisternd feststellen durfte. Dass sich dabei alle Beteiligten „voll ins Zeug gelegt“ hätten und manche gar „Luther besessen“ agierten, unterstrich die Dankesrede. Nicht ins Gewicht fiel da mal der fehlende Ton im Kopfhörer; die Zuhörer erwarteten keine Perfektion der Laiensänger und honorierten vielmehr deren Engagement mit frenetischem Applaus, begeisterten Rufen und Standing Ovations. Selbst die Zugaben mit einigen „Ohrwürmern“ des Musicals ließen die Begeisterung des Publikums spüren.
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