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100 Jahre Pädagogische Stiftung Cassianeum:

Wann? 29.10.2010

Wo? Stadtbibliothek, Reichsstraße 32, 86609 Donauwörth DEauf Karte anzeigen
Vernissage in der Stadtbibliothek Donauwörth
Donauwörth: Stadtbibliothek | Vernissage und Ausstellung in der Stadtbibliothek Donauwörth
Lebenswerk und Erbe des pädagogischen Visionärs Ludwig Auer im Herzen der Stadt

Mit einer festlichen Vernissage, zu der Dr. Ottmar Seuffert, Leiter des Stadtarchivs, einen Dia-Vortrag hielt, ist die Ausstellung "100 Jahre Pädagogische Stiftung Cassianeum" in der Stadtbibliothek nun eröffnet worden. Sie ist noch bis zum 29. Oktober zu den Öffnungszeiten dort zu sehen.

Wer war der Stifter, dessen Denkmal vor dem Kloster Heilig Kreuz gewiss jeder Donauwörther kennt, das "Onkel-Ludwig-Denkmal"? Was charakterisiert die Stiftung bis heute? Ein ganzes Jahrhundert, noch dazu das durch die Weltkriegskatastrophe bestimmte 20. Jahrhundert, hat das Erbe Auers überdauert.

Die Festredner der Vernissage, angefangen mit Oberbürgermeister Armin Neudert, der pädagogische und historische Impulse Auers zu skizzieren suchte, ergänzten je durch ihre Beiträge das Gesamtportrait der Stiftung und ihrer Geschichte.

Ludwig Auer (1839 - 1914) hatte als Dorfschullehrer in seinem Geburtsort Laaber in der Oberpfalz angefangen, besuchte ein Lehrerseminar in Eichstätt und erlebte damals den Kulturkampf als gravierende Umwälzung, die sich nicht zuletzt auch auf das Schulwesen und das Bildungsleben seiner Zeit auswirkte.

"Im Jahre 1869 verließ er den Schuldienst, um sich ganz seinen pädagogischen Zielen widmen zu können. [ ... ] 1874 eröffnete Ludwig Auer in Neuburg/Donau eine Buchdruckerei, eine Verlagshandlung und ein Antiquariat. 1875 gründete er dort das Cassianeum."

In seiner Festansprache dankte Prof. Dr. Werner Schiedermair, Stiftungsvorstand, allen, die die Ausstellung in der Stadtbibliothek ermöglicht hatten, ein Ausstellung, die verschiedene Aspekte der Geschichte der Stiftung zeigt - vom Dorfschullehrer Auer bis zum erfolgreichen Unternehmer, wie er mit Weitsicht sein ganzes Vermögen in eine Stiftung einbringt, die noch stürmische Zeiten vor sich haben sollte, inklusive der NS- und Nachkriegszeit.

Im Jahre 1886 übersiedelt das Cassianeum in die Gebäude des ehemaligen Benediktinerklosters Heilig Kreuz in Donauwörth, 1910 entsteht daraus die Stiftung, benannt nach dem christlichen Märtyrer Cassian.

Dr. Ottmar Seuffert, Leiter des Stadtarchivs, zeichnete in seinem Dia-Vortrag gerade auch jene Epoche des Nationalsozialismus nach, in der Persönlichkeiten wie Alois Auer als Sohn und damaliger Leiter der Stiftung engagiert zu schützen suchten, was durch die nationalsozialistische Diktatur zerstört zu werden drohte.

100 Jahre - eine lange, stürmische Zeit, mit den beiden Weltkriegen, Diktatur und Zerstörung, da ist Nachkriegszeit, Wiederaufbau - Facetten einer Entwicklung, von der Kaiserzeit in die Moderne: Wodurch überstand die Pädagogische Stiftung solche Katastrophen und behielt ihre Kraft und Gegenwärtigkeit trotzdem?

Oberbürgermeister Armin Neudert würdigte Ludwig Auer als pädagogischen Visionär, der zukunftsweisende Ideen in seinem Erbe entwickelte und die Konzeption öffnete - für alle Aufgaben, die noch durch Pädagogik zu leisten sein sollten, Tradition und Fortschritt, Kontinuität und Wandel, Offenheit für Entwicklung ohne Opportunismus, stets orientiert an den Bedürfnissen der Menschen, an Humanität und Christlichkeit, auf der Basis des katholischen Glaubens.

Pädagogik heute zeigt andere grundlegende Aufgaben als vor 100 Jahren - und allein der Vergleich damals - heute lohnt sich. Die Ausstellung führt ein - und bietet über zentrale Aspekte der Stiftungsgeschichte hinaus viele Facetten aus dem historischen Kontext heraus.

"Onkel Ludwigs Erbe" ist in Donauwörth und über die Stadtgrenzen weit hinaus gegenwärtig, kann Ansporn und Anregungen für Eltern, Pädagogen, Erzieher und Lehrkräfte wecken und veranschaulichen, was heute wie damals als zentrale Aufgabe der Pädagogik im Alltag zu leisten ist: "Zu werden, wer du bist", das Motto der Festansprache des Augsburger Bischofs em. Viktor Josef Dammertz, könnte auch als Leitmotiv über der Ausstellung in der Stadtbibliothek stehen, die noch bis 29. Oktober zu den Öffnungszeiten zu sehen ist.

Gerade in der ausgewogenen Balance zwischen detaillreichen Einblicken in die vergangenen 100 Jahre und einem klaren Überblick über wesentliche Entwicklungsphasen der Stiftung bietet die Ausstellung ebenso sehr eine Einführung wie für Kenner der Stadt- und Stiftungsgeschichte manche Neuentdeckung, die den Besuch reizvoll erscheinen lässt.

Foto (von links nach rechts): Jonas Reinhard (Auszubildender Stadtbibliothek), Bianca Schmidt (Gynasium Donauwörth), Evelyn Leippert-Kutzner (Bibliotheksleitung), Dr. Ottmar Seuffert (Stadtarchivar), Peter Kastner (Pädagogische Stiftung), Prof. Dr. Werner Schiedermair (Vorstand der Pädagogischen Stiftung), Alfred Stöckl (stellvertr. Landrat), Dr. Peter Hell (Mitglied des Stiftungsrates): Sie alle trugen je dazu bei, dass eine ganz besondere, facettenreiche Ausstellung jetzt zu sehen ist. Nicht nur historische Zusammenhänge werden beleuchtet, sondern auch zentrale Intentionen des pädagogischen Visionärs Ludwig Auer, die verstehen lassen, warum diese Stiftung bis in die Gegenwart hinein weit über die Stadtgrenzen hinaus große Bedeutung zeigt.
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