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„Wenn der Frühling kommt, dann schick ich Dir Tulpen aus Amsterdam“

  „Wenn der Frühling kommt, dann schick ich Dir Tulpen aus Amsterdam“, ich schreibe diesen Bericht über die Tulpen aus Donauwörth.

Einiges interessantes und wissenswertes über diese schöne Blume aus Asien und nicht aus Holland, wie ursprünglich angenommen. Denken wir heute an die Niederlande, ist die Tulpe nicht fern. Frau Antje aus Holland hätte uns genausogut Tulpen statt Käse anbieten können. Daß die „Tulpen aus Amsterdam“ einer der ganz großen niederländischen Exportschlager sind, ist darin begründet, daß die Tulpe schon vor fast vierhundert Jahren in Amsterdam ein Renner gewesen ist.

Schließlich ist die Tulpe nicht, auch wenn es uns heute so erscheinen mag, ursprünglich in den Niederlanden beheimatet gewesen. Ihre Spur reicht weit ins Osmanische Reich hinein, nach Vorderasien, vielleicht noch weiter. Als Tulpenzeit wurde in der älteren Literatur jene Epoche osmanischer Geschichte bezeichnet, in der das Großwesirat von Nevsehir 0brahim Pascha mit dem Sultanat von Ahmed III. überlappte, also 1718–1730. Manchmal wird auch die gesamte Herrschaftsperiode des Sultans Ahmed III., 1703–1730, als Tulpenzeit verstanden. Der Name leitet sich von der vom Hof gehegten Vorliebe für Tulpen her.
Nachdem die Osmanen sich schon lange an ihr erfreut hatten, wurde die Tulpe im Laufe des 16. Jahrhunderts auch in Europa populär, zunächst nur bei den Botanikern, aber bald auch bei der breiten Masse.

Anfangs waren sich die Europäer nicht ganz einig, ob man die Blütenpracht bewundern oder die Tulpenzwiebel lieber verspeisen sollte. Ein niederländischer Kaufmann, der unerwartet einige Tulpenzwiebeln zwischen einer Lieferung Tuchballen fand, ließ sich die fremden Gewächse geröstet, angemacht mit Essig und Öl, servieren und war recht angetan. Der Gelehrte Carolus Clusius dagegen aß die Tulpenzwiebel lieber in Zucker eingelegt.

Clusius war es auch, der die Tulpe den Niederländern nahebrachte, nachdem er 1593 einem Ruf als Professor für Botanik an die Universität von Leiden gefolgt war. Bald teilten die Niederländer seine Liebe zu der damals noch exotischen Blume – mehr, als Clusius lieb war. Immer wieder stahl man seine kostbaren Zwiebeln, und die Tulpen verbreiteten sich schnell über die gesamten Niederlande, so daß man dort schon Anfang des 17. Jahrhunderts von einem regelrechten Tulpenboom sprechen konnte oder von der „Großen Tulpomanie“. Man erfreute sich an besonders seltenen Mustern und wußte damals nicht, daß diese von einem Virus (dem sogenannten Mosaikvirus), übertragen von der Blattlaus, hervorgerufen wurden.

Woher aber rührte die Begeisterung der Niederländer, calvinistisch-sittsam und damals bekannt als eher derb und nicht gerade schöngeistig veranlagt, für die schöne, farbige Tulpe? Gegensätze ziehen sich an, heißt es, und gerade der Gegensatz zwischen der rauhen Lebenswelt der Niederländer, die ihr Land dem Meer abtrotzen mußten und im ständigen Kampf mit anderen Staaten lagen, und der schlanken, fragilen, liebreizenden Blume aus dem fernen Osmanenreich mag hier den Ausschlag gegeben haben. Mit nur einer besonders schönen Tulpe im Haus besaß man schon ein Gegenstück zu der harten Welt außerhalb der eigenen vier Wände.

Die Niederländer stürzten sich mit solcher Begeisterung auf die Tulpe, daß die steigende Nachfrage nach besonders gemusterten Exemplaren zu immer höheren Preisen führte, und bald verkaufte man Zwiebeln, die man noch gar nicht besaß und von denen man nicht wußte, ob sie wirklich schön gemusterte Blüten hervorbringen würden. Die Preise stiegen und stiegen, und schließlich wurde für besonders seltene Tulpen soviel gezahlt wie für ein ganzes Haus.

Mit derselben Begeisterung gingen die Niederländer ihren Tulpenhandel an. Sie kauften und verkauften Tulpenzwiebeln zu immer höheren Preisen, immer weiter im voraus – eine frühe From von Termingeschäften. Doch im Jahr 1637 brach der Markt zusammen. Teuer eingekaufte Zwiebeln – oder das Anrecht auf solche – konnten nicht mehr weiterverkauft werden. Die Skepsis siegte über die Spekulationssucht, aber manch ein Tulpenspekulant hatte bereits Haus und Hof verloren. Nur durch staatliches Eingreifen konnte verhindert werden, daß die Tulpenkrise sich zu einer landesweiten Finanz- und Wirtschaftskrise auswuchs: Die Möglichkeit, Ansprüche vor Gericht geltend zu machen, wurde beschränkt, und für künftige Tulpengeschäfte wurde ein Höchstpreis festgelegt.

Alljährlich findet in Istanbul das große Internationale Tulpenfestival statt, so auch zum 5. male am vergangenen Jahr. 2005 wurde das Festival erstmals unter dem Motto ,,die schönsten Tulpen wachsen in Istanbul" organisiert. Mehr als neun Millionen Tulpen schmückten am 2. April Europas ,,Kulturhauptstatt 2010 Istanbul" Als Symbol der türkischen Kultur hat die Tulpe einen hohen Stellenwert im Land der aufgehenden Sonne. Es wurden 9 300 000 Stück das sind 9,3 Millionen in 82 Sorten gepflanzt. Das ganze Spektakel dauerte bis 18. April und drüber hinaus.
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9 Kommentare
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Karl-Heinz Töpfer aus Marburg | 06.04.2011 | 11:53  
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Marlene Feldmeier aus Ederheim | 06.04.2011 | 12:05  
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Sandra Biegler aus Meitingen | 06.04.2011 | 12:08  
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Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 06.04.2011 | 14:39  
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Karin Dittrich aus Lehrte | 06.04.2011 | 18:46  
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Christl Fischer aus Friedberg | 07.04.2011 | 18:47  
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Gisela Fäustle aus Erkheim | 08.04.2011 | 11:03  
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Natalie Parello aus Sarstedt | 09.04.2011 | 01:14  
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ELVIRA MOGA aus Königsbrunn | 20.04.2011 | 16:23  
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