Welttag der seelischen Gesundheit - Vortrag von Dr. Frasch

Die Chancen des sogenannten „home treatments“ stand im Mittelpunkt eines Vortrages von Dr. Karel Frasch zum Auftakt der Aktionstage, die der Gemeindepsychiatrische Steuerungsverbund (GPSV) gemeinsam mit der Selbsthilfegruppe „Transmitter – die Psychiatrieerfahrenen“ anlässlich des Welttags der seelischen Gesundheit veranstalten.

Die Leiterin des Fachbereichs Gesundheit am Landratsamt, Dr. Uta-Maria Kastner, begrüßte die interessierten Zuhörer in Vertretung des erkrankten Vorsitzenden des GPSV, Stephan Borggreve. Sie dankte der Selbsthilfegruppe „Transmitter - die Psychiatrie erfahren“, „die den Aktionstagen mit der Themenauswahl einen besonderen Akzent geben“. Die Vorträge seien, so Kastner, als Gesprächsforen zwischen Ärzten, Betroffenen und Angehörigen gedacht und beschäftigen sich mit verschiedenen neuen und bewährten Therapiemöglichkeiten in der Psychiatrie.

Die Aktionstage stehen unter der Schirmherrschaft von Landrat Leo Schrell, der in seinem Grußwort darauf hinwies, „dass psychische Erkrankungen in unserer Gesellschaft zunehmen und von Experten inzwischen teilweise als Volkskrankheiten bezeichnet werden“. Deshalb, so Schrell, sei es wichtig, darüber zu informieren und Menschen die Scheu zu nehmen, sich bei psychiatrischen Gesundheitsproblemen professionelle Hilfe zu holen. Die Aktionstage können seiner Ansicht nach wesentlich dazu beitragen, Vorurteilen und sozialer Ausgrenzung entgegenzuwirken und dankte den Verantwortlichen der Aktionstage für die Bereitschaft und den engagierten Einsatz, das sensible Thema mit einem hervorragenden Veranstaltungskonzept aufzubereiten und damit Betroffenen eine wertvolle Hilfestellung zu geben.

Dr. Karel Frasch, Oberarzt am Bezirkskrankenhaus Günzburg, berichtete in seinem Vortrag über die persönlichen Erfahrungen mit einem in Bayern einzigartigen, innovativen Projekt zur außerstationären, intensiven Begleitung für Menschen in existenziellen psychischen Krisen als Alternative zur stationären Versorgung dem „home treatment“. Zentraler Bestandteil ist ein multiprofessionelles Behandlungsteam, bestehend aus Ärzten, Sozialpädagogen und Fachpflegekräften, das den akut psychiatrisch behandlungsbedürftigen Patienten in seiner gewohnten Umgebung rund um die Uhr versorgt. Die Dauer der Intervention sollte nicht länger sein als ein Krankenhausaufenthalt, so Dr. Frasch.

Die Zustimmung der Betroffenen vorausgesetzt, begleiten die MitarbeiterInnen des mobilen Krisenteams die Patienten im vertrauten Rahmen, können so auf bekannte Strategien der Betroffenen und deren Umfeld aufbauen und Bewährtes einbeziehen. Durch die gemeinschaftliche Planung und die dauernde Erreichbarkeit werden Zeit und Intensität der Begleitung im Verlauf der Krise nah an den jeweils aktuellen Bedarf angepasst. So könne eine Alternative zur stationären Versorgung in einem wohnfeldnahen Umfeld geschaffen werden.

Den Abschluss der Aktionstage bildet die Filmvorführung „Schnupfen im Kopf“ am Dienstag, 11. Oktober 2011, 19:00 Uhr, im Filmcenter Dillingen. Regie führte Gamma Bak. Die selbst betroffene professionelle Filmemacherin zeigt einen autobiografischen Film über ihre psychische Erkrankung. Es ist ein intimes und faszinierendes Selbstportrait, das einen Einstieg in ein komplexes Thema bietet und einen direkten Einblick in das Ringen mit der Diagnose Psychose gibt.
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