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Vorlesen ist cool: Seminar für Vorleserinnen und Vorleser im Donau-Ries

  Fast im ganzen Landkreis sind mittlerweile Lesepatinnen und Lesepaten in Kindergärten, Schulen und Bibliotheken im Einsatz. Etwa 90 von ihnen sind im Projekt Leseland organisiert, das vom Lokalen Bündnis für Familie Donau-Ries begleitet wird. Im Seminar “Wir lesen vor”, initiiert durch den Landkreis Donau-Ries und die Stadtbibliothek Donauwörth, führte die Referentin Christel Günther einen Kreis von Lesepatinnen in die Kunst des Vorlesens und Erzählens ein.

Evelyn Leippert-Kutzner, die Leiterin der Stadtbibliothek Donauwörth, erklärte den Teilnehmern zu Beginn der Veranstaltung, warum Vorlesen für Kinder wichtig sei: „Kinder, die schon früh mit Büchern in Kontakt kommen, haben entscheidende Vorteile: Ihre Sprachkompetenz wächst, sie lernen assoziieren, sich zu äußern, Gedanken in Worte zu fassen.“

„Aber Vorlesen ist viel mehr als Lesen“, gab Günter Katheder-Göllner den Vorleserinnen für den ganztägigen Workshop mit auf den Weg. Wie gestaltet man eine spannende Lesestunde? Welches Buch für welches Alter? Was tue ich mit Störenfrieden? „Antworten auf diese und viele weitere Fragen werden Ihre Einsätze als Lesepatinnen bereichern“, versprach der Familienbeauftragte und Bündniskoordinator Katheder-Göllner.

Stiftung Lesen unterstützt

Die Stiftung Lesen unterstützt bundesweit Initiativen zur Lese- und Sprachförderung. Einige von ihnen kommen derzeit in den Genuss von kostenlosen Workshops: Zu den ausgewählten Initiativen gehörte auch das Bündnisprojekt „Leseland Donau-Ries“. Die Referentin Christel Günther ist selbst Lesepatin in München. Mit Esprit, ihrem Erfahrungsschatz und viel Hintergrundwissen lieferte sie den Teilnehmerinnen einen abwechslungsreichen und praxisorientierten Seminartag.
Viel gelacht und viel gelernt haben die Lesepatinnen bei den praktischen Übungen am Vormittag. „Gar nicht einfach, aber eine erstaunliche Erfahrung“, kommentierte eine Teilnehmerin die erste Trainingseinheit. „Ja, mit einem Korken zwischen den Zähnen ein Ringelnatz-Gedicht zu rezitieren ist keine leichte Sache“, meinte dazu Christel Günther. „Aber so bekommen Sie ein gutes Gefühl für Ihre Stimme“. Dass es hilft, sich auf eine Lesestunde vorzubereiten, wurde den Vorleserinnen bewusst, als sie einen völlig unbekannten Nonsenstext vortragen mussten. „Da kommt man schnell ins Stolpern oder liegt mit der Betonung daneben“, schilderte eine Lesepatin ihre Erfahrung.

Spaß ist wichtig

Nicht nur das Seminar sollte Spaß machen: „Es ist wichtig, dass Sie Texte vorlesen, die Ihnen selbst gefallen und die zu Ihnen passen“, leitete Christel Günther den kurzweiligen Informationsteil am Nachmittag ein. Natürlich müsse die Lektüre aber auch den Kindern Spaß machen. Sie erzählte von einem Vorleser, der sich über die mangelnde Aufmerksamkeit in seinen Vorlesestunden wunderte. „Als er mir seine Buchauswahl nannte, war die Sache klar“, schmunzelte Günther. „Griechische Sagen waren für die Vorschulkinder offensichtlich doch nicht das Richtige.“ Mit der passenden Lektüre fänden dagegen sogar Viertklässler Vorlesen richtig cool.

Die Referentin sorgte für viele weitere Aha-Erlebnisse oder frischte theoretisches Wissen wieder auf. Sie gab unzählige praktische Tipps, forderte aber auch zum Mitdenken und praktischen Mitmachen auf. So lernten die Lesepatinnen an diesem Nachmittag etwas über den Zusammenhang zwischen Gestik und Stimme, sowie zwischen Zuhören und Vorlesen. Sie haben Empfehlungen bekommen, wie man eine Geschichte aussucht, sich diese Geschichte erarbeitet und sie gekonnt rüber bringt.

Neben den guten Tipps und praktischen Anleitungen der Referentin profitierten die Teilnehmerinnen vom Erfahrungsaustausch untereinander. „Jede Vorleserin entwickelt ihren eigenen Stil und trotzdem kann man auch viel voneinander lernen“, bilanzierte am Ende die Bibliotheksleiterin Evelin Leippert-Kutzner. Deshalb werde es bald wieder ein Treffen zum Informations- und Erfahrungsaustausch für die Donau-Rieser Lesepatinnen und Lesepaten geben.

Der Dank des Familienbeauftragten Günter Katheder-Göllner galt am Ende nicht nur der Referentin für das spannende und kurzweilige Seminar. Ganz besonders bedankte er sich, auch im Namen von Landrat Stefan Rößle, bei den Vorleserinnen für ihr ehrenamtliches Engagement. „Bleiben Sie auch weiter am Ball“, ermunterte er die Teilnehmerinnen, „denn es ist wichtig und toll, dass Sie dafür sorgen, dass Kinder erleben können, welch großer Schatz das Lesen und Erzählen ist.“

Hintergrund:

Einer aktuellen Studie der Deutschen Bahn, der ZEIT und der Stiftung Lesen zufolge lesen 42 Prozent aller Eltern mit Kindern „im besten Vorlesealter“ von 0 bis 10 Jahren ihren Kindern nur selten oder gar nicht vor.

Andere Studien belegen, dass ein Viertel aller 15-Jährigen in Deutschland nicht richtig lesen kann, fast die Hälfte nimmt nie ein Buch zum Vergnügen in die Hand.

Infos auch unter: www.stiftunglesen.de oder www.wirlesenvor.de

Im Projekt Leseland Donau-Ries sind etwa 90 Lesepatinnen und Lesepaten organisiert; viele Büchereien und Leseinitiativen (z.B. RainLesen) sind Partner des Projekts.

Zuletzt wurde die Initiative „Sprachpatinnen“ entwickelt: Etwa 20 Vorleserinnen sind hier im Einsatz, um als „Sprachpatinnen“ durch Lesen und Vorlesen mit einzelnen Schülerinnen und Schülern dazu beizutragen, deren Lese- und Sprachfähigkeit zu verbessern.
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