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Dr. Erhard Eppler als Zeitzeuge an der Hans-Leipelt-Schule in Donauwörth

Als Zeitzeuge für die 60er und 70er Jahre der Bundesrepublik Deutschland hielt Dr. Erhard Eppler vor einigen Klassen der Berufsoberschule der Hans-Leipelt-Schule einen Vortrag, der von der Geschichtslehrerin StRin Iris Bäumlisberger initiiert und organisiert worden war. Bei der Begrüßung erfuhren die Anwesenden wichtige Stationen aus Erhard Epplers Leben: Der 1926 in Ulm geborene Sohn eines Oberstudiendirektors unterrichtete selbst einige Jahre als Gymnasiallehrer in Schwenningen, bis er 1961 als Abgeordneter für die SPD in den Deutschen Bundestag einzog. In den Jahren 1968 bis 1974 war Eppler Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und wechselte danach in die baden-württembergische Landespolitik. Der Schwabe, der sich selbst als „Pragmatiker mit ein wenig Visionen“ bezeichnet, gilt als Vordenker der SPD, deren Grundsatzprogramm er mitgeprägt hat. Als engagierter evangelischer Christ galt und gilt Epplers Interesse besonders der Friedens-, Ökologie- und Eine-Welt-Bewegung.
Erhard Eppler begann seinen Vortrag mit dem Jahr 1961 – dem Jahr des Mauerbaus und dem Beginn seiner persönlichen politischen Laufbahn. Die Stimmung in Westdeutschland charakterisierte er als relativ gut, denn die Menschen waren mit dem „Wirtschaftswunder“ zufrieden und sie blickten optimistisch in die Zukunft. Die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit war noch kein Thema, da nach der Einschätzung Epplers dieser Teil der Vergangenheit durch den Kalten Krieg und die damit verbundene Kuba-Krise 1962 verdrängt wurde. 90 % der Deutschen waren mit der Politik der damaligen Großen Koalition zufrieden
und begegneten so der Protestbewegung von Schülern und Studenten Ende der 60er Jahre mit Unverständnis, wie auch viele Politiker. Eppler selbst bekam den Zorn und die Kritik der jungen Leute am Establishment als Minister für Entwicklungshilfe zu spüren. In dieser Zeit bildete sich bei ihm durch seine Afrikareisen ein ökologisches Bewusstsein heraus, das ihn bis heute prägt.
Den Beginn der 70er Jahr schilderte Eppler als die politischste Zeit in seinem Leben, denn die
Diskussion über die Entspannungspolitik bzw. die Ostverträge unter Bundeskanzler Willy Brandt spaltete die Deutschen in Befürworter und Gegner. In dieser Zeit findet auf anderen Gebieten ein Umdenken statt, denn zum ersten Mal kamen Zweifel an einem andauernden Wirtschaftswachstum auf, ebenso wurde durch die Ölkrise die Suche nach neuen Energien gefördert. Bundeskanzler Helmut Schmidt musste sich als Krisenkanzler bewähren, da die
Regierung in Gefahr geriet, sich durch die Forderungen der Baader-Meinhof-Gruppe erpressbar zu machen.
Die anwesenden Schülerinnen, Schüler und Lehrer folgten aufmerksam den engagiert vorgetragenen Ausführungen Epplers und zeigten – nach einem kräftigen Applaus – weiterhin ihr Interesse durch viele Fragen, die sie an den ehemaligen Politiker richteten.
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Weiterveröffentlichungen:

Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.myheimat-Stadtmagazin donauwörther | Erschienen am 29.12.2009
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