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Menschen einer Stadt: Mit Ideen und Visionen ...

Josef Basting, Schulleiter der Werner-Egk-Musikschule
Josef Basting, Leiter der Werner-Egk-Musikschule Donauwörth
"Musik ist ein Glücksfall in der Bildung junger Menschen!"

Im Herbst letzten Jahres hat Josef Basting nicht nur die Leitung der Stadtkapelle Donauwörth in der Nachfolge Walter Pfeifers übernommen (wir berichteten), sondern auch die der Werner-Egk-Musikschule, die sich von ihren Anfängen vor über 30 Jahren bis heute zu einem wirklichen Forum musikalischer Bildung für Kinder und Jugendliche (aber auch für Erwachsene) in Donauwörth entwickelt hat.
Was kann die Musikschule leisten? Welche Bedeutung trägt sie in sich? Welches Leistungsspektrum bietet sie an? Welche Ideen, Visionen und Zielsetzungen steuert der neue Schulleiter mit seinem Team an?
Mit Josef Basting sprach Wolfgang Leitner für die SonntagsZeitung über nahe und ferne Ziele, über Wesen und Bedeutung musikalischer Bildung in der modernen Gesellschaft, in der um eine zukunftsweisende, adäquate (kindgerechte) Pädagogik gerungen wird.

SoZ: "Herr Basting, Sie selbst, Familienvater mit zwei kleinen Kindern, haben Ihren Weg in die Musik als Beruf gefunden. Wie kam das?"

Josef Basting [J. B.]: "Nach der Schule machte ich zunächst eine Lehre als Schauwerbegestalter in einem großen Kaufhaus hier, bevor ich mich entschlossen habe, Musik zu studieren, am damaligen Leopold-Mozart-Konservatorium in Augsburg, in den Hauptfächern Tuba, Kontrabass und Blasorchester-Leitung. Als einer von drei Absolventen überhaupt besuchte ich diesen Kurs, den es bis dahin noch nicht gab. Blasmusik, für uns Studenten durch unsere Musikkapellen allgegenwärtig, musste sich im Studium erst behaupten."

SoZ: "Wie sah damals ein Musikstudium aus? Grau ist alle Theorie oder?"

J. B.: "Für einen Studenten ist es relativ leicht, sich einen "Markt" aufzubauen: U. a. war ich im Studium an der Musikschule in Wertingen beschäftigt, danach war ich in der Städtischen Sing- und Musikschule Neusäß als Fachbereichsleiter (Blechblasinstrumente), Jugendorchester, später der Stadtkapelle dort - immerhin war ich dann 16 Jahre in Neusäß."

SoZ: "Apropos Musikkapellen: Die Donauwörther Stadtkapelle kannten Sie bereits von früher ... ?"

J. B.: "1979 ist der Spielmannszug hier gegründet worden, und da habe ich mit der Trommel-Ausbildung begonnen, damals bei Norbert Wolf. [...]

SoZ: "Seit ihren Anfängen hat sich die Werner-Egk-Musikschule Donauwörth kontinuierlich weiterentwickelt. Heute besuchen 337 Schülerinnen und Schüler Instrumental- und Vokalunterricht, 43 Kinder in der musikalischen Früherziehung, 47 in Ensembles, Chor und Bands bzw. im Vororchester. 22 Lehrkräfte, didaktisch und pädagogisch kompetent, unterrichten hier.
Darüber hinaus engagieren sich 11 Lehrkräfte im JeKi-Projekt ("Jedem Kind ein Instrument") an den Grundschulen mit 204 teilnehmenden Schülern - vom Instrumentenkarussel der 2. Klassen angefangen bis zum eigentlichen Instrumentalunterricht in den 3. und 4. Klassen. Das ist ein eindrucksvolles Leistungsspektrum, das die Musikschule schon jetzt anbietet. Welche Ziele und Projekte stehen heuer bzw. in nächster Zukunft an?"

J. B.: "Wichtig ist mir, die Musikschule quasi in ihrer Basis zu stärken: Musik von Anfang an! Das ist mehr als ein Schlagwort, das ist d a s Motto, denn je früher ein Kind gefördert wird, desto besser - und j e d e s Kind trägt musikalisches P o t e n t i a l in sich. Aus diesem Grund haben wir den "Musikgarten" für Kinder von eineinhalb bis drei Jahren mit Elternteil.
Neu in diesem Jahr beginnt der Baby-Musikgarten für Babys ab drei Monaten. Eine wichtige Erfahrung kann dies sein, da in diesem Alter Kinder sensibilisiert werden, gemeinsam mit den Müttern. Es geht dabei nicht nur darum, dass später die Heranwachsenden und Erwachsenen ein Musikinstrument nach allen Regeln der Kunst spielen können, nicht also nur um die technische Beherrschung dieser Kunst, sondern das Kind wächst in eine Welt hinein, in der da Töne, Klänge sind, mit denen es Gefühle und Stimmungen verbindet. Es geht um Kommunikation und um Ausdruck."

SoZ: "Musikalische Bildung ist ja nicht nur wertvoll für einen kleinen Kreis hochbegabter Kinder oder für Jugendliche, die später einmal eine Karriere in entsprechender Richtung einschlagen wollen: Musik als Erleben weckt im Kind kognitive Prozesse, ein umfassenderes Lernen, das über das Fach weit hinausgeht. Lernen und Leistungsfähigkeit, kognitive Fähigkeiten, wie sie im Sprach- und Mathematikunterricht und anderen Fächern der Schule gebraucht werden, können so ideal unterstützt werden, kommunikative Kompetenzen, wie sie im späteren Berufs- und Privatleben wesentlich sind, Fähigkeiten, die zur Persönlichkeit des mündigen Menschen gehören."

J. B.: "Nicht nur Töne erleben, sondern mit den Klängen sich selbst zum Ausdruck bringen, sich äußern können, eine Brücke hinein in ein ganzheitlich gebildetes, soziales Leben - das kann Musik bedeuten.

Wir wollen auch den Kindern und Jugendlichen die Chance bieten, sei es durch Konzerte und Auftritte, durch Bands und Ensembles, die sich hier ganz natürlich bilden, zu zeigen, was in ihnen steckt. Wir wollen und können soziale Kompetenz fördern - auf eine Weise, wie sie sonst kaum geboten ist. Das "stille Kämmerlein" - das können Privatlehrer geben - wir als Musikschule möchten umfassend ein Forum für die jungen Menschen aufbauen und weiterentwickeln, eine Brücke hinein in die Gesellschaft, in das soziale Leben. Begabungen wecken und fördern, Bildungswege - in ihrer realen Vielfalt und Unterschiedlichkeit - ebnen und bahnen, eine Ergänzung zu dem, wo staatliche Schulbildung oftmals lange schon an ihre Grenzen angelangt ist.

Unser Jugendorchester, das Vororchester, das bedeutet auch: Sozialverhalten erlernen, Teamwork, sich integrieren, gemeinsam mit den anderen Leistungsziele anvisieren und meistern, im wahrsten Sinn an sich arbeiten, durch Leistung soziale Anerkennung finden.

SoZ: "Immer wieder können Besucher und Gäste Ihrer Veranstaltungen - etwa zur Weihnachtsparty der Musikschule - erleben, wie mit ansteckendem Enthusiasmus musiziert wird, hochtalentierte junge Menschen, die mit Fleiß und Eifer gestalten, erfolgreich im schönsten Sinn arbeiten und ihre Fähigkeiten entfalten ... ."

J. B.: "Da genau setzt auch das Wirken unserer kompetenten und engagierten Lehrkräfte ein: Sie alle motivieren, sie sind ja selbst talentierte Musiker, sie wissen, wie sie auf der Bühne wirken, wie Musik zu interpretieren ist - denken wir an unsere wirklich hochbegabten Sängerinnen: Hier sehe ich, wie wichtig es ist, Popularmusik zu fördern, das begeistert, steckt an. Da geht es wirklich darum, die Interessen und Präferenzen aufzugreifen, alle Strömungen zusammenführend, sei es Klassik, sei es Jazz, ebenso Volksmusik, aber eben auch gerne Rock und Pop. An unserem Musikschultag (Sonntag, 08. Mai) wollen wir besonders dies demonstrieren - als "Musikzirkus".

Neu wollen wir MUSIKKIDS gründen, ein Orchester für alle, ohne Mindest- oder Höchstalter, Bläser und Schlagzeuger. Die erste Musikkids-Probe wird am 18. März um 16 Uhr im großen Probenraum hier sein - einfach weil Musik Spaß macht. Einfach kommen (mit Instrument) und mitspielen. Herzlichst sind dazu alle Kinder und Jugendlichen eingeladen!"

SoZ: "Wie ich weiß, gibt es regelmäßig auch schulinterne Vorspieltermine, zu denen gezeigt wird, was im Lauf eines Schuljahres erlernt worden ist. Weiterhin werden Theoriekurse und Prüfungen angeboten, etwa Junior I und II u. v. m. Insbesondere im sog. Solo-Duo-Wettbewerb des ASM bewiesen Schülerinnen und Schüler der Werner-Egk-Musikschule, dass sie auf höchstem Niveau spielen ... ."

J. B.: "Aber nicht nur dort, sondern z. B. auf dem diesjährigen Reichsstraßenfest werden wir spielen ... . Und dann darf ich hier auch gleich eine wichtige Innovation ankündigen: Zukünftig wird es eine Musiktherapie hier geben, durchgeführt von der aus Rio de Janeiro stammenden Helena Brasileiro Madeira, eine äußerst engagierte, kompetente Therapeutin und Musikpädagogin. Orientiert an den individuellen Bedürfnissen und Möglichkeiten, für Menschen im Alter, in der Rehabilitation bzw. mit Behinderungen bzw. auch bei diversen Entwicklungstörungen. Musik ist nicht nur ein faszinierendes Instrument z u r Bildung junger Menschen, sondern Musik kann heilend wirken."

SoZ: "Eine wirklich eindrucksvolle und umfassende Zukunftsperspektive haben Sie, Herr Basting, uns durch dieses Interview vermittelt. Vielen Dank dafür! Ihnen und allen Mitwirkenden weiterhin so viel Engagement und Unterstützung und alles Gute für die Zukunft!"


Foto: Im Büro des Schulleiters: Josef Basting in der Werner-Egk-Musikschule Donauwörth
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2 Kommentare
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Angelika Huber aus München | 10.02.2011 | 19:07  
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Wolfgang Leitner aus Donauwörth | 10.02.2011 | 23:27  
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